Weird Dreams - Luxury alone

Weird Dreams- Luxury alone

Tough Love / Cargo
VÖ: 10.06.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schlafen 2.0

Träume sind ja bekanntlich Schäume. Vor allen Dingen nach Albträumen mag man sich mit dieser Weisheit beruhigen. Nach dem Erwachen lautet die Devise, schnellstmöglich zu vergessen, was einem zuvor im Schlaf begegnete. Manchmal dauert das den ganzen Tag. Am Abend legt man dann eine CD in den Player und lässt sich von Weird Dreams alles wieder versauen. Wobei: Albträume werden da nicht gefeatured, eher komische. Sagt ja der Name schon. Nach "Choreography", dem 2012er Debüt des Londoners – im echten Leben namentlich Doran Edwards – erscheint jetzt das Zweitwerk "Luxury alone", eine dreiviertelstündige Schaumparty im eigenen Kopf. Vollster Hirnfick. Was soll man sagen: Traumhaft.

Die Referenzen sind zahlreich: Man könnte bei The Beach Boys anfangen und bei Grizzly Bear wieder aufhören, würde nicht alles dazwischen auf diese Weise untergehen. Der Sound orientiert sich zeitweise am, oh Wunder, Dream-Pop, andererseits scheut er auch klare Indie-Anleihen nicht. Im Fokus steht das Vergessen eines wilden Drumherums, das Resultat ist meditativ. Nicht nur streckenweise, sondern fast immer, ohne dabei Hooklines und Melodien auszulassen. Ganz ehrlich, was will man erwarten bei Titeln wie "Fantasy building"? Das erwähnte Stück ereifert sich keiner Allüren, sondern bleibt beim Ursprünglichen: Ein ätherisches Rauschen trifft auf ein Pfeifen aus der Ferne, die Aktion liegt im Detail. Das folgende "Digital water" greift die Stimmung zunächst auf, wird dann aber feurig wie das Wasser des Styx. Edwards singt mit Kopfstimme, während der Beat an Fahrt gewinnt. Nach drei Minuten folgt der endgültige Ausbruch, nicht einmal 20 Sekunden lang, bis der Song ein leises Ende findet.

In den beiden genannten Titeln wird das Spannungsbild deutlich, das Edwards auf "Luxury alone" aufzieht: von mystisch-nebulösen Harmonien bis zur kraftvoll-aufbrausenden Inszenierung. Moment, hatten wir nicht oben mal von The Beach Boys gesprochen? Der Opener "Binary" verfügt über eine Melodie, wie sie auch die Wilsons geliebt hätten. Wenngleich auch jener Track die Traum-Metapher nicht liegen lassen will. Ein echter Hit ist ferner "Heaven's hounds", welches, vom 80er-Piano angeführt, dem Tod ein Schnippchen schlägt. Ein Chorus zum Verlieben. The xx könnten genauso klingen, hätten sie sich nicht der totalen Monotonie verschrieben. Oder Depeche Mode, wäre da nicht diese elende Dauerdepression.

Die zehn Stücke auf "Luxury alone" sind derart symmetrisch angeordnet, dass sie wie aus einem Guss wirken. Die Unterbrechungen zwischen den Songs sind kaum merklich, zu sehr versetzt Edwards seinen Hörer hier in Trance. Man schwebt vom Dilemma in den Frieden und wieder zurück. Das abschließende "Days" gibt dem Ganzen ein Happy End. Mit ruhiger Stimme verspricht der Sänger die Einkehr ins Paradies. Freaky shit, weird dreams, but no nightmares at all.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Binary
  • Heaven's hounds
  • Days

Tracklist

  1. Binary
  2. Heaven's hounds
  3. The ladder
  4. Neon erotic
  5. Mirror
  6. Fantasy building
  7. Digital water
  8. Chalk scrawls
  9. Calm
  10. Days

Gesamtspielzeit: 43:58 min.

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User Beitrag

BVBe

Postings: 251

Registriert seit 14.06.2013

2016-08-18 12:28:08 Uhr
Merkwürdig, verträumt, verschwurbelt - ein ausufernder Ambient-Longtrack mittendrin, dann wieder eine unsterblich schöne Popmelodie, die abrupt abgebrochen wird ... irgendwie seltsam, aber es scheint eines dieser Alben zu sein, die erst nach fünfmaligem Hören den Zugang öffnen und dann um so nachhaltiger sind.

Gordon Fraser

Postings: 887

Registriert seit 14.06.2013

2016-08-16 19:37:09 Uhr
Herrlich, wie "Days" das Album langsam versanden lässt.

carpi

Postings: 445

Registriert seit 26.06.2013

2016-08-13 10:35:07 Uhr
Wirklich überzeugendes Album, die Instrumentaltracks passen perfekt zum Bandnamen und schöne Songs gibt's einige. An Referenzen fallen mir noch "Prefab Sprout" oder "Sad Lovers and Giants" ein, das Ganze hat schon einen 80er Vibe. Die genannten Referenzen
sind etwas ausufernd und manches ("Calexico") kann ich nicht nachvollziehen, danke jedenfalls für den Tipp.

BVBe

Postings: 251

Registriert seit 14.06.2013

2016-07-27 07:37:17 Uhr
Ist bestellt und wird sehnlichst erwartet.

Gordon Fraser

Postings: 887

Registriert seit 14.06.2013

2016-07-26 19:39:55 Uhr
Tolle Entdeckung. Verträumt-sphärischer Pop, so Richtung Wild Nothing oder The Depreciation Guild. Die ersten Referenzen in der Rez hier verwirren eher, finde ich.

"Heaven's Hounds" auch mein tieftrauriges Highlight.
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