Die Höchste Eisenbahn - Wer bringt mich jetzt zu den Anderen?

Die Höchste Eisenbahn- Wer bringt mich jetzt zu den Anderen?

Tapete / Indigo
VÖ: 26.08.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die kleinste Supergroup der Welt

Was wurde eigentlich aus Mario? Gut neun Jahre ist es 2016 bereits her, dass Tele die Geschichte des verwirrten Bonzenkinds auf den Schirm und sogar in die Charts brachten. Francesco Wilking besang in "Mario" ohrwürmelnd wie kopfschüttelnd die Wege des liebenswerten Nimmersatts. Oh oh, Mario. Steile These: Er hat seinen Namen geändert und lebt nunmehr auf den Britischen Jungferninseln. Von "Timmy" berichten Die Höchste Eisenbahn auf ihrem Zweitwerk "Wer bringt mich jetzt zu den Anderen?" Wilking hat es nicht verlernt. Kein Sänger der Welt singt Wörter wie etwa "Ethanol" so schön wie der Deutsch-Italiener.

Aber zurück zum Anfang: Schon der Opener der neuen Die-Höchste-Eisenbahn-Platte hat einen derart angenehmen Schwung, dass das Album nur ein gutes werden kann. "Wir haben so lange nachgedacht, bis wir wütend waren" liefert ein kraftvolles Statement gegen Kopfwichserei, ohne dabei jemals laut zu werden. Der Wechselgesang der beiden Frontmänner – neben Wilking bekanntlich Moritz Krämer – harmoniert perfekt, die Musik erklimmt freudvoll höchste Höhen. So funktioniert Popmusik! Das vor Albumrelease ausgekoppelte "Lisbeth" gehört ganz Krämer: Eine Jugendliebe steht im Fokus des vierminütigen Schmachtfetzens, der dabei aber viel mehr aufs Pferdestehlen abzielt als auf "bis, dass der Tod Euch scheidet". Krumme Orgeln, Flöten, ein paar Synthies und Wilking, der sich zurückhält, bis die Action naht – fein, fein.

Der Titelsong hat weniger Zugkraft im Takt, lässt sich zurückfallen, um aus der Tiefe emporzustechen. Das Warten auf den oder die Richtige lässt bisweilen den Anschluss verlieren – so, oder so ähnlich, lautet die Message von "Wer bringt mich jetzt zu den Anderen?" Eine scheue Trompete, Geigen und ein Rap-Part (na ja, fast) verleihen dem Track seinen Charme. Ein bisschen ironisch lässt Wilking im hintergründig recht fixen "Gute Leute" anklingen, was er von Smalltalk hält. Nämlich ganz genau nichts. Einsamkeit hat nichts damit zu tun, wie viele Menschen Dich umgeben. Abermals poppig wird's in "Stern" trotz seiner sechsminütigen Länge oder auch in "Blume". Beide Titel widmen sich der Anbetung des oder der, nun ja, Angebeteten. "Beschweren" hingegen tut mit schnellem Rhythmus genau das, was eben sein Titel schon verrät. Ein bisschen Gemecker schadet nie – Krämer befürchtet gar, dass er und seine Kollegen "nur noch ruhige Musik hören", sollte jegliches Ärgernis wegfallen. In "Woher denn?" wird Wilking zum Stalker: Während er feststellt "ich kenn' Dich schon so lange", entgegnet sein Gegenüber "woher denn?" Gefahr droht hier niemanden, stattdessen findet man eine sanftmütige Ballade vor.

Die große Stärke der wohl kleinsten Supergroup der Welt liegt in ihrem Wesen begründet. Da ist ja nicht nur Wilking oder nur Krämer, sondern eben beide. Da trifft mediterraner Esprit auf Berliner Schnauze und findet seine Einigung in der Melancholie. Dass mit Max Schröder einer der begabtesten Multiinstrumentalisten der Republik mit im Boot sitzt und Felix Weigt an den Tasten wie am Bass einen Klassejob macht, rundet die Sache ab. Da werden nicht nur Bahnromantiker schwach.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Wir haben so lange nachgedacht, bis wir wütend waren
  • Lisbeth
  • Timmy
  • Woher denn?

Tracklist

  1. Wir haben so lange nachgedacht, bis wir wütend waren
  2. Lisbeth
  3. Gierig
  4. Timmy
  5. Jemand ruft an
  6. Wer bringt mich jetzt zu den Anderen?
  7. Nicht atmen
  8. Gute Leute
  9. Stern
  10. Beschweren
  11. Woher denn?
  12. Blume
  13. Erobert & geklaut

Gesamtspielzeit: 55:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Given To The Rising

Postings: 1023

Registriert seit 27.09.2019

2019-10-21 21:37:00 Uhr
Ich dachte, das wäre ein Thread über die Bahn.

hesmovedon

Postings: 28

Registriert seit 20.10.2019

2019-10-21 21:30:57 Uhr
Ich bin durch den Jahrespoll 2016 auf dieses Album bzw. Die Höchste Eisenbahn aufmerksam geworden, und ich liebe es und höre es regelmäßig.
Ich frage mich bis heute, wie es damals auf Platz 7 kommen konnte, obwohl die Band nicht allzu bekannt war. Auch im Forum sind viele Beiträge.
Flow40
2016-09-05 21:10:18 Uhr
Beim ersten Durchlauf sympathisch, beim zweiten Durchlauf interessant, beim dritten Durchlauf aufkeimende Begeisterung, ab dem vierten Durchlauf... 13 Ohrwürmer; bin begeistert von dieser Mädchenmucke, von der ich eigentlich nicht begeistert sein dürfte. Aber zu dieser einen Schwäche stehe ich!

Ituri

Postings: 129

Registriert seit 13.06.2013

2016-08-29 06:25:45 Uhr
Danke! Timmy vergleiche ich momentan mit "Bibo" von Olli Schulz oder Blumfelds "Der Apfelmann". Ein Ausfall...

derp

Postings: 204

Registriert seit 18.04.2014

2016-08-28 20:53:33 Uhr
Das Album hat mich überrascht. Ich höre "sowas" eigentlich sehr selten. Diese ganze deutschsprachige Melancholieszene ist schon immer an mir vorübergegangen. Allerdings mit Ausnahmen und Die Höchste Eisenbahn sind eine davon. Mag daran liegen, dass ich auf die selbe Schule wie eines der Bandmitglieder gegangen bin und daher ein wenig persönliche Verbundenheit zu seiner Musik verspüre.

Sehr schön arrangiert, produziert und die Texte geben mir auch etwas. Wie man allerdings "Timmy" als Highlight nennen kann, ist mir schleierhaft. Das ist der einzige Ausfall unter ansonsten großartigen Songs. Ich würde einen Punkt mehr geben.
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