The Rifles - Big life

The Rifles- Big life

Cooking Vinyl / Sony
VÖ: 19.08.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Color-Rado

Auf dem eng abgesteckten Feld der Musikkritik gibt es Sätze und Analysen, die man mit einem dicken Edding unterstreichen sollte, weil man kaum um sie herumkommt. Über The Rifles, vor über einem Jahrzehnt der Class of 2005 entsprungen und nicht nur unter Britrock-Freunden längst eine Institution, schrieb Kollege Müller Anfang des Jahres 2014: "So frisch, so gut wie auf "No love lost" werden sie nie mehr klingen." Ja, da steht er erneut, dieser treffende Satz. Doch vernichtend ist das Urteil beileibe nicht. Schließlich bleiben Hits wie "Local boy" oder "Repeated offender" für immer. So mancher Leser könnte nun – auch mit Blick auf die Wertung – mit Fug und Recht behaupten, diese Rezension genau jetzt getrost zur Seite klicken zu können. Eines aber wäre der oder die Klickwütige dann gewiss nicht: entspannt wie The Rifles, die mit ihrem fünften Album "Big life" mal eben den Gewohnheits-Bock umstoßen und ihren Anhängern in Zeiten von Streaming-Überfluss und hastigen Downloads ein Doppelalbum schenken. Kann das gut gehen?

Zur Freude der Freunde sei vorab schon mal festgehalten: Ja. "Groundhog day", das fluffige "Radio nowhere" und "Turtle dove" im Tanzgalopp eröffnen diese gute Stunde mit klassischem The-Rifles-Sound: Geradliniger Britrock zwischen Melancholie und Euphorie ist vor allem dann toll, wenn man einen derart talentierten Songwriter in seinen Reihen weiß wie Joel Stoker. Bei den Aufnahmen, für die der große Paul Weller als bekennender Fan der Band sein Studio samt des Haus- und Hofproduzenten Charles Rees zur Verfügung stellte, schienen die Briten doppelt statt einfach Spaß gehabt zu haben. Exakt 18 Songs wählte der Vierer für die neue Platte aus und wollte dem treuen Publikum keinen davon vorenthalten. Verständlich, denn trotz zeitweiliger Melancholie, die The Rifles bekanntlich ebenso berherrschen wie das Rezept zum Hit, versprüht "Big life" mit Songs wie dem lebensbejahenden "Go do what you like" und der Hymne "Misunderstood", die fräsende Gitarren mit launigem Strophen-Offbeat paart, durchaus auch positive Vibes. Nicht nur Berufsmusiker wissen: Kreativ ist man dann, wenn man sich vom Druck befreit und auf Erwartungshaltungen pfeift. Und das tun The Rifles hörbar, indem sie ihre neuen Stücke einfach so geschehen lassen, wie der erste Wurf sie auserkor.

Die Freiheit hört man den Kompositionen an: Da glänzen dezente Bläser bei "Big big life", lässt maßgeschneiderter Keyboardeinsatz das schöne "Independent" Luft schnappen, zaubern Stampf-Takt und Stromgitarren dem passend betitelten "Motorway" beinahe einen Cadillac unter den Classic-Rock-Arsch. Klar ist auch, dass bei einem solch üppigen Paket zuweilen weniger Spannendes zutage tritt. "Caught in the summer rain" und "Numero uno" bilden die leicht ausgelutschte Talsohle der ersten Hälfte, während Teil zwei von "Big life" hinten raus merklich schwächelt. Immerhin klanglich unterscheiden sich erster und zweiter Tonträger kaum, und so hauen The Rifles mit "Big life" einfach mal ihr Haribo-Color-Rado XL heraus, inklusive Überraschungen wie "Jonny was a friend of mine", einer tollen, von Piano und Basslauf getragenen Hommage an einen alten Freund und an gute Zeiten. Die hat man mit "Big life" ähnlich wie mit einer großen Tüte Gummibonbons – ist der Inhalt ein bisschen zu viel des Guten, pickt man sich eben das heraus, was gefällt.

(Eric Meyer)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Radio nowhere
  • Victoria
  • Jonny was a friend of mine
  • Big big life
  • Independent
  • Misunderstood

Tracklist

  • CD 1
    1. Groundhog day
    2. Radio nowhere
    3. Turtle dove
    4. Numero uno
    5. Caught in the summer rain
    6. Wall around your heart
    7. Victoria
    8. Jonny was a friend of mine
    9. Young for a day
  • CD 2
    1. Big big life
    2. Motorway
    3. Independent
    4. Misunderstood
    5. Go do what you like
    6. Time in hand
    7. Never been that close
    8. Heavy weather
    9. Victoria (acoustic)

Gesamtspielzeit: 60:12 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
repeater
2016-09-30 12:35:33 Uhr
ganz nett ist die neue Platte, ab und an etwas zu sehr auf Nummer sicher.

Freue mich aber auch schon sehr aufs Konzert in Aschaffenburg
Local Boy
2016-09-29 21:43:48 Uhr
Schlecht ist die neue Platte sicherlich nicht, nur mir persönlich stellenweise etwas zu seicht. Da war "None the wiser" insgesamt etwas zackiger. Freue mich aber auch schon sehr aufs Konzert in Hamburg.

Gordon Fraser

Postings: 1287

Registriert seit 14.06.2013

2016-09-29 17:08:30 Uhr
Überraschend gut geworden, auch nicht so lang wie befürchtet. Klar, nicht jeder Song zündet, und die Magie der "No Love Lost" gibt es nirgendwo, aber richtige Aussetzer sind auch nicht zu entdecken. Freue mich auf's nachgeholte Konzert nächste Woche.

Stephan

Postings: 889

Registriert seit 11.06.2013

2016-08-04 18:43:49 Uhr
Ist "Radio nowhere" ein Springsteen-Cover?
Aber
2016-08-04 14:22:30 Uhr
Schon, wenn sie kurz genug sind :).
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify