Jack & Amanda Palmer - You got me singing

Jack & Amanda Palmer- You got me singing

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 15.07.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ich liebe Dich so sehr

Drei Gründe, warum Amanda Palmer anders ist als die meisten Menschen: 1. Sie malt ihre Augenbrauen selbst. 2. Seit sie im September 2015 ihren Sohn Anthony gebar, findet sich in den Social-Media-Feeds der Dresden-Dolls-Sängerin kaum noch ein Foto ohne den Sprössling – andere Eltern halten ihre Kids strikt von der Öffentlichkeit fern. 3. Nachdem sich Amanda Palmers Vater verkrümelte, als sie noch nicht mal ein Jahr alt war, gelang es ihr nach Jahren ohne Kontakt Frieden mit Jack Palmer zu schließen. Statt einem angespannten Verhältnis ergab sich eine innige Beziehung, die darin mündete, dass Amanda und Jack ein gemeinsames Album aufnahmen, als sie im achten Monat schwanger war. Weiterhin bemerkenswert: Es gibt ja so einige Eltern-Kind-Kombos in der Musik, selten aber ist der jüngere Part dabei der mit dem Fame.

Jack mit der durch jahrelanges Chorsingen geschulten Bassstimme und Amanda mit der Röhre also im Tag-Team: Da sitzen sie auf dem Artwork im Wohnzimmer, Jack hält Enkel Anthony im Arm, umrahmt vom rotblauen Schriftzug, angelehnt an Bob Dylans "Bringing it all back home". Passend, denn die zwölf Titel auf "You got me singing" sind allesamt Coversongs, wenn auch ohne Beteiligung Dylans, aber auch, weil Rückkehr und Zusammenkunft im Fokus des Reigens stehen. Mit dem Leonard-Cohen-Klassiker "You got me singing" haben die Palmers ein tolles Stück als Titeltrack für ihre Zusammenarbeit gewählt und leiten damit sogleich die gute Dreiviertelstunde voller familiärer Harmonie ein. Mit sanfter Gitarre eröffnet Papa Palmer, völlig unaufgeregt, gesanglich sauber, aber nicht überkandidelt. In der zweiten Strophe steigt Amanda mit der Zweitstimme ein. Da schon zeigt sich, warum die Idee der gemeinsamen Aufnahme eine gute war. "I'm pretty much happy", erklärt Jack am Ende, woraufhin die beiden gemeinsam lachen.

In "Again" hingegen hält der Vater sich zurück und überlasst der Tochter das Mikrofon. "Wenn der Paps Gitarre spielt, wenn Du einen Song über das Alleinsein schreibst, bist Du so viel weniger allein", erklärt Amanda zur Auswahl des Titels von Melanie, der mit Glockenspiel und Mellotron leise seine Bahnen zieht. Das folgende "1952 Vincent Black Lightning" ist da wesentlicher offensiver. Die Motorrad-Hymne von Richard Thompson interpretiert das Palmersche Duo mit fast aufdringlichem Piano, während Jack und Amanda im Wechsel singen. Schön besonders, wenn der Vater einmal seinen ansonsten sehr ruhigen Tonus verlässt und seiner Tochter die Maschine überlässt: "I give you my Vincent to ride." "Black boys on mopeds" hat außer der Zweirad-Affinität wenig damit gemein und kommt zudem ungleich ruhiger daher: Einzig die Ukulele sorgt für die Instrumentierung des Stücks, während Amanda die Zeilen mit einer Leidenschaft abklappert, dass einem ganz warm ums Herz wird. Im Mittelpunkt der Vers "I love my boy", umgarnt vom warmen "Uh-uh" auf Jacks sensiblem Organ. Sinead O'Connor würde diese Version lieben!

