Banks & Steelz - Anything but words

Warner Bros. / Warner
VÖ: 26.08.2016
Unsere Bewertung: 4/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10

Öl ins Wasser
Seien es Freundschaften, Beziehungen oder rein geschäftliche Angelegenheiten: Das Finden einer gemeinsamen Kommunikationsbasis und gegenseitiges Verständnis sind das A und O. Ob nun Banks & Steelz, das Projekt von Interpols Paul Banks und RZA, unter Freundschaft oder Geschäftliches fällt, sei dahingestellt. Der Großmeister des Wu-Tang Clans suchte sich zumindest ganz bewusst aufgrund unterschwelliger Verbundenheit den ebenfalls stark von New York geprägten Sänger als Kollaborationspartner für den Longplayer "Anything but words" aus. Immerhin: Schon Clan-Kollege Ghostface Killah betrieb 2015 erfolgreich Genre-Sprengung in Zusammenarbeit mit den Jazzern Badbadnotgood auf dem formidablen "Sour soul". Entsprechend konnte durchaus auch einiges vom Chefrapper und seinem ausgesuchten Vokalisten erwartet werden.
"Anything but words" erinnert jedoch leider eher an die Zeit, in der Jay-Z es für eine gute Idee hielt, über Linkin-Park-Songs zu rappen oder Chris Cornell sich seinen Kram von Timbaland zerproduzieren ließ. Dabei hat RZA durchaus seine Fühler mehrfach aus dem Rap hinausbewegt und Paul Banks wiederum mit einigen Holprigkeiten schon 2013 ein HipHop-Mixtape mit illustren Gästen veröffentlicht – unter dem unfassbaren Namen "Everybody on my dick like they supposed to be". Doch auf "Anything but words" machen beide schlichtweg das, was sie eben immer machen und bleiben in ihrer Komfortzone. Banks übernimmt meist die Refrains und singt nach wie vor unverkennbar, RZA gelingen dazwischen ein paar inspirierte und energische Zeilen. Aber es steht alles ganz seltsam nebeneinander.
Die Konsequenz daraus ist, dass einer der beiden Köpfe in der Regel für den jeweiligen Song völlig überflüssig ist. RZA kann in "Wild season" zwischen seinem Projektpartner und der hier vollkommen verschwendeten Florence Welch nicht Fuß fassen. Auf dem stark raplastigen "Sword in the stone" bekommt Banks wiederum nur ein paar Sekunden Einleitung zu singen und überlässt dann RZA und einem gut aufgelegten Kool Keith komplett das Feld. Vielleicht war es das vertragliche Minimum? Wenigstens knallt der Song ordentlich und bildet damit eine Ausnahme. Denn "Anything but words" verliert sich andernorts in einer zähen, unglaublich auslaugenden Midtempo-Soße irgendwo zwischen TripHop und Indie-Rock. "I slay my enemies, drain out their energies", rappt RZA an einer Stelle. Letzteres sollte mit diesem Album gar kein Problem sein.
Öl wurde hier nicht ins Feuer, sondern ins Wasser gegossen. Dort umkreisen sich die zwei Bestandteile, ohne dass irgendetwas Spannendes passiert. Die Instrumentierung schafft einerseits keinen richtigen Bandsound, lässt aber andererseits auch in ihren Beats den notwendigen Punch vermissen. "Giant" hebt sich zumindest durch einen kraftvollen Refrain ab, "Conceal" stiehlt hingegen ein wenig Noir-Flair von DJ Shadow und fährt damit ziemlich gut. Und wenigstens für das amüsante Video zu "Love and war" hat sich der lahme Track gelohnt. Aber sonst herrscht das Gefühl, dass mit Banks & Steelz zusammenkam, was leider nicht zusammenpasst. How are things on the West Coast? Wissen wir nicht, denn die beiden sind in der öden Mitte gestrandet.
Highlights
- Giant
- Sword in the stone (feat. Kool Keith)
- Conceal
Tracklist
- Giant
- Ana Electronic
- Sword in the stone (feat. Kool Keith)
- Speedway Sonora
- Wild season (feat. Florence Welch)
- Anything but words
- Conceal
- Love and war (feat. Ghostface Killah)
- Can't hardly feel
- One by one
- Gonna make it
- Point of view (feat. Method Man & Masta Killa)
Gesamtspielzeit: 55:21 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
User | Beitrag |
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Felix H Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion Postings: 10362 Registriert seit 26.02.2016 |
2017-05-12 17:51:51 Uhr - Newsbeitrag
|
Das linke Ei von Oli Ding |
2016-11-15 09:26:47 Uhr
Dass die Bazilusche so ne lahme Kacke abfeiert, ist ja auch nicht überraschend. Was will man erwarten...? |
bazilicious (nicht eingeloggt) |
2016-11-15 00:04:15 Uhr
Grandioses Album, vollkommen zu Unrecht unterbewertet. Aber das ist halt Plattentests, was will man da erwarten... |
Mister X Postings: 3401 Registriert seit 30.10.2013 |
2016-08-30 07:03:24 Uhr
hab erst jetzt gerafft dass es sich hier um meinen paul banks handelt. hab echt nichts von dem projekt mitbekommen |
Fan |
2016-08-28 07:51:29 Uhr
Mir gefällt das Album auch deutlich besser als dem Rezensenten, gerade die ersten sechs Songs mit Ausnahme von Sword in the Stone finde ich sehr stark. Meine Highlights sind Giants, Love and War und vor allem Wild Seasons. Wenn Welch und Banks am Ende gemeinsam singen, klingt das wirklich gut.Für mich eine 7/10 wegen des etwas schwächeren Endes, aber durchaus Potenzial für die Songs des Jahres. |
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Referenzen
Paul Banks; RZA; Interpol; DJ Shadow; Gorillaz; Massive Attack; Tricky; Archive; Unkle; Leftfield; 65daysofstatic; Portishead; Morcheeba; Moloko; Editors; Linkin Park; Bloc Party; Placebo; Puscifer; The Beta Band; Marilyn Manson; Nine Inch Nails; Trent Reznor; How To Destroy Angels; Faithless; Moby; Danger Mouse; Quakers; Casper; Saul Williams; Wu-Tang Clan; The Roots; GZA; Method Man; Ghostface Killah; Raekwon; Kool Keith; Masta Killa; Madvillain; Jay-Z; Kanye West; Drake; Chris Cornell
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- Banks & Steelz - Anything but words (13 Beiträge / Letzter am 12.05.2017 - 17:51 Uhr)