Kishi Bashi - Sonderlust

Kishi Bashi- Sonderlust

Joyful Noise / Cargo
VÖ: 16.09.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Streicher streichen

Der erste Hördurchgang des dritten Kishi-Bashi-Albums "Sonderlust" mag zu Irritationen führen. War das nicht der mit den Fiedel-Arrangements bei Of Montreal oder Regina Spektor? Der diesen leicht bis mittelschwer durchgedrehten Violinen-Pop macht? Und wo sind denn nun hier die Streicher hin? Gestrichen worden? In der Tat nimmt das Markenzeichen-Instrument von Kaoru Ishibashi mittlerweile eine deutlich weniger prominente Position in seiner Musik ein. Die Wandlung des Sounds hin zu mehr Elektronik, Synthies und Popappeal, welche schon zwischen "151a" und "Lighght" begann, findet auf "Sonderlust" ihren vorläufigen Höhepunkt.

Die Geigen sind nach wie vor vorhanden, allerdings dominieren sie nicht mehr den Sound, sondern stellen zumeist nur Verzierungselemente dar, schmücken hier ein Intro und da einen kurzen Zwischenpart. Geblieben ist hingegen natürlich die musikalische Aufmerksamkeitsschwäche, die für ordentlich Wirbel in den Songs sorgt. Und selbstverständlich findet alles mögliche aus dem Instrumentenkasten den Weg auf die Platte. Ukulele, Bläser und weiß der Geier, was der multitaskingfähige Japaner sonst noch sich ersponnen hat. Im Geiste ist das hier zweifellos immer noch eine LP von Kishi Bashi.

Ähnlich wie das letzte Of-Montreal-Album "Innocence reaches" beginnt auch "Sonderlust" mit zwei elektronisch geprägten Hits. "M'lover" galoppiert in bester Animal-Collective-Manier über Stock und Stein, Kishi Bashi jauchzt im Falsetto "Would you be my lover?", das Treiben im Hintergrund wird immer quirliger, bis die Synapsen nur noch im Farbenrausch sind. "Hey big star" greift dankbar nach dem Staffelstab und punktet mit EDM-Anleihen und dem Synthbass, der bei MGMTs "Kids" ausgeliehen wurde. Dürfte in jeder Indie-Disco eine sichere Bank sein. Wenn es zur Abwechslung mal ruhiger werden soll, kommen Songs wie "Say yeah" oder "Flame on flame (A slow dirge)" heraus, die zeigen, dass Ishibashi womöglich auch die letzten Werke von Tame Impala oder Islands aufmerksam gehört hat. Sowie einen riesigen Vorrat an Zuckerguss daheim hat.

Der beste Lauf erstreckt sich über den Mittelteil der Platte. "Can't let go, Juno" ist das sehnsüchtige Sensibelchen, welches mit tuckernden Synthies und einem Refrain mit offenen Armen trumpft. "Ode to my next life" gibt sich dagegen ungewohnt kratzbürstig. Ist man am klassischen Intro vorbeigekommen, setzt ein dramatischer Break mit hartem Beat ein. Hier sind dann auch tatsächlich die Streicher nicht wegzudenken. Das Drama führt dann im Anschluss "Who'd you kill" weiter, in welchem eine Orgel einsam durch die Gegend taumelt. Die Trends der letzten Jahre kommen auf "Sonderlust" an allen Ecken und Enden durch, im Gegensatz zu den Vorgängern wird hier eher zu anderen aufgeschlossen als eigensinnig in eine Richtung geritten. Ja – Kishi Bashi klingt nicht mehr so einzigartig wie zuvor. Aber dank toller Songs eben noch lange nicht nach Wishi Washi.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • M'lover
  • Can't let go, Juno
  • Ode to my next life
  • Who'd you kill

Tracklist

  1. M'lover
  2. Hey big star
  3. Say yeah
  4. Can't let go, Juno
  5. Ode to my next life
  6. Who'd you kill
  7. Statues in a gallery
  8. Why don't you answer me
  9. Flame on flame (A slow dirge)
  10. Honeybody

Gesamtspielzeit: 41:32 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 13831

Registriert seit 08.01.2012

2016-09-07 21:18:57 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 13831

Registriert seit 08.01.2012

2016-08-03 18:38:52 Uhr
KISHI BASHI
„Sonderlust” – 16.09.16 (Joyful Noise)

KISHI BASHI wird am 16. September sein drittes Studioalbum „Sonderlust" über Joyful Noise Records veröffentlichen! Als ein Ergebnis von persönlichen Problemen und einem gebrochenen Herzen, ist es sein bisher intimstes und künstlerisch abenteuerlichstes Album. Mit „Say Yeah" präsentiert KISHI BASHI uns nun die erste Single des Albums!

„Sonderlust" umfasst in seinen zehn Songs unterschiedlichste Genres, mit Liedern die Langzeitfans sofort KISHI BASHI zuordnen würden, und solchen die sich etwas von seinem gewohnten Sound entfernen. Produziert wurde das Album von Chris Taylor (CHRIZZLY BEAR), mit Hilfe des Schlagzeugers Matt Chamberlain (MORRISSEY, FIONA APPLE) und des Tontechnikers Pat Dillet (ANGELIQUE KIDJO, DAVID BYRNE).

Armin

Postings: 13831

Registriert seit 08.01.2012

2016-07-15 18:16:08 Uhr
Erscheint am 16. September.

Erster Song, mit Flötensolo: https://soundcloud.com/joyful-noise-recordings/say-yeah
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