Inter Arma - Paradise gallows

Inter Arma- Paradise gallows

Relapse / Rough Trade
VÖ: 08.07.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Tödlich verwundert

Eins vorneweg: Ja, es handelt sich hier um experimentellen Metal. Ja, das kann auch mal wehtun. Aber es lohnt sich. Denn selten war Metal der Post-Post-Ära so prachtvoll koloriert. Nach ihrer Gründung im Jahr 2006 und einer aktiven DIY-Tournee-Phase haben Inter Arma aus Richmond, Virginia 2012 bei Relapse unterschrieben. Die über die Jahre angesammelte Live-Energie versammelten sie 2013 nach einigen Demos und kleineren Veröffentlichungen auf dem Album "Sky burial" und der anschließenden EP "The cavern", die aus einem einzigen 46-Minuten-Track bestand. Auf "Paradise gallows" isolieren die musikalischen Forensiker nun mit chirurgischer Präzision ausgewählte Organe, egal ob tot oder lebendig, und setzen sie zu einem neuartigen, pulsierenden Gebilde zusammen. Inter Arma stehen für ein Amalgam aus Doom, Sludge, Prog- und Stoner-Rock sowie sämtlichen Spielarten des extremen Metal, so wie sie bereits die bekannteren Ex-Labelkollegen von Mastodon verinnerlicht haben.

Bereits beim übermelodischen Intro "Nomini" wird klar, dass es sich hierbei womöglich um eines der interessantesten Extrem-Metal-Alben des Jahres handeln könnte. Eine fast kitschig-psychedelische Gitarrenlinie öffnet sich und verklingt, bevor sich bei "An archer in the emptiness" das Fallbeil senkt. Hypnotische Neurosis-Riffs werden von tiefen Death-Metal-Growls und intelligenten Drums ergänzt, Rhythmus ist hier weitaus mehr als brutales Geballer, denn Schlagzeuger T.J. Childers ist Multiinstrumentalist und Bandleader in Personalunion. Das Resultat: weniger High-End-Stakkato, mehr Klangwalze, was teils an Oldschool-Death-Metal à la frühe Morbid Angel erinnert.

Die Single-Auskopplung "Transfiguration" folgt diesem Muster und knüppelt über neun Minuten hinweg, ohne dabei auch nur eine Sekunde zu langweilen. "Primordial wound" schraubt anschließend auf zähes Doom-Tempo zurück, mehr Reduktion ist kaum noch möglich, nach und nach erliegt dieser Track seinen Wunden. Die Reanimation wird bei "Potomac" eingeleitet, benannt nach einem uralten Indianerstamm. Nachdem das epische Intro-Motiv wieder aufgegriffen wird, setzt unerwartet das Klavier ein, und der zunächst sonderbar