Inc. No World - As light as light

Inc. No World- As light as light

No World / H'Art
VÖ: 16.09.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Wasser kommt, Wasser geht

Heiter bis wolkig? Eher bedeckt sah der Himmel aus, vor dem Andrew and Daniel Aged für das Cover ihres Debüts posierten. Eine angemessene Visualisierung des gedrückten Sounds, den die Brüder auf "No world" mittels tonlos-dezenten Beat-Geklackers aus der verbreakten Trockeneis-Kiste, zart verhuschter Vocals und nebulös einschwebender Achtziger-Keyboards entwarfen. Und in der Tat fielen dabei einige ungemein dichte Köstlichkeiten wie "5 days" oder "Trust (Hell below)" ab, die ziemlich exakt die Grenze markierten, bis zu der man Clubgängern mit smoothem Geschmachte und Soul-Hardlinern mit fragmentierten Dubstep-Rhythmen kommen konnte. Gut dreieinhalb Jahre später haben die beiden ihre kalifornische Heimat Richtung Hawaii verlassen, den Bandnamen um den Titel des Erstlings aufgestockt, eine EP mit FKA Twigs aufgenommen und ihr eigenes Label gegründet. Ehrensache, dass die Ageds dieses mit Album Nummer zwei entkorken – und dem Betrachter diesmal aus sonnigerem Ambiente zublinzeln.

Dumm aus der Wäsche gucken wird man hingegen bei 4AD im verregneten London, wo noch "No world" erschien: Kaum haben Inc. No World der britischen Renommieradresse den Rücken gekehrt, die ihren Ruf einst mit Shoegaze und Dream-Pop begründete, würden die beiden plötzlich deutlich besser ins Programm passen als früher. "As light as light" räumt der Sechssaitigen nämlich bedeutend mehr Platz ein als zuvor – die psychedelisch wabernden Improvisationen von Andrew Ageds Projekt One Cloud kündigten so etwas im Vorfeld bereits an. Dennoch präsentiert sich die erste Single "Waters of you" als so kompakter Groove-Karton mit hypnotischem Gitarren-Loop und latent wummerndem Bass-Unterbau, dass sogar Esoteriker ihren Zwieback vorübergehend hektischer in den Gurkentee stippen. Zumindest bis der hinreißende Wachtraum "In your beauty" auf einem Meer von Echos dahingleitet und das Duo The Durutti Column für einen Moment tatsächlich näher steht als D'Angelo oder Frank Ocean.

Gereizter geht es da schon im unruhig elektronisch durchknarzten Popowackler "Without water" zu, der sich zur Mitte hin genauso einen Spritzer Funk gönnt wie das perkussiv vor sich hin rumpelnde "Watch this dream" – wäre Lionel Richie "All night long (All night)" bei einem Meditationswochenende eingefallen, hätte das Resultat vielleicht ähnlich geklungen. Und nicht einmal, dass mit "In love" und "Bending" zwei spirituelle Akustik-Miniaturen folgen und das Gospel-selige "For the leaves" eine sachte Pedal-Steel-Gitarre aufglimmen lässt, will recht verwundern: Eigenen Angaben zufolge hat das Brüderpaar mittlerweile nicht nur sein Südsee-Paradies, sondern auch zu Gott gefunden. Und vertraut darauf, dass dieser trotz gelegentlicher Schieflage zwischen Alternative-R'n'B, Weiße-Hosen-Soul und Baumknutscherei mit Filmen im Kopf ein gütiges Ohr auf dieses nicht nur in den Songtiteln zuweilen etwas verwässerte Album wirft. Machen also auch wir unseren Frieden mit "As light as light" – nicht dass wieder dunkle Wolken aufziehen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Waters of you
  • In your beauty
  • Without water

Tracklist

  1. Hymn 1
  2. Waters of you
  3. The wheel
  4. In your beauty
  5. Without water
  6. Watch this dream
  7. In love
  8. Your waking heart
  9. Bending
  10. For the leaves
  11. In this dream
  12. Hymn 2

Gesamtspielzeit: 52:43 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-09-21 20:42:25 Uhr
Frisch rezensiert.

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