In "In the heat of the summer" ist Vater Palmer am Drücker: Explizit als sein "Pick" ausgewiesen, merkt man, wie viel Liebe er in die Interpretation des Phil-Ochs-Titels legt, dessen Lyrics er sogleich noch ein wenig umschrieb. Die Stimmung ist dabei mystisch bis durstig – "he nailed it", so die Tochter. Alles gipfelt in einem Stück aus der Feder Noah Brittons. Vom Piano getragen bringen die beiden die Atmosphäre des Albums auf den Punkt. Der Vater erklärt, er sei kein guter Mensch, aber er könne singen. Zur Songhälfte übernimmt Amanda und gibt zu verstehen, sie verstünde ihn nicht immer, aber auch sie könne singen. Gemeinsam stimmen sie ein: "I love you so much." Mehr muss an dieser Stelle nicht gesagt werden.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • You got me singing
  • 1952 Vincent Black Lightning
  • Black boys on mopeds
  • In the heat of the summer
  • I love you so much

Tracklist

  1. You got me singing
  2. Wynken, blynken and nod
  3. Again
  4. 1952 Vincent Black Lightning
  5. Louise was not half bad
  6. Black boys on mopeds
  7. All I could do
  8. In the heat of the summer
  9. Pink Emerson radio
  10. Skye boat song
  11. Glacier
  12. I love you so much

Gesamtspielzeit: 47:41 min.

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Armin

Postings: 12601

Registriert seit 08.01.2012

2016-09-01 13:26:22 Uhr
Amanda Palmer in Berlin wird hochverlegt
„An evening with Amanda Palmer“ wollen offensichtlich sehr viele Menschen einmal erleben. Darum wird der Auftritt der großartigen Sängerin, Musikerin, Autorin, Künstlerin und Feministin in Berlin am 1. November kurzfristig in eine größere Halle verlegt. Die eine Hälfte der Dresden Dolls wird (wohlgemerkt solo und ohne Brian Viglione) statt im Postbahnhof im Huxleys auf die Bühne treten, um aus ihrem bewegten Leben zu erzählen und zu singen. Alle bereits gekauften Tickets behalten natürlich ihre Gültigkeit.

Präsentiert wird die Tour von L-Mag und intro.

01.11.2016 Berlin - Huxleys (verlegt aus dem Postbahnhof)
03.11.2016 Köln - Kantine

Tickets gibt es für 25 Euro zzgl. Gebühren an allen bekannten CTS–VVK-Stellen sowie unter der Hotline 01806 – 853653 (0,20 €/Anruf aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,60 €/Anruf), auf fkpscorpio.com und eventim.de.

Mehr Infos und Musik unter amandapalmer.net, amandalanda.amandapalmer.net, facebook.com/amandapalmer, twitter.com/amandapalmer, amandapalmer.tumblr.com, instagram.com/amandapalmer und youtube.com/user/amandapalmer.
joni.d
2016-07-30 18:42:45 Uhr
Wunderbar....unbedingt anhören!

Armin

Postings: 12601

Registriert seit 08.01.2012

2016-05-19 19:20:06 Uhr
Amanda Palmer veröffentlicht Album mit ihrem Vater Jack!

Liebe Freunde, liebe Medienpartner,

Amanda Palmer ist wieder da! Auch wenn man ja ehrlich sagen muss, dass sie eigentlich nie so richtig weg war. Dank sozialer Medien und ihrem überaus engen Draht zu ihren Fans, verschwand sie nie wirklich aus dem Fokus. Doch trotzdem ist ihr letztes Album "Theatre Is Evil" bereits ganze vier Jahre her.
Dazwischen veröffentlichte sie ihre Autobiografie und bekam im Herbst 2015 das erste Kind mit ihrem Ehemann Neil Gaiman.
Nun gibt es endlich wieder Musik von Amanda Fucking Palmer: Am 15.07. erscheint "You Got Me Singing", eine Zusammenarbeit mit ihrem Vater Jack Palmer.
Während sie im achten Monat schwanger war, nahm sie gemeinsam mit ihm eine handverlesene Sammlung von Coverversionen auf. Die Auswahl reicht dabei von Klassikern wie von Leonard Cohen bis hin zu zeitgenössischen Künstlern wie Kimya Dawson (Die ganze Tracklist s.u.). Das Artwork ist dabei ebenfalls eine Hommage an Bob Dylan.
Seit Vater Jack vor einigen Jahren bei einer Liveshow von Amanda als Gast auf die Bühne kam, existierte die Idee, ein gemeinsames Album aufzunehmen. Doch wie es so oft ist, kam immer wieder etwas dazwischen und es dauerte eine lange Zeit, bis die Idee in die Realität umgesetzt wurde.

https://vimeo.com/165067775
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