LVL UP - Return to love

LVL UP- Return to love

Sub Pop / Cargo
VÖ: 23.09.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Fuzzbrausen

"Mit Schlagzeug und Bass / Macht das Musikhören Spaß / Doch wenn die Gitarre spielt, ist alles zu spät / Weil man dann den Text nicht mehr versteht." Messerscharf analysierten die altehrwürdigen Ärzte mal auf einer B-Seite das Problem des Fuzzbrausens im Indierock, welches jegliche gesungenen Worte im Getöse überlagert. Bei den vier Jungs von LVL UP aus New York gehört das natürlich zum guten Ton dazu. Wenn hier einmal aufs Verzerrerpedal getreten wurde, kann man die Lyrics allerhöchstens auszugsweise erahnen. Nun, da ihr drittes Album den Titel "Return to love" trägt, mag man spekulieren, das sei ja auch wahrscheinlich nicht unvorteilhaft. Würde man ein deutsches Album namens "Rückkehr zur Liebe" freiwillig ohne Androhung von Gewalt anhören? Eben.

Nun sind die Texte von LVL UP nicht der Weisheit letzter Schluss, aber glücklicherweise auch weit entfernt von Schlager-Plattitüden oder Kitsch-Infernos. Und zumindest werden sie gleich auf dem fantastischen Opener "Hidden driver" schon tiefenphilosophisch – mit einem Schuss Gosse. "God is peeking, softly speaking / Fucking every thing until I see." Oder so ähnlich – ein Textblatt für die Entwirrung des Geräuschgeschwaders lag dem Rezensenten nicht vor. Es wird dermaßen geknödelt, dass Jeff Mangum stolz wäre, und die Soundwand drückt mit Wumms nach vorne. Hier kommen nur die ganz Großen aus dem Verzerrer-Nachfragemarkt als Referenz in den Sinn. "Blur" schließt sich an und nimmt in unter zwei Minuten den Schwung dankbar mit, eine wunderbare verspielte Gitarrenlinie schraubt den Track in höchste Höhen.

"Return to love" lebt von seiner Laissez-faire-Atmosphäre, die eigentlich nur auf dem fordernden, lärmenden "Five men on the ridge" durchbrochen wird. Ansonsten beschwört das wunderbare "Spirit was" ganz unbekümmert die ruhigere Seite von Pavement herauf und "Cut from the vine" schleppt sich wie in Trance im stoischen Taktmaß über die Runden. Das epische Gitarrensolo am Ende von "Pain" könnte dann auch Deinem siebenjährigen Sohn gefallen, ganz ehrlich. Höchstens mag man als Wermutstropfen anführen, dass die letzten beiden Songs nicht ganz auf Augenhöhe bleiben. Mit seinen Funpunk-Anleihen ist "I" ein merkwürdiger Fremdkörper auf der Platte und der Closer "Naked in the river with the creator" gefällt zwar mit langsam stampfenden Groove, rechtfertigt jedoch nicht gänzlich seine überlange Spielzeit.

Aber bloß nicht zu perfekt werden. Sowas gehört wohl zur kultivierten Slacker-Attitüde dazu, die das Quartett schon längst verinnerlicht hat. Ebenso, wie dieses formschöne hitzegeeignete Album pünktlich zum Herbstanfang auf den Markt zu werfen, wenn die Supermärkte vorsorglich schon wieder Lebkuchen und Spekulatius im Angebot haben. LVL UP werden wohl höchstens mit den Schultern zucken, sollte man ihnen schlechtes Timing vorwerfen. Oder ein Lied darüber schreiben, bei dem man spätestens den Refrain eh nicht mehr versteht.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Hidden driver
  • Spirit was
  • Pain
  • Five men on the ridge

Tracklist

  1. Hidden driver
  2. Blur
  3. She sustains us
  4. Spirit was
  5. Pain
  6. The closing door
  7. Five men on the ridge
  8. Cut from the vine
  9. I
  10. Naked in the river with the creator

Gesamtspielzeit: 40:57 min.

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saihttam

Postings: 1286

Registriert seit 15.06.2013

2018-09-28 15:04:52 Uhr
Wie passend, dass gerade auf Pitchfork ein schöner Artikel zur Band und deren Label erscheint. Macht das Ende der Band etwas verständlicher.

https://pitchfork.com/thepitch/the-end-of-lvl-up-and-the-future-of-double-double-whammy-mike-caridi-interview/

saihttam

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Registriert seit 15.06.2013

2018-09-24 13:42:42 Uhr
Hat jemand mal die älteren Sachen gehört und kann sagen, ob sie auch empfehlenswert sind? Ich bin immer noch traurig, dass es kein neues Album geben wird und muss daher wohl mal in die Vergangenheit blicken.

Gordon Fraser

Postings: 1192

Registriert seit 14.06.2013

2018-06-12 17:57:15 Uhr
Kommt in der Tat etwas unerwartet.

saihttam

Postings: 1286

Registriert seit 15.06.2013

2018-06-12 12:00:16 Uhr
Ach wie schade! Hab das Album über die Zeit sehr lieb gewonnen.

Felix H

Postings: 3061

Registriert seit 26.02.2016

2018-06-12 08:56:00 Uhr - Newsbeitrag
Band wird sich leider nach der nächsten Tour auflösen. Vorher gibt es noch einen finalen Song:

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