Bonnie 'Prince' Billy - Master and everyone

Bonnie 'Prince' Billy- Master and everyone

Drag City / Domino / Zomba
VÖ: 27.01.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Glück und Totschlag

Klein, zerbrechlich, simpel. Die schüchternen Klänge, mit denen uns Will Oldham in seiner erneuten Inkarnation als Bonnie "Prince" Billie beglücken will, erscheinen so leise, daß man freiwillig die Luft anhält, um jeden Laut zu erfühlen. Eine einsame Gitarre perlt sanft vor sich hin, und Oldham zeigt, daß Selbstbewußtsein dieses Mal nicht auf der Tagesordnung steht. Auf "Master and everyone" geht es um ganz andere Dinge: um das Böse im Menschen. Um Liebe. Um die Menschlichkeit an sich und die Hoffnungslosigkeit der Existenz.

Schwere Geschütze für ein so hingehauchtes Album. Aber Oldham weiß nicht nur genug melodischen Schwermut aufzubieten, er hat auch die entsprechende Poesie für den Ballast dabei. Anstatt sich abgehobenen, weltlichen Problemen zu widmen, findet er die Auseinandersetzungen zwischen Gut und Böse vor der eigenen Haustür. In sich selber. In denen, die er liebt und von denen er sich geliebt fühlen möchte. "Love me the way I love you" flüstert uns der notorische Einzelgänger mit engelsgleicher Stimme schon im Opener entgegen. Doch es ist kein Liebeswerben, sondern eher ein verzagtes Klagelied.

Und geklagt wird viel auf "Master and everyone". "I see a darkness" sang Oldham einst. Nun aber scheint er nichts anderes mehr zu erblicken. Selbst wenn er von "Joy and jubilee" singt, kauft man ihm seine Freude nicht ab. Nur ein wenig Schwung nimmt er mit hinein und kommt von Selbstzweifeln zerfressen wieder heraus. Mit "Wolf among wolves" begibt er sich gar auf philosophisches Terrain. Thomas Hobbes postulierte einst, der Mensch sei seinen Mitmenschen ein Wolf. Er müsse deswegen kontrolliert und einer starken Staatsgewalt unterworfen werden, um ihn zähmen zu können. Oldham hingegen ist schon gezähmt, gibt sich aber sich selbst gegenüber noch immer mißtrauisch. Dazu hat er guten Grund: "And everyday when I come home to her / She holds a phantom / She kisses and she hugs him."

Auf der Suche nach Frieden in sich selbst, findet Oldham vor allem seine Schattenseiten. Doch es gibt noch Hoffnung, sei sie auch noch so klein: "And love will protect you / To the age of the world / And a monster will get you / When love does no good." Liebe verzeiht selbst das größte Übel. "And maybe you kill me / Honey, I don't blame you / If I was in your place / Maybe that's what I would do." Oldham akzeptiert seine Schande und hofft darauf, daß wir dies auch können. Solange nur das Herz noch schlägt. Sein Brustkorb ist sperrangelweit offen. Und wir hören ein Pochen. Ganz leise.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • The way
  • Joy and jubilee
  • Maundering
  • Hard life

Tracklist

  1. The way
  2. Ain't you wealthy, ain't you wise?
  3. Master and everyone
  4. Wolf among wolves
  5. Joy and jubilee
  6. Maundering
  7. Lessons from what's poor
  8. Even if love
  9. Three questions
  10. Hard life

Gesamtspielzeit: 34:25 min.

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