Drugdealer - The end of comedy

Drugdealer- The end of comedy

Domino / GoodToGo
VÖ: 09.09.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Im Rausch

Michael Collins ist erwachsen geworden. Nein, Moment. Michael Collins ist reifer geworden. Auch nicht ganz richtig. Michael Collins macht jetzt ernst. Ach, alles Quatsch. Michael Collins brauchte wohl einfach mal wieder etwas Veränderung. Hatte er in der Vergangenheit bereits unter diversen Projektnamen musiziert, waren es vor allem seine Wortspiel-Kaspereien Run DMT und Salvia Plath, die sich besonders im Gedächtnis einnisteten. Aber es dauerte bis zum Jahr 2016, dass Collins den eigentlich passendsten Namen für sich und seine Musik fand.

Denn wie ein geschäftstüchtiger Verkäufer lockt Collins alias Drugdealer die eigene Kundschaft erst ein wenig an, um sie schließlich süchtig nach mehr Stoff zu machen. Dass seine Songs dabei selbst oft nicht nur danach klingen, als seien sie in verschiedenen Rauschzuständen entstanden, sondern als könnten sie auch in ebensolche versetzen, ist geradezu ideal. Man nehme mal das Drugdealer-Debüt "The end of comedy": Elf psychedelisch-poppige Perlen, nach deren Aufnahme in den Gehörgang alle Farben ein bisschen kräftiger erscheinen. Und das Leben ein bisschen leichter. Wer fühlt sich nach "Suddenly" nicht dazu verführt, mit Blumen im Haar und luftiger Kleidung durch die Straßen von San Francisco zu tanzen?

Und wem ist nach dem verzerrten Stromgitarren-Trip von "Sea of nothing" nicht nach einem kleinen Tauchausflug mit dem Yellow Submarine? Je tiefer, desto besser. Kollegen wie Ariel Pink, der in der ultra-entspannten Wohlfühlnummer "Easy to forget" als Gast zu hören ist, mögen vielleicht etwas bekannter sein. Aber kaum einer nimmt seine bewusstseinserweiternde und -verändernde Rolle auf eine solch charmante wie angenehm unaufdringliche Weise wahr wie Collins. Der bewies ja auch schon auf dem Salvia-Plath-Album "The Bardo story", dass er im falschen Jahrzehnt geboren wurde.

Immer wieder reist er deshalb, zumindest musikalisch, ein wenig in der Zeit zurück. Beschwingten Sechzigerjahre-Folk in Donovan-Manier gibt es im melancholischen "The real world", das vor genau dieser zu flüchten versucht. Derweil versucht sich "Were you saying something?" am verstrahlten Pop im Stil von The Zombies' 1968er-Werk "Odessey and oracle", und mit dem näselnd-verspielten "It's only raining right where you're standing" reicht Collins mal eben seine Bewerbung für ein Beatles-Biopic ein. Zum Schluss, wenn sich das zwischen großzügiger Instrumentierung und minimalistischer Akustik wechselnde "My life" mittels Mitmach-Lalala-Gesang ein letztes Mal in die Herzen gespielt und "The end" mit Jazz-Anleihen den Abschluss dieses fiebrigen Farbentraums vollzogen hat, bleibt nur noch Eines: das Verlangen nach mehr. Und noch mehr.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • The real world (feat. Sheer Agony)
  • Suddenly (feat. Weyes Blood)
  • Easy to forget (feat. Ariel Pink)
  • My life (feat. Danny James)

Tracklist

  1. Theme from Rockaway
  2. The real world (feat. Sheer Agony)
  3. Suddenly (feat. Weyes Blood)
  4. Easy to forget (feat. Ariel Pink)
  5. Were you saying something?
  6. Theme for Alessandro
  7. It's only raining where you're standing
  8. The end of comedy (feat. Weyes Blood)
  9. Sea of nothing
  10. My life (feat. Danny James)
  11. The end

Gesamtspielzeit: 31:07 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-08-24 20:51:29 Uhr
Frisch rezensiert.

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