Meat Loaf - Braver than we are

Meat Loaf- Braver than we are

429 / Caroline / Universal
VÖ: 09.09.2016

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kein Drama

Endlich wieder Drama! Die Ankündigung, dass Meat Loaf erneut mit seinem Stammkomponisten Jim Steinman zusammenarbeiten würde, ließ Freunde des gepflegten Bombast-Rocks frohlocken, zumal die letzten Veröffentlichungen des Sängers eher leichtgewichtig waren. Mit Steinman feierte Marvin Lee Aday, inzwischen Michael Lee Aday, hingegen seine pompösesten Momente und größten Erfolge. Besonders die ersten beiden "Bat out of hell"-Scheiben haben nicht zuletzt dank gnadenlos theatralischer Evergreens wie "I'd do anything for love (but I won't do that)" beinah Kultstatus. Inzwischen muss man jedoch schon zehn Jahre zurückgehen, um mit dem insgesamt würdigen dritten Teil der "Bat"-Alben den bisher letzten Höhepunkt in der Diskographie des Sängers zu entdecken.

Umso länger waren die Gesichter, als klar wurde, dass die neuerliche Zusammenarbeit zwischen Meat Loaf und Steinman gerade kein "Bat out of hell"-Album werden würde. Das muss der musikalischen Klasse freilich keinen Abbruch tun, wie das Duo bereits mit dem 1981 erschienen "Dead ringer" bewies. Anlass zur Sorge bietet da eher schon der Umstand, dass beide inzwischen fast 70 Winter erlebt und ihre kreativen Zenit längst überschritten haben. Meat Loaf, der live ohnehin nur noch ein Schatten seiner selbst ist, brach erst vor ein paar Monaten auf der Bühne zusammen. Und dass er nicht mehr die Stimmgewalt früherer Tage besitzt, war ihm zuletzt leider auch deutlich anzuhören.

Keine allzu großen Erwartungen also – die das Album prompt unterbietet. Was ein nervtötender und stilistisch seltsamer Titel wie "Who needs the young" auf einem Meat-Loaf-Album, zumal als Opener, zu suchen hat, wird wohl Steinmans Geheimnis bleiben. Vielleicht wollte er unbedingt den ersten Song, den er je geschrieben hat, unterbringen. Wäre besser gewesen, er hätte darauf verzichtet. Zum Glück fängt sich die Platte nach diesem vermasselten Einstieg schnell und lässt mit "Going all the way is just the start (A song in 6 movements)" Erinnerungen an leidenschaftlichere Zeiten aufkommen. Besonders an den 1977er-Hit "Paradise by the dashboard light", denn wie schon damals wechselt sich Meat Loaf mit Ellen Foley und Karla DeVito ab.

Überhaupt greift Steinman, der sich schon immer gut auf die Mehrfachverwertung seiner Ideen verstand, auf Altbewährtes zurück. Im Grunde ist "Braver than we are" eine Art Rekapitulation des steinman'schen Gesamtwerks. So war das angenehm treibend-düstere "More" ursprünglich ein Song der Sisters Of Mercy und das geradlinige "Train of love" stammt ebenso wie "Who needs the young" aus Steinman's Anfangszeit. Am bekanntesten dürfte zweifellos "Loving you's a dirty job (but somebody's gotta do it)" sein, das viele als Neuauflage des bereits 1986 von Bonnie Tyler und Todd Rundgren gesungenen Duetts wiedererkennen werden. Die aktuelle Meat-Loaf-Interpretation fällt im Vergleich zwar weniger eindringlich aus, zählt dank abermals weiblicher Unterstützung jedoch trotzdem zu den besseren Songs des Albums. Weibliche Gesellschaft hat Meat Loaf ohnehin schon immer gut getan, wie auch das balladeske, dabei allerdings allzu schmachtfetzende "Speaking in tongues" zeigt.

Ein Drama ist "Braver than we are" somit unterm Strich nicht geworden. Weder im buchstäblichen, noch im übertragenen Sinne. Es zeigt zwar, dass Meat Loaf ohne den maßgeschneiderten Pathos Steinmans nicht derselbe ist, doch deren Zusammenarbeit hat auch schon bleibenderen Eindruck hinterlassen.

(André Schuder)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Going all the way is just the start (A song in 6 movements)
  • More

Tracklist

  1. Who need's the young
  2. Going all the way is just the start (A song in 6 movements)
  3. Speaking in tongues
  4. Loving you's a dirty job (but somebody's gotta do it)
  5. Souvenirs
  6. Only when I feel
  7. More
  8. Godz
  9. Skull of your country
  10. Train of love

Gesamtspielzeit: 55:17 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Andreas

Postings: 103

Registriert seit 29.12.2013

2016-09-14 17:58:13 Uhr
Nostalgie...

Andreas

Postings: 103

Registriert seit 29.12.2013

2016-09-14 17:57:47 Uhr
Leider nur noch ein Stimmchen, mehr als Noltalgie ist da nicht!

Armin

Postings: 13137

Registriert seit 08.01.2012

2016-09-07 21:19:50 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Ian
2016-06-22 21:08:31 Uhr
Ah, mit deaktivertem Adblock geht's.

Armin

Postings: 13137

Registriert seit 08.01.2012

2016-06-22 21:02:49 Uhr
Runderscrollen, da ist ein Soundcloud-Ding eingebettet.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Threads im Plattentests.de-Forum