Marillion - F E A R

Marillion- F E A R

Earmusic / Edel
VÖ: 23.09.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Wohliger Weltschmerz

"Sounds that can't be made"? Von wegen! Für ihr bisher letztes Album haben Marillion ein paar der besten Sounds ihrer Laufbahn gemacht. Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit bei einer Band, die schon so lange im Geschäft ist und deren Wirken ebenso von qualitativen Tiefschlägen, wie Höhenflügen geprägt war. Nach nun bereits 17 Alben stellt sich allerdings die Frage, was da eigentlich noch kommen soll. Haben Marillion noch was zu sagen? Und wenn ja, wie?

Der Titel des neuen Albums legt eine eindeutige Antwort auf die erste Frage nahe. "F E A R" steht nämlich für "Fuck everyone and run". Klingt nach einer Band, die die Schnauze gestrichen voll hat und sich mit Stinkefinger von der missratenen Welt verabschieden will. Doch weit gefehlt! "F E A R" ist weder ein Abschieds-, noch ein Alterswerk. Im Gegenteil: das Akronym soll laut Sänger Steve Hogarth zeigen, dass die Band zwar unbeirrt ihren Weg ging, dies aber immer mit einer gewissen Traurigkeit verbunden war. Und so ist "F E A R" eher eine aktive Auseinandersetzung mit großen Lebensthemen: Es geht um den modernen Kapitalismus, über politische Vorstellungen und übers ständige Abschiednehmen in einem Leben, das von häufigen Ortswechseln geprägt ist. Im Grunde verleiht das Album dem weithin vorherrschenden Gefühl Ausdruck, dass etwas Grundsätzliches mit der Welt nicht mehr zu stimmen scheint: "Wir nähern uns einer Art Gezeitenwechsel in der Welt – einem unumkehrbaren politischen, finanziellen, humanitären und umweltbezogenen Sturm. Ich hoffe, ich liege falsch. Ich hoffe, dass meine Angst sich nur darauf bezieht, was sich anzunähern scheint und nicht darauf, was tatsächlich passiert.", so Hogarth.

Es ist also noch Einiges zu sagen, und berücksichtigt man die Souveränität von "Sounds that can't be made" , erscheint es wenig wahrscheinlich, dass Marillion für das, was sie zu sagen haben, keine anständige Ausdrucksform finden. Besonders die ruhigen Töne konnten auf dem letzten Album überzeugen, auch wenn manch einer sie als langweilig empfand. Dabei sind "Pour my love", "Power" oder auch "Montreal" großartige Stücke, die die ganze Reife der Briten zur Schau stellen. Umso erfreulicher, dass "F E A R" in die gleiche Kerbe schlägt. Obwohl das Album aus drei mehrfach unterteilten Longtracks besteht, ist von einem auch deshalb zu erwartenden genretypischen Effektgewitter nichts zu hören. Stattdessen herrscht kuscheliger Wohlfühlprog vor, dem angesichts der verarbeiteten Themen allerdings mehr Unebenheiten gut zu Gesicht gestanden hätten. Durch die handzahme Art, mit der Marillion hier zu Werke gehen, bleibt die Spannung ein wenig auf der Strecke. Andererseits kann ein Album dieses so oft missverstandenen Genres kaum geschmeidiger durch die Gehörgänge gleiten.

"F E A R", das kann man in diesem Falle mit feinfühlig, entspannend, atmosphärisch und rund übersetzen, denn eine musikalisch rundere Sache haben Marillion selten gemacht, auch wenn Inhalt und Form ein wenig im Missverhältnis stehen. Andererseits: wenn das der Soundtrack zum befürchteten, einen grundlegenden Wandel einleitenden Sturm ist, kann es gar nicht so schlimm werden.

(André Schuder)

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Highlights

  • El Dorado (II) The gold
  • Living in F E A R
  • The leavers (I) Wake up in music
  • The new kings (II) Russia's locked doors

Tracklist

  1. El Dorado (I) Long – Shadowed sun
  2. El Dorado (II) The gold
  3. El Dorado (III) Demolished lives
  4. El Dorado (IV) F E A R
  5. El Dorado (V) The grandchildren of apes
  6. Living in F E A R
  7. The leavers (I) Wake up in music
  8. The leavers (II) The remainers
  9. The Leavers (III) Vapour trails in the sky
  10. The leavers (IV) The jumble of days
  11. The leavers (V) One tonight
  12. White paper
  13. The new kings (I) Fuck everyone and run
  14. The new kings (II) Russia's locked doors
  15. The new kings (III) A scary sky
  16. The new kings (IV) Why is nothing ever true
  17. The leavers (VI) Tomorrow's new country

Gesamtspielzeit: 68:00 min.

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User Beitrag

Hogi

Postings: 311

Registriert seit 17.06.2013

2016-12-12 14:35:52 Uhr
Definitiv mein Album des Jahres. Wäre sicherlich der krönende Abschluss einer langen Karriere...(was ich allerdings nicht hoffe!)
Liebe Plattenfirmenpromoter,
2016-10-28 19:44:45 Uhr
Plattentests.de vergibt Punkte, keine Sterne. Bitte berücksichtigen Sie das bei Ihren Jubelperser-Posts. MfG.
Gernot
2016-10-27 22:49:54 Uhr
Wann kapiert endlich auch der Letzte, dass es eine geile Zeit mit Fish und eine geile Zeit nach Fish gibt. Ich mag Fish, aber ich mag auch die Sachen nach Fish. Heißt nicht, dass ich alles gut finde, was so an Output kam. Tue mich schwer mit dem eher kommerziellen Kram und es gibt ganze Alben, die ich nicht mag. Trotzdem haben sich Marillion stehts weiterentwickelt und sensationelle Songs/Alben geschrieben. Das neue FEAR ist für mich aber ein echter Höhepunkt. Selten so ein komplexes, in sich rundes Album, ohne Füllmaterial, dass ich auch auf manch Album ertragen musste (z.B. Invisible Ink...), gehört. Einfach nur schön, einfach nur Marillion. Tolle Kompositionen, komplex, durchdachte Songs, mit anspruchsvollen Texten. Musikliebhaber, was willst mehr (man sollte sich aber Zeit nehmen und das Album nicht einfach nebenbei laufen lassen, es hat die volle Aufmerksamkeit verdient!)??? 10 von 10 Sternen!
Ackermann Andreas
2016-10-08 14:46:52 Uhr
Tipp: mehrfach anhören...erst dann erschließt sich die Feinfühligkeit des Albums...mit.M.E. ist es mindestens 9 Sterne wert und noch besser als das zitierte Sounds..

Viel Spaß beim Anhörung..anfangs leichte Enttäuschung weicht Suchtgefahr ;-)
They are back...I m glad to be in Port Zealand 2017!
Habback
2016-09-30 17:28:52 Uhr
@Scholz

Nein nicht seit Fish weg ist ist nichts mehr wie es war...... sondern seit dem brave Album war es ziemlich dünn was sie abgeliefert haben....
Nur meine Meinung.....
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