Moddi - Unsongs

Moddi- Unsongs

Propeller / H'Art
VÖ: 16.09.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Stiller Protest

Der Protestsong mit Wanderklampfe hatte seine Blütezeit in den Sechziger- und Siebzigerjahren und mit Joan Baez und Bob Dylan seine prominenten Blumenkinder, die ihre sanfte Stimme gegen herrschende Missstände erhoben. Brüder im Geiste wie Rage Against The Machine, Refused oder Public Enemy ersetzten die Akustikgitarre mit Marshall-Verstärker oder Baller-Beats und brüllten mit Maximalverzerrung gegen schreiendes Unrecht an. Trotz heute immer noch tourender Barden wie Billy Bragg stehen aktuell eher Hardcore- und Punk-Combos wie Wolf Down, Feine Sahne Fischfilet oder Elektrokrawaller wie M.I.A. im Rampenlicht, wenn es mit erhobener Faust und ausgestreckten Mittelfinger gegen Unterdrückung geht.

Ganz leise hingegen liefert der norwegische Aktivist und Songwriter Moddi mit seinen "Unsongs" einen sanften Gegenentwurf zum rohen Kampfschrei gegen politische Unterdrückung und gesellschaftliche Ausgrenzung. Dazu hat sich Pål Moddi Knutsen, wie der Mann mit bürgerlichen Namen heißt, auf eine Reise um den Globus und von der Gegenwart bis in die Vergangenheit begeben. Das Original-Songmaterial, unter anderem aus China, USA, Israel, Russland, Mexiko oder Palästina, zeichnete verantwortlich dafür, dass seine Interpreten wahlweise mit Auftrittsverbot, Boykott, Knast oder gar Mord bestraft wurden. Zwölf akustische Coverversionen haben ihren Weg auf "Unsongs" gefunden. Komplett neu arrangiert und ins Englische übersetzt, bringt Moddi die Seele der Originale auch im neuem Klangkörper zur Entfaltung.

Die mit Gitarre, Streichern, Cello, Trompete, Akkordeon und Piano umgesetzten Songs thematisieren ebenso das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, wie das Leid der entwurzelten algerischen Berber "Open letter" oder das Schicksal der indigenen Sami aus Norwegen. Dabei stehen Songs wie der des "Punk prayer" von der russischen Formation Pussy Riot geschlossen neben den Antikriegsvorträgen wie "A matter of habbit" vom israelischen Sänger Izhar Ashdot oder Kate Bush mit "Army dreamers“. Hier stehen israelische Kriegsdienstverweigerer, palästinensische Dichter, südamerikanische Revoluzzer oder sogar mexikanische Narcos Hand in Hand. Trotz aller inhaltlicher Schwere und der unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus gelingt es dem Norweger, die akustische Protestversammlung sicher an einem roten und durchgehend musikalisch mitreißendem Faden durch das Album zu navigieren.

Egal ob ein intimes, melancholisches Kammerstück wie "Strange fruit", die orchestrale Ode an das Heimatland "Where is my Vietnam?", die geradezu fröhliche Uptempo-Nummer mit bitterem Inhalt "Open letter" oder das mit südamerikanischem Revoluzzer-Timbre und Siebzigerjahre-Woodstock-Touch aufgeladene "Our worker" – Moddi trifft immer den richtigen, respektvollen Ton. Der Norweger interpretiert die teils hunderte Jahre alten Originale derart leidenschaftlich, dass man jederzeit die Verzweiflung und Wut ihrer Urheber spürt. Dabei lohnt besonders das genaue Zuhören der Lyrics über Kriegsmüde, Unterdrückte und von der Gesellschaft Verlassene. Die von Moddi mitgelieferten Hintergrundinformationen verleihen den Songs zusätzlich Gewicht und lassen sie weiter wachsen. Sich dieses musikalische Kleinod zensierter Protestkultur entgehen zu lassen, gehört verboten.

(Oliver Windhorst)

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Highlights

  • Our worker
  • Eli Geva
  • Strange fruit

Tracklist

  1. June fourth 1989: From the shattered pieces of a stone it begins
  2. A matter of habit
  3. Punk prayer
  4. Open letter
  5. Army dreamers
  6. Our worker
  7. Parrot, goat & rooster
  8. The shaman and the thief
  9. Eli Geva
  10. Strange fruit
  11. Where is my Vietnam?
  12. Oh my father, I am Joseph

Gesamtspielzeit: 48:33 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2017-01-05 17:46:52 Uhr
Moddi kündigt weitere Konzerte für März 2017 in Deutschland an

12 verbotene Songs aus 12 Ländern: Auf seinem Album “Unsongs” hat der norwegische Songwriter Moddi im gerade erst vergangenen Jahr den Liedern von Kate Bush, Vikto Jara, Pussy Riot, uvm., neues Leben eingehaucht und ein bewegendes, Augen öffnendes Album erschaffen, das die Zeniserten feiert und gleichzeitig die Zensoren aufweckt. Die erklärende Website zum Album findet man hier: http://www.unsongs.com/

Auch im neuen Jahr geht Moddi mit den brisanten Songs im Gepäck auf Tour und besucht neben Istanbul, Oslo und London auch Deutschland um hier vier Konzerte zu spielen:
27.03.2017 – Dresden, Tonne
28.03.2017 – Erlangen, E-Werk
29.03.2017 – Frankfurt, Sankt Peter Cafè
30.03.2017 – Köln, Gebäude 9

Pressestimmen:
„Mit Sensibilität, Melancholie und beeindruckender musikalischer Inspiration leiht der frühere Friedensaktivist den Verstummten seine markante Stimme und stellt die Zensoren bloß. Ein kluges, berührend pazifistisches Album zur rechten Zeit.“ (Galore 09/16)

„Moddis Musik scheint den Songs die Schärfe zu nehmen. Doch die Worte klingen so klar und eindringlich wie nie zuvor und können jetzt überall verstanden werden – wie ein trojanisches Pferd aus Musik, das sich spielend in unsere Ohren schleicht, bevor Tür und Tor für diese bewegenden Geschichten und kraftvollen Anklagen geöffnet werden.“ (MDR Kultur, Platte der Woche)

"All credit to the Norwegian singer and activist Pal Moddi Knutsen for unearthing so many songs that have run into trouble with the censors. The anti-lynching anthem Strange Fruit is one of the more conventional choices in a folk-pop list that roams from China to Israel. Pussy Riot’s Punk Prayer sounds all the better for being given a pensive reading." (Sunday Times Culture)

"An excellent Moddi of work" (The Guardian ***)

Hörproben
Moddi "Army Dreamers" (Kate Bush): https://soundcloud.com/propellerrecordings/moddi-unsongs-army-dreamers
Moddi "Punk Prayer" (Pussy Riot): https://vimeo.com/164995853
heya
2016-09-26 17:20:48 Uhr
schöne platte wieder mal vom vielseitigen norweger! 7/10 ein guter!
Leider....
2016-09-22 16:53:45 Uhr
...wohl nicht... Schade....

Armin

Postings: 13831

Registriert seit 08.01.2012

2016-09-21 20:44:11 Uhr
Frisch rezensiert.

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