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Feeder - All bright electric

Feeder- All bright electric

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 07.10.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Comfort in sound

Irgendwann beginnt die Phase, bei welcher in Reviews mit Erstaunen bemerkt wird, wie lange die thematisierte Band eigentlich schon dabei ist welchen Umfang der Katalog doch erlangt hat. Bei den Walisern von Feeder ist der Zeitpunkt gekommen – das Vierteljahrhundert steht bald vor der Tür, neun Alben können sie nun auf der Uhr verbuchen. Außerdem ist der Lebenslauf mit Höhen und Tiefen gespickt: der anfängliche Mainstream-Erfolg mit Hits wie "High" und "Buck Rogers", der Suizid des Drummers Jon Lee und dessen Verarbeitung auf "Comfort in sound" und "Pushing the senses". Anschließend schwand das Interesse der breiten Basis, was in der Sinnkrise zu "Renegades" führte, einem fehlgeleiteten Versuch, mehr Härte zu zeigen. Doch mit "Generation freakshow" fand sich die Band auf wunderbare Weise mit ihrem unaufgeregten Dasein ab, und der Nachfolger "All bright electric" hält zum Glück dem Kurs.

Grant Nicholas, Taka Hirose und der seit 2009 an Bord befindliche Schlagzeuger Karl Brazil fühlen sich komfortabel in ihrer Nische und denken auch nach vier Jahren Funkstille nicht daran, Trademarks über Bord zu werfen. Nicht mal Nicholas' akustisch geprägtes Soloalbum "Yorktown heights" hat nennenswerte Spuren hinterlassen. Eher signalisiert der Opener "Universe of life" eine Abkehr von der sonnigen Stimmung auf "Generation freakshow" hin zu gewittrigen Klängen. Doch dank der unverkennbaren Stimme und dem verzerrten Gitarrensound, der fast schon an "Polythene"-Zeiten erinnert, kommt nie die Verlegenheit auf, eine andere Band als Feeder hinter dem Song zu vermuten. Die zweite Single "Eskimo" schlägt erfolgreich in die gleiche Kerbe, erschafft lustvoll ein Spannungsfeld zwischen harmonischer Melodie und dissonanten Einschüben.

Überhaupt geben sich Feeder auf der ersten Hälfte von "All bright electric" keine Blöße. "Paperweight" ist ein weiterer knackiger Rocksong, der genügend Wendungen bereithält, um interessant zu bleiben. Insbesondere die mit aller Kraft nach vorne schiebenden Gitarren während der Strophe wissen zu begeistern. "Infrared ultraviolet" fährt auf über fünf Minuten die psychedelische, ausufernde Schiene der Band und steigert sich am Schluss in einen Mahlstrom hinein. Danach klart es wettertechnisch für den Rest der Platte auf: "Oh Mary" ist ein äußerst hübsches Kleinod im Stile von "Oxygen" und genau richtig in der Albummitte platziert.

Zum Ende hin betritt die Band lediglich ein paar Mal zu viel beliebiges Terrain. "The impossible" oder "Another day on earth" sind wahrlich keine schlechten Songs, hinterlassen aber einen unbefriedigenden Malen-nach-Zahlen-Geschmack im Mund. "Angels & lullabys" ist zwar arg lieblich geraten, punktet aber mit den schick gefälschten Bläser-Synthies, die das Stück durchsetzen. "All bright electric" bleibt deswegen etwas hinter der großartigen Wiederauferstehung "Generation freakshow" zurück. Doch das Trio fühlt sich hörbar wohl mit seinem aktuellen Status jenseits des großen Wirbels und bietet der verbliebenen Anhängerschaft mit größtenteils hochklassigem Nachschub kaum etwas zum Meckern. Wir freuen uns dann schon mal auf die Zeit, wenn in Feeder-Rezensionen vom "Alterswerk" die Rede ist.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Universe of life
  • Eskimo
  • Paperweight
  • Oh Mary

Tracklist

  1. Universe of life
  2. Eskimo
  3. Geezer
  4. Paperweight
  5. Infrared ultraviolet
  6. Oh Mary
  7. The impossible
  8. Divide the minority
  9. Angels & lullabys
  10. Hundred liars
  11. Another day on Earth

Gesamtspielzeit: 42:00 min.

