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Preoccupations - Preoccupations

Preoccupations- Preoccupations

Jagjaguwar / Cargo
VÖ: 16.09.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Die Trauer feiern

Der Vietnamkrieg war ein besonders dunkles Kapitel in der an düsteren Kapiteln nicht gerade armen Geschichte der USA. Nach dem Engagement in einem über zehn Jahre andauerndem Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südvietnam, verließ die geschlagene Supermacht 1975 gedemütigt das Land. Der Viet Cong war einer der Hauptwidersacher der USA und seiner südvietnamesischen Verbündeten. In dem mit äußerster Brutalität geführten Konflikt fügte die Guerillatruppe den siegesgewohnten USA empfindliche Verluste zu und scheuchte sie schließlich ganz aus dem Land. Diese Niederlage ist auch heute noch ein Trauma für Viele. Spätestens 2015 bereuten die kanadischen Postpunker Viet Cong dann auch die Entscheidung, sich ausgerechnet nach dieser Guerillatruppe zu benennen. Denn sie wurden kurzerhand aufgrund ihres kontroversen Namens von einem Festival ausgeladen.

Das Quartett hisste daraufhin die weiße Flagge und benannte sich kurzum in Preoccupations um. Eine gute Entscheidung. Denn trotz Namenswechsel halten Preoccupations an den Tugenden ihres Debüts "Viet Cong" aus dem Jahr 2013 fest. Auf den Schultern von Post Punk, New Wave und gelegentlich noiseinfizierter Psychedelica tragen die nun Geläuterten den Hörer erneut durch eine farbenarme, besorgniserregende Soundlandschaft. Diese Landscapes verursachen Gefühle, die nicht immer angenehm, aber zu jeder Zeit hochspannend sind.

Auffällig im Vergleich zu dem noch etwas kratzbürstigerem Erstlingswerk ist, dass die Gitarren auf dem Neuling eher die zweite Geige spielen. Bass, Schlagzeug und Synthesizer sind nun tonangebend. "Degraded" und das nervös und nach vorne stolpernde "Stimulation" dürfen hier gerne als Ausnahmen von der neuen Regel genannt werden. Im Großen und Ganzen ordnen sich aber eruptive Noiseausbrüche der Idee unter, das Gesamtwerk und nicht den individuellen Song in den Vordergrund zu stellen. Dass das Album dennoch mit Großtaten wie dem Opener "Anxiety" oder dem 2-in-1 Song "Memory" beindrucken kann, macht diese Platte so aufregend.

Von den Arrangements her ohnehin schon einer der Lichtblicke düsterer Musik 2016, verschlägt einem die Stimme des Frontmanns Matt Flegel endgültig die Sprache. Mit knorrigem Organ dominiert er die mit reichlich Widerhaken versehenen Songs – ohne bei aller Melancholie in die Wave-Pathosfalle zu tappen. Diese Schwermut macht Freude. Am beeindruckendsten gelingt Preoccupation dies im finalen, geradezu epischen "Fever". Wenn Flegel minutenlang "You're not scared / You're not scared / Carry your fever away from me" singt, ist das auf geradezu beängstigende Art und Weise schön.

(Oliver Windhorst)

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Highlights

  • Anxiety
  • Memory
  • Fever

Tracklist

  1. Anxiety
  2. Monotony
  3. Zodiac
  4. Memory
  5. Degraded
  6. Sense
  7. Forbidden
  8. Stimulation
  9. Fever

Gesamtspielzeit: 43:00 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Borcholte
2016-09-24 23:06:30 Uhr
Nur wenn Flying Lotus produziert und Kamasi Washington gefeatured wird.
Kopfschüttler
2016-09-24 21:14:12 Uhr
Laut Borcholte darf man also heutzutage keinen Post Punk mehr machen.
Hinweis
2016-09-22 17:56:52 Uhr
Uns Andi = Borcholte
@Uns Andi
2016-09-22 17:40:23 Uhr
wer drückt diese "aktuellen, dystopischen Gefühle" denn für dich angemessen aus?
Uns Andi
2016-09-22 07:46:26 Uhr
De.r Ver.such, akt.uelle dy.sto.pische G.efüh.le mit den Mit.teln des Postp.unk, also einer ver.ga.ngenen Ide.e von Mo.de.rne, zu illust.rieren, wird in einer schlimmen di.ale.kti.schen Ve.dreh.ung zu nost.al.gis.chem Kit.sch, der unge.fähr so ra.dikal und emoti.onal pack.end ist wie das let.zte Alb.um von Mu.se.
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