Alter Bridge - The last hero

Alter Bridge- The last hero

Napalm / Universal
VÖ: 07.10.2016

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die ewige Suche

Schon im 18. Jahrhundert gab es eine Art Wikipedia, nur halt offline und mit dem großspurigen Namen "Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste". Angenommen, ein zittriger Historiker blättert vorsichtig darin herum und stößt auf Seite 1214, Buchstabe H auf folgende Definition: "Held, lat. Heros, ist einer, der von Natur mit einer ansehnlichen Gestalt und ausnehmender Leibesstärcke begabet, durch tapfere Thaten Ruhm erlanget, und sich über den gemeinen Stand derer Menschen erhoben." Dies ist zwar kein ordentlicher Satz, reicht aber aus, um sich ein ungefähres Bild eines waschechten Helden zu machen, heute wäre das beispielsweise Captain America. Und damit sind wir auch schon mittendrin bei "The last hero", dem aktuellen Album der Rockband Alter Bridge, auf dem sie auf der Suche nach den "echten Helden" sind, die sie niemals finden werden.

Klar, Mark Tremonti kann echt gut Gitarre spielen, und Sänger Myles Kennedy ist als Kumpel von Slash und den Led-Zeppelin-Altherren eine ziemlich geile Sau, aber das wissen wir ja bereits. Neu ist die Tatsache, dass Alter Bridge mit ihrem fünften Album nun endgültig nicht mehr als Nachfahren von Creed gesehen werden wollen. Um das in aller Deutlichkeit klarzustellen, versuchen sie lauter und böser als jemals zuvor zu klingen, ja sogar lauter und böser als bei "Fortress". Dafür kamen diesmal sogar siebensaitige Gitarren zum Einsatz, wer hätte das gedacht. Aber keine Sorge, Alter Bridge passen nach wie vor wunderbar in die gut gepolsterte Alternative-Metal-Schublade. Dafür sorgen schon die breitbeinigen Power-Riffs, die bombastischen Stadion-Gesänge Kennedys ("Show me a leader that won't compromise / Show me a leader so hope never dies"), die Flitzfinger-Einschübe Tremontis, der ganze Rock-Kram eben.

Hin und wieder gibt es Temposchwankungen, wie beim doomigen "The other side", so etwas bleibt aber die Ausnahme. Die Midtempo-Hymne "From the cradle to the grave" erinnert an diese Kuschelrock-Compilations damals. Aber gut, one for the ladies oder wie das im Business heißt. Ähnlich geklöppelt ist "You will be remembered", eine vor US-Patriotismus triefende Ode an die gefallenen Soldaten ("You will always be the hero"). Alles klar, wir haben verstanden. Der Rest ist Retorten-Rock, gut gedacht und gut gemacht. Wirkliche Höhepunkte sind kaum auszumachen, auf Dauer erschlafft das Trommelfell und schaltet auf Durchzug. Bei einigen ausgeklügelten Stellen bei "Island of fools" könnte das Herz des geneigten Hörers zwar kurzzeitig aussetzen, spätestens beim glattgebügelten Refrain stellt sich der Puls jedoch wieder auf normales Mainstream-Betriebstempo ein. Den mehr oder weniger glorreichen Abschluss bildet schließlich "The last hero", das dann doch noch mit ordentlicher Rhythmusarbeit und heroisch-ausladenden Melodien glänzt. Aber reicht das?

Alter Bridge sind Profis, heute mehr als jemals zuvor. Das hört man der Platte an. Große Gesten in Texten und Gitarren, stets das epische Heldenmotiv im Blick, ganz wie der alte Wagner seinerzeit. Etwas mehr Experimentierfreudigkeit im Songwriting, wie bei einigen Nummern auf "Fortress" zu hören, hätte keineswegs geschadet. Aber das wäre wahrhaftig heldenhaft gewesen.

(Felix Mildner)

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Highlights

  • The other side
  • Island of fools

Tracklist

  1. Show me a leader
  2. The writing on the wall
  3. The other side
  4. My champion
  5. Poison in your veins
  6. Cradle to the grave
  7. Losing patience
  8. This side of fate
  9. You will be remembered
  10. Crows an a wire
  11. Twilight
  12. Island of fools
  13. The last hero

Gesamtspielzeit: 68:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
mike
2016-11-18 11:51:15 Uhr
gute Frage
Come join the Fight!
2016-11-13 19:44:29 Uhr
Seit wann ist plattentests dafür bekannt objektiv zu sein..
mike
2016-11-13 11:59:37 Uhr
Metal -Alternative Schublade?

Wenn man sowas schreibt, hat man etwas gegen eine ganze Musikrichtung. Objektivität gleich null
regger
2016-10-24 09:57:29 Uhr
Als Späteinsteiger - d.h. ich hab die gesamte Diskografie erst nach dem Erscheinen der "The Plague within" kennengelernt - ist das Letztwerk für mich das beste Album der Bandgeschichte. Unglaublich vielseitig und eine gesunde Härte.

hubschrauberpilot

Postings: 4690

Registriert seit 13.06.2013

2016-10-22 19:25:39 Uhr
Oh, sind sogar nur 6/10 bei mir. :/
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