Cassius - Ibifornia

Cassius- Ibifornia

Interscope / Polydor / Universal
VÖ: 26.08.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

Palm down and stay pool

Schneller als die Herren von Cassius kann man seinen Partner wohl kaum wechseln. In Sekundenbruchteilen ver- und entschwinden Knutsch- und Fummelpartner in einer höchst wahllosen Form der Polygamie. Möglich macht es das Video zu "The missing", in dem der werte User mit der Maus auf Köpfe klickt und damit die agierenden Personen des Musikfilms austauscht. Gratis gibt es: keine verletzten Gefühle und zuckende Waden. Immerhin läutet OneRepublics Ryan Tedder – mit vokalischem Backup von Pharrell Williams – im discoiden Opener zu groovigen Synth-Tönen die Rückkehr von "The missing" ein, den fast vermisst gemeldeten Philippe Cerboneschi und Hubert Blanc-Francard alias Zdar und Boombass.

Zehn Jahre nach ihrer letzten Platte "15 again" präsentiert das französische Duo in äußerst gelöster Form einen Auftakt, als wollten die beiden ihr Comeback bei einer kleinen Party am Pool bei schwülen Temperaturen in den späten Nachmittagsstunden nonchalant zelebrieren. Drüben in der Ecke trötet der Saxophonspieler, während Matthieu Chedid aka -M- psychedelische Gitarrenschwaden mit der Bastelschere zerschneidet. "I'm holding a sign up and it says: come on let's get away." Nur wohin? Die Reise von Cassius führt nach "Ibifornia", einem Sehnsuchts-Neologismus aus Ibiza und California, der sodenn nach musikalischer Umsetzung lechzt.

Dabei hilft unter anderem Beastie Boy Mike D mit einem feinem Begrüßungstext im ansonsten recht trägen Electro-Funk von "Love parade": "We just do not give a fuck / We just keep on showing up / For our kids and all our friends / For good times until they end." Wenn schon jemand bläst auf "Ibifornia", dann statt Trübsal lieber Luft in die Badeente. Mike D jedenfalls gefällt es ganz gut, er bleibt noch einen Song länger. Cat Power gesellt sich zu ihm und zur Afro-Funk- und Tribal-House-"Action". Die neun Minuten stehen exemplarisch für die Präsenz und Akzentuierung von Percussions und singulären Bläsereinsätzen auf "Ibifornia". Cassius nutzen sie einerseits, weil es – auch mit Blick auf Ibiza – gang und gäbe ist, bei House-Sets Live-Instrumentierung einzusetzen und andererseits natürlich zwecks tropikalem und exotischem Flair.

Mit Dschungel- und Tiergeräuschen gleiten die Franzosen sodenn auf trancigen Flächen und Bongos in den Titeltrack, dessen Mittelteil einzelnen Buchstaben nicht nur ominöse Bedeutungen beimisst, sondern auch Sequenzer und Acid abfeuert. Danach treten Cassius etwas auf die Balearen-Funk-Bremse und klammern auch prägendes Sound-Schaffen seit 1999 mal aus. "Hey you!" – mitgeschrieben von The Raptures Luke Jenner – hält die Nase des hymnischen und poppigen Stücks in die Höhe, wo Ryan Tedder auf Affe macht und in der Ferne etwas Soul und Gospel erspäht. Cat Power, gleich mit drei Aufenthalten im "Ibifornia"-Gästebuch registriert, erwähnt zwar in "Action" die Siebzigerjahre, taucht aber vielmehr in "Go up" in jenes Jahrzehnt ein, was nicht zuletzt an den discoiden Chic-Riffs liegt.

Ihren komfortabelsten Auftritt aber hat Chan Marshall in "Feel like me", wo sie erhaben über Chor-Köpfen und Background-Sirene schwebt. Vom Dancefloor bleibt maximal der vage Gedanke an M83. Den Eindruck verstärkt John Gourley, der Frontmann von Portugal. The Man. Mit einem Four-Tops-Sample an den Händen und "Blue Jean smile" im Gesicht dreht er sich langsam im Kreis wie ein Mobile im Kinderzimmer über die Umrisse eines Milli-Vanilli-Posters. "Ponce" rollt dann die ohnehin vor 20 Jahren schon eingesackte Luftmatratze zusammen, die Gedanken noch bei Sonnenuntergang, Wellengang und Gehörgang. Nur bei Tiefgang nicht. Eine Utopie zwischen Liegestuhl und Tanzakquise braucht das aber wohl auch nicht.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • The missing (feat. Ryan Tedder & Jaw)
  • Action (feat. Cat Power & Mike D)
  • Feel like me (feat. Cat Power)
  • Blue Jean smile (feat. John Gourley of Portugal. The Man)

Tracklist

  1. The missing (feat. Ryan Tedder & Jaw)
  2. Love parade (feat. Mike D)
  3. Action (feat. Cat Power & Mike D)
  4. Go up (feat. Cat Power & Pharrell Williams)
  5. Ibifornia
  6. Hey you! (feat. Ryan Tedder)
  7. Feel like me (feat. Cat Power)
  8. Blue Jean smile (feat. John Gourley of Portugal. The Man)
  9. The sound of love (feat. Jaw)
  10. Ponce

Gesamtspielzeit: 56:23 min.

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Jennifer

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2016-08-10 21:17:42 Uhr
Frisch rezensiert.
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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-04-27 22:43:13 Uhr
Angekündigt für den 24. Juni.
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