Emma Russack - In a new state

Emma Russack- In a new state

Spunk / Morr / Indigo
VÖ: 22.07.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Auf der Couch

Die sechste Staffel von "Game of thrones" ist vorbei, die Europameisterschaft ebenfalls. Und damit auch so ziemlich das Beste, das man auf dem Sofa machen konnte. Manch einer könnte da natürlich in ein fieses Loch namens Alltag fallen, denn womit soll man denn nun seine ganze Zeit verschwenden? Vielleicht kann man mit einer Tüte Chips mal eine Stunde überbrücken, mehr geht aber nicht. Klar, bewaffnet mit einem Nachttopf und einer für ein gesamtes Bataillon ausreichenden Ladung Pilzrahmsuppe lassen sich selbst wochenlange Wiederholungen von "The big bang theory" aushalten. Aber gibt es keine andere Beschäftigung? Irgendetwas Ruhiges und Entspanntes, dem man sich guten Gewissens widmen kann?

Glücklicherweise bekommt man, wenn man solch reißerische Fragen stellt, auch gleich eine Antwort mitgeliefert. Diese kam jedoch recht unscheinbar daher und so wirklich rechnen konnte auch niemand mit Emma Russack. Nach jahrelangem Pendeln von der Bühne eines Pubs hinter die Theke sowie zwei Alben schien ihr der Erfolgsdruck im Musikbusiness zu groß. Und obwohl sie schon ein Studium aufgenommen und die Anwaltskarriere im Blick hatte, gab die Australierin das Songwriting glücklicherweise nie auf und entschied sich letztlich doch noch dazu, "In a new state" aufzunehmen. Ein großer Glücksfall, für alle, die nun beschäftigungslos und alleine auf der Couch herumlungern.

Denn von den ersten Tönen von "Cottesloe" an und vielleicht noch mit Blick auf das ungeschönte Selfie in lässigen Klamotten auf dem Cover hat man hier das Gefühl, als würde eine Freundin mit auf der Couch sitzen und ganz unverblümt ihre Geschichten erzählen. Das kann die Erinnerung an ihre "Best love" als 16-Jährige mit einem doppelt so alten Kerl sein, ein sonniger Nachmittag, an dem irgendwie alles möglich erscheint ("Cottesloe") oder bei "If you could see me now" eine recht offene Abrechnung mit dem Exfreund. In Letzterem hört man von der bereits jetzt liebgewonnenen Freundin neben Gewöhnlichkeiten wie dem Aufstehen um sechs ohne Kaffee auch mal ganz trocken "I don't have sex for validation / I've had no sex in six months / But I'm happy."

Die 27-Jährige benötigt nur selten wesentlich mehr als eine Akustikgitarre für ihre Geschichten voller Alltagspoesie. Wie "Another chance" zeigt, kann gerade die Routine auch mal ziemlich scheiße sein: "We're getting ready for work / Every day is a new day, honey / But it doesn't mean it doesn't hurt". Doch meist geht Russack es mit ihrer direkten Art doch entspannter und optimistischer an. Ein kleiner Ausbruch sind die stärker eingesetzten Drums und manchmal sogar geschrammelten Gitarren aus "My own friend", dem ohnehin wohl glücklichsten Song der Platte. Und glücklich kann man als Zuhörer auf jeden Fall schätzen, wenn man auf der Couch sitzt und den Erzählungen der neuen Freundin namens Emma Russack zuhören darf.

(Marcel Menne)

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Highlights

  • If you could see me now
  • My own friend
  • Not the friend

Tracklist

  1. Cottesloe
  2. If you could see me now
  3. Narooma
  4. Have you
  5. Best love
  6. My own friend
  7. Without holding on
  8. Another chance
  9. You gave me
  10. Not the friend

Gesamtspielzeit: 34:20 min.