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User Beitrag

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 7805

Registriert seit 26.02.2016

2021-12-16 22:58:21 Uhr
All Bright Electric

Als Feeder die eigene Düsternis wiederentdeckten. "All Bright Electric" durchzieht der rote Faden des Abgründigen. Die Musik ist härter als auf "Generation Freakshow", das korreliert mit Grants Haarpracht, die so lang ist wie seit "Polythene"-Zeiten nicht mehr. Die Lyrics sind kryptischer, die Hooks komplexer. Leider hält die zweite Hälfte nicht ganz das der ersten, aber das sind minimale Kritteleien. (Und ja, reden wir nicht mehr über die damalige Bewertung...)
B-Seiten gab es zu dieser Platte nicht, sondern 3 Bonus-Tracks auf der Deluxe-Version. Aus zwei Gründen höre ich lieber die Standard (und den Rest als folgende separate EP). Zum einen hab ich es durch die Bemusterung für die Rezi lange Zeit nur so gehört. Zum anderen wirken die zwei letzten Tracks nach "Another Day On Earth" irgendwie angetackert (auch wenn "Eyes To The Sky" für sich auch ein toller Closer ist) und "Holy Water" hat mich mitten im Album dann immer gestört. Das Sequencing ist vielleicht genau der Punkt, warum ich letztlich den Vorgänger leicht vorne sehe.

Album (7,5)

01. Universe Of Life 10
Einer meiner meistgehörten Feeder-Songs. Ich finde den unglaublich fetzig, wie er schon am Anfang loslegt und sich dann mit dem vertrackten Refrain noch steigert. Intensiv ist das.

02. Eskimo 9
Ein weiterer Hinweis, dass Feeder auf dieser Platte häufig nicht die einfachen Abzweigungen nehmen. Die Melodie folgt eben nicht dem naheliegenden Muster, sondern windet sich geheimnisvoll im Refrain. Von dem Ausbruch im Zwischenteil gibt es auch immer nur wenige Sekunden. Ein Meisterstück in Zurückhaltung.

03. Geezer 8
Auch hier gibt es Start-Stop-Rhythmik, die den Refrain ausbremst, welchen sie auf "Silent Cry" zum Beispiel ganz anders durchgezogen hätten. Trotzdem bleibt die "Monsters"-Zeile auch so im Gedächtnis.

04. Paperweight 9
Ich mag total den garagigen Klang des Tracks, das leichte Hallen auf den Vocals. Hier ist vor allem die Strophe der Star, der Rhythmus ist einfach der Hammer. Über Kopfhörer kommt noch mal besser raus, wie krass sich das Ding zum Ende hin steigert. Wild, aber nicht ohne Sinn und Verstand.

05. Ultrared Infraviolet 6
Ich hab ja öfters Probleme, wenn es episch bei Feeder wird und auch hier finde ich, etwas weniger hätte es getan. Trotzdem mag ich den Song schon einigermaßen, auch wenn er für mich das Lowlight der ersten Hälfte ist – etwas unspektakulär halt.

06. Oh Mary 8
Eine schöne Ballade in der Mitte des Albums. Die braucht nicht viel, um mich zu erreichen, vor allem muss sie nicht unnötig ausfasern. Einfach ein kleines Kleinod.

07. The Impossible 7
Also gibt es doch noch größere, ungestörte Refrains auf "All Bright Electric". Der funktioniert hier auch gut, ich hab eher kleine Probleme mit der etwas lauen Strophe, die wirklich nur als Kontrast zum Refrain dient. Der kracht dafür gut rein. "On top of the world."

