Ball Park Music - Every night the same dream

Ball Park Music- Every night the same dream

Embassy Of Music / Warner
VÖ: 19.08.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der zweite Anlauf

Der Traum Europa. Für die vier Jungs und das eine Mädel von Ball Park Music schon länger das große Ziel. Während das Quintett aus Brisbane in seiner australischen Heimat mit den ersten Alben voll einschlug, musste sich Europa lange gedulden. Erst das dritte Album "Puddinghead" wurde ein ganzes Jahr später auch hierzulande veröffentlicht. Den richtigen Durchbruch haben Ball Park Music damit nicht erreichen können. Nun wird etwas mehr als ein Jahr später erneut angegriffen. Der endgültige Durchbruch in Europa soll erreicht werden. Doch diesmal gehen Ball Bark Music den Plan anders an. "Every night the same dream" ist abwechslungsreicher, mutiger, probiert viel aus und hat wenig mit dem Indie-Pop des Vorgängers zu tun.

Der Opener "Feelings" ist vielversprechend. Soll das die Richtung sein, die das Album anschlägt? Der Bass ist catchy, das Schlagzeug alles andere als ordinär. Gut, die Gitarrenbreaks klingen ein wenig nach einer seichten Version von Johnny Greenwood aus "The bends"-Zeiten. Es gibt aber deutlich weniger ansprechende Referenzen. Ein enorm starker Song, an den die folgenden Tracks nur schwer anknüpfen können. "Ever since I turned the lights on" hat zwar einen interessanten Mittelteil, wirkt aber ein wenig einfach gestrickt. Der Siebenminüter "Pariah" klingt am Anfang wie eine klassische Hymne, verliert sich dann aber in langem Gitarrengeplänkel. Irgendwo zwischen Garage- und Stoner-Rock ziehen Ball Park Music das Tempo dann aber doch nochmal an.

Die Australier haben sich etwas vorgenommen für den großen Worf in Europa. Statt eingängigen Radio-Songs gibt es Genrevielfalt. Auf der ersten Hälfte von "Every night the same dream" klingt tönt Song wie der vorherige. Erst gegen Ende kehrt Einheitlichkeit ein. Bis auf einen kleinen Tempowechsel in "Don’t look at me like that" besteht die zweite Hälfte ausschließlich aus Mid-Tempo-Songs. Während "Leef" dabei etwas zu viel Glitzer aufträgt, zeigt "Blushing" den richtigen Weg. Eine Ballade mit einem Weezer-ähnlichen Refrain.

Ball Park Music sollen das Album live eingespielt haben. Im Nachhinein wurde zwar sicher die ein oder andere Spielerei wie der Stereo-Effekt in "Pariah" eingefügt. Trotzdem wirkt das Album roh und unverbraucht. Groß wird es vor allem, wenn das Quintett wie in "Nihilist party anthem" schnörkellose Gitarren mit eingängigen Melodien verbindet. Der Opener "Feelings" bleibt zwar unerreicht, das leicht melancholische "Whipping boy" kommt aber dank Ohrwurm-Refrain am ehesten an einen klassischen Hit heran. Ansonsten überzeugen Ball Park Music eher durch den Mut, mit einem derartig experimentierfreudigen Werk Europa zu erobern. Es wird sich zeigen, ob die Australier im zweiten Anlauf endlich Fuß fassen können. Der Weg ist sicher ein steiniger, das Potenzial aber definitiv vorhanden.

(Till Bärwaldt)

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Highlights

  • Feelings
  • Whipping boy
  • Blushing

Tracklist

  1. Feelings
  2. Ever since I turned the lights on
  3. Whipping boy
  4. Pariah
  5. Nihilist party anthem
  6. Peppy
  7. Leef
  8. Don't look at me like that
  9. Blushing
  10. Suit yourself

Gesamtspielzeit: 41:39 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
753
2016-08-24 21:40:30 Uhr
Schlechte Rezension für ein hervorragendes Album (8-9/10).
Pariah und Peppy fehlen definitiv bei den Highlights.

Armin

Postings: 10345

Registriert seit 08.01.2012

2016-08-24 20:50:54 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 10345

Registriert seit 08.01.2012

2016-08-02 11:39:29 Uhr

Als vor fünf Jahren die erste EP der 2008 gegründeten Indie-Rock-Band Ball Park Music auf den Markt kam, überschlugen sich Musikfans wie Kritiker in ihrem Heimatland Australien. Durchweg gute Bewertung und massive Radiopräsenz waren die Folgen, sowie Tourneen und Nominierungen für nationale Musikpreise. Seither erschienen mit „Happiness And Surrounding Suburbs“, „Museum“ und „Puddinghead“ drei Longplayer von Sam Cromack, Jennifer Boyce, Paul Furness sowie Dean und Daniel Hanson, die ihnen daheim weiteren Ruhm und hohe Chartplatzierungen einbrachten. Zumindest letzteres Langspielwerk schaffte es 2015 mit einem Jahr Verspätung auch in Läden außerhalb Australiens. Mit „Every Night The Same Dream“ könnte dem Quintett aus Brisbane nun aber endlich auch der endgültige Durchbruch in Europa gelingen.

https://www.youtube.com/watch?v=ntIEi34-vnY

Entstanden ist das vierte Album mit dem erklärten Ziel, wieder zu sich selbst, zum eigentlichen Sound der Band zurück zu finden. Gesucht hat man den außerhalb von Brisbane, in Campbell’s Creek/Victoria. Gemeinsam mit Produzent Matt Redlich, der sich schon für die ersten zwei Alben verantwortlich zeichnete, begab man sich in ein komplett analoges Studio. Alle zehn Songs wurden live eingespielt und mit einem Vierspurtongerät aufgenommen. Verspielte sich jemand, musste die ganze Band noch einmal ran. Allein der Song „Leef“ durchlief vier Durchgänge, bis er im Kasten war. Fern der Heimat zu sein, im schönen Bundesstaat Victoria, tat wohl ein Übriges für die Band bei der Suche nach sich selbst. Herausgekommen ist die Erkenntnis, wesentlich mehr Rock als Indie zu sein. Statt seichter „Puddinghead“-Popattitüde liefert „Every Night The Same Dream“ 70er-Jahre-Stonerrock- und Blues-Zitate, folkige Elemente und ein durchweg fantastisches Songwriting. Die Rückbesinnung wird zur Neuerfindung und bringt ein absolut zeitloses Album hervor, das Ball Park Music zu einer der vielversprechendsten jungen Bands auch außerhalb Australiens macht.
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