Britney Spears - Glory

Britney Spears- Glory

RCA / Sony
VÖ: 26.08.2016

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

She's got twooo versions

Wie muss man sich den Entscheidungsprozess zur neuen Britney-Spears-Platte "Glory" eigentlich vorstellen? Sitzen dort die kreativen Geister mit den hohen Tieren am Tisch und fachsimpeln, wie man die Tracklist am besten zielgruppengerecht zusammenstellen kann? Wenn ja, haben wir hier noch etwas zu lernen. Stein des Anstoßes ist der Track "Do you wanna come over?", welcher auf der hier vorliegenden physischen Edition gleich als zweiter Kandidat ins Rennen läuft, in digitaler Ausführung dagegen auf Position sieben gerutscht ist. Huch? Woran kann das liegen? Wurden eklatante Unterschiede zwischen den Hörvorlieben der alten haptisch veranlagten Garde und den neuen technikversessenen Bitschubsern festgestellt?

Genau jenes "Do you wanna come over?" ist jedenfalls schlichtweg der beste Track mindestens seit dem seligen "Toxic", der uns aus dem Hause Spears serviert wurde. Eine zackige, von akustischer Gitarre getragene Strophe trifft auf einen leicht angeschrägten Refrain mit knackigen Shouts und wird es zweifellos schaffen, einige Tanzflächen der nächsten Zeit in Windeseile zu füllen. Zu crazy aber für die digitale Generation, dass man ihn dort weiter hinten verstecken muss? Es bleibt eine höchst seltsame Aktion mit diesen zwei Versionen. Vielleicht kann ja Frank Ocean hier Erklärungshilfe geben.

Zum Glück ist die Sause nicht die einzige positive Überraschung auf "Glory". Die stumpfe EDM, welche vor allem "Britney Jean" zum ziemlichen Totalausfall werden ließ, wurde fast gänzlich entsorgt und macht Platz für einen differenzierteren Sound, den man in Ermangelung eines besseren Begriffs als "gereift" oder "erwachsen" bezeichnen könnte. Im Prinzip orientiert Spears sich am geschmackvollen Pop der letzten tollen Ariana-Grande-LP "Dangerous woman", auch wenn sie es dabei nicht schafft, ihre Mitbewerberin zu übertrumpfen. Wenigstens springt aber dadurch ihr bestes Werk seit dem Doppel aus Absturz und Aufraffung – "Blackout" und "Circus" – heraus.

So lässt die durchaus mit der Zeit wachsende erste Single "Make me..." einen smooth hingehauchten Refrain vom Stapel und "Clumsy" sendet hingegen sehr erfolgreich Schockwellen aufs Parkett. Auch am Muckibuden-Schmuseblues "Just luv me" kann man durchaus Freude haben. Nur die Lyrics, die werden doch noch nicht so recht erwachsen. "Clumsy / But I love how you go down" ist noch die harmloseste Stelle eines Songs, der ihren tollpatschigen Liebhaber preist, welcher offenbar trotzdem fantastisch nach Perlen tauchen kann. Nettes Gimmick immerhin, dass ihr hier ein gewisses "Oops" wieder über die Lippen kommt. Ansonsten sind die Texte ein Gemisch aus blassrosafarbener Lyrik und halbseidener Erotik, nichts weiter Erwähnenswertes.

Doch "Glory" leistet sich erfreulich wenig Ausfälle, auch wenn man auf die mit Stimmeffekten zugekleisterten "Private show" und "Man on the moon" hätte verzichten können und ein paar Genre-Standards zu viel den Weg auf die Platte gefunden haben. Auch im Jahr 2016 ist Britney keine Richtungsweiserin wie Beyoncé, keine Vokal-Akrobatin wie Adele und die Skandalnudelfunktion übernimmt im Popbiz schon lange wohl eher Justin Bieber. Britney Spears ist dagegen – je nach Sichtweise – immer noch oder wieder die unausgemalte Blaupause des Popstars, bei dem die Beschreibung von Besonderheiten und Charakterzügen schwerfällt. Doch es gibt wenig Grund zur Beschwerde, wenn einige gelungene Hits da sind. Auf welcher Position auch immer in der Tracklist.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Do you wanna come over?
  • Make me... (feat. G-Eazy)
  • Clumsy

Tracklist

  1. Invitation
  2. Do you wanna come over?
  3. Make me... (feat. G-Eazy)
  4. Private show
  5. Man on the moon
  6. Just luv me
  7. Clumsy
  8. Slumber party
  9. Just like me
  10. Love me down
  11. Hard to forget ya
  12. What you need

Gesamtspielzeit: 41:33 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
OuterHeaven
2016-09-23 15:32:18 Uhr
Ne bist du nicht auch mir macht es Spaß und ein Freund von mir feiert es regelrecht.
Ich kann auch nicht nachvollziehen das Man on the Moon kritisiert und Clumsy hervorgehoben wurde.

Das Album ist insgesamt aber wirklich gut geworden... selbst die Bonustracks sind toll.

Just love me
Slumber Party
Make Me
Better
Change your mind
Invitation
Man on the Moon

Sind meine Favoriten.
Bin ich ...
2016-09-09 23:55:19 Uhr
... etwa der einzige, dem ausgerechnet "Private Show" total viel Spaß bereitet?

Leatherface

Postings: 1628

Registriert seit 13.06.2013

2016-09-04 16:18:12 Uhr
In der Leatherface-Edition ist das ihr zweitbestes Album nach dem ohnehin unübertrefflichen Blackout. Die flachen Soulversuche (Private Show, What You Need) hätte man sich sparen können, aber gerade die chilligeren Sachen (Invitation, Make Me, Slumber Party, Just Luv Me) hätte ich ihr nicht zugetraut. So warm und sinnlich klang sie noch nie und so stimmlich bei der Sache war sie seit den Anfangstagen nicht mehr.

1. Invitation
2. Do You Wanna Come Over?
3. Make Me
4. Just Luv Me
5. Slumber Party
6. Love Me Down
7. Clumsy
8. Man On The Moon
9. Hard To Forget Ya
10. If I'm Dancing
11. Just Like Me
12. Coupure Electrique

7.5/10

Armin

Postings: 14507

Registriert seit 08.01.2012

2016-08-31 21:08:15 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?


Felix H

Postings: 3061

Registriert seit 26.02.2016

2016-08-26 09:01:57 Uhr
und mit "Do You Wanna Come Over?" gibt's auch endlich einen würdigenden Nachfolger zu "Toxic"

Aktuell auch mein Highlight des Albums. Mir ist insgesamt aber bisschen zu viel Standardware zwischen einigen sehr gelungenen Tracks. Für mich eher bestes seit "Circus".
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