08. Divide The Minority 6
Jetzt sind wir endgültig in "Polythene"-Land angekommen mit dieser halb geflüsterten Strophe und dem widerspenstigen Refrain. Ich kann nicht genau sagen, was der Song anders macht als die vom Beginn, aber so richtig will sich für mich das große Ganze nicht zusammenfügen.

09. Angels & Lullabys 7
Dieses Tuten ist so niedlich. Auch sonst gerät das Stück recht hübsch und anmutig. Vielleicht wäre gerade gegen Ende hin noch etwas Variation gut, aber dass der finale Refrain einfach den Sound verdichtet, passt auch.

10. Hundred Liars 6
Was bitte ist dieses komische Gebrabbel am Anfang? Nun gut, ich hab hier ähnliche Probleme wie bei "Divide The Minority": Trotz ähnlichem Ansatz wie der Rest des Albums wirkt das nicht total rund. Aber: Die "Love is not a criminal"-Stelle ist schon wieder echt gut, da wäre doch mehr gegangen. So blubbert der Song etwas zu lang.

11. Another Day On Earth 8
Die Kehrseite der Medaille von "Children Of The Sun". Ein schön atmosphärischer Song, der eine gewisse Erschöpftheit ausstrahlt. Passt zur Thematik. Hier finde ich das Video auch äußerst passend als Untermalung und als Ende von "All Bright Electric" auch ein super Schlusspunkt, gerade mit den letzten Zeilen.

B-Kram (alle All Bright Electric Deluxe)

01. Holy Water 5
In den Song bin ich nie so recht reingekommen. Im Refrain denk ich mir manchmal, dass es gleich was wird. Und dann wechselt es doch wieder zu diesem monotonen Marsch. Der verlängert auf der Deluxe auch die ohnehin etwas zähe Strecke noch mehr.

02. Slint 8
Hat zwar nichts mit der gleichnamigen Band zu tun, ist aber auch sehr gut. Vor allem passt hier der Wechsel von zeternder Strophe zu diesem sehr schönen Refrain.

03. Eyes To The Sky 9
"Face the Krauts"? Naja, nett, dass Grant an uns denkt. Ein verhaltener und wirklich sehr schöner Song, bei dem ich das Klingeln im Hintergrund total mag. Der ist eines dieser Stücke, die sich über lange Zeit entfalten.

jo

Postings: 3430

Registriert seit 13.06.2013

2021-12-14 22:53:24 Uhr
Aber nicht Nicholas' Soloalbum davor vergessen ;). Das war, denke ich, auch der Grund, warum es hier wieder vor allem lauter wurde.

Huhn vom Hof

Postings: 3770

Registriert seit 14.06.2013

2021-12-14 21:32:35 Uhr
ABE war ein gutes Comeback-Album, wenn auch nicht ganz so stark wie der Vorgänger.

Universe Of Life 9/10
Eskimo 8/10
Geezer 7/10
Paperweight 7/10
Infrared Ultraviolet 7/10
Oh Mary 8/10
The Impossible 7/10
Divide The Minority 6/10
Angels And Lullabys 7/10
Hundred Liars 7/10
Another Day On Earth 8/10
==
Holy Water 8/10
Slint 7/10
Eyes To The Sky 7/10

didz

Postings: 869

Registriert seit 29.06.2017

2021-11-08 21:10:31 Uhr
ja, finde ich ja auch :-)
die atmosphäre is düsterer, die texte ernster, das songwriting weniger verspielt und auf den punkt.
düsterer/ernster=weniger verspielt

ein ähnlicher flow was die abwechslung angeht, aber eben wie gesagt :-)

jo

Postings: 3430

Registriert seit 13.06.2013

2021-11-08 20:54:10 Uhr
Für mich ist die Spielfreude hier irgendwie nicht so gegeben wie noch auf "YWtS"; aber ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, warum ich das so einschätze. Denn wirkliche Schwachpunkte kann ich bei dem Album auch nicht ausmachen...
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