The Sea And Cake - One bedroom

The Sea And Cake- One bedroom

Thrill Jockey / Clearspot / EFA
VÖ: 27.01.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schlafzimmeraugenblicke

Es ist in letzter Zeit ein wenig still geworden um die einst so gespannt beäugte Postrock-Szene aus Chicago. Vor gar nicht allzu langer Zeit galten Bands wie Gastr Del Sol, Tortoise oder Slint als ersehnter Ersatz für den sich von einer Sackgasse in die nächste begebenden Rock'n'Roll. Experimentell, abstrakt, avantgardistisch - diese drei Attribute paßten auf beinahe jedes Projekt, das sich aus einem fröhlich vor sich hin blubbernden Schmelztiegel an die Öffentlichkeit stahl.

Und dann gab es da noch The Sea And Cake. Mit ihrer vermeintlich leichten Kreuzung aus Jazz, Krautrock, Easy Listening und Soul galten Sam Prekop (Ex-Shrimp Boat), Archer Prewitt (Ex-The Coctails), Jim McEntire (Tortoise) und Eric Claridge (ebenfalls Ex-Shrimp Boat) immer schon als zugänglichste der Klangbastler aus Illinois. Die oft beschwingten Klänge des Vorgängers "Oui" deuteten denn auch an, was nun mit "One bedroom" fortgeführt wird: The Sea And Cake sind endgültig im Pop angekommen. Zumindest soweit, wie sich ein Künstler mit selbstgestecktem Anspruch darauf einlassen würde.

Wenn Prekops sanfte Stimme zu luftigen Harmonien der Melodie schmeichelt, verspürt man gelegentlich beinahe französische Sanftheit. Zärtliche Grooves plätschern durch die Gegend, ebenso subtil verstecken sich freitönende Instrumentaleskapaden und dröhnende Lärmreste im Klangbild. Nichts drängt sich auf, keine Penetranz stört. Da wird gar zu raffiniertem Bossanova so angenehm gekuschelt, daß selbst James Last noch etwas lernen könnte. Aber keine Angst, ganz so einfach machen es uns The Sea And Cake auf ihrem sechsten Album nicht immer.

Doch die doppelten Böden und unerwarteten Wendungen sind selten geworden auf "One bedroom". Da stellt fast schon die unvermutet werkgetreue Coverversion von Bowies "Sound & vision" die größte Überraschung dar. Und auch wenn sich Prekops Gesang in immer höhere Sphären schraubt und die durchweg transparenten Arrangements manchmal ein wenig geschmäcklerisch wirken mögen, spürt man stets die Finesse des Vierers. Kunst kommt hier vor allem von Können. Wer sich also mit perlenden Gitarren, aufmunternden Synthesizer-Flächen und locker-flockigen Rhythmen anfreunden kann, darf "One bedroom" selbst dann sein Ohr leihen, wenn er Chicagoer Postrock bislang für verkopfte Kunstkacke hielt. Und vielleicht fühlt sich der bis ins Detail durchgeplante Wohlklang ja tatsächlich wohlklingend an.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Four corners
  • Left side clouded
  • Sound & vision

Tracklist

  1. Four corners
  2. Left side clouded
  3. Hotel Tell
  4. Le baron
  5. Shoulder length
  6. One bedroom
  7. Interiors
  8. Mr. F
  9. Try nothing
  10. Sound & vision

Gesamtspielzeit: 39:51 min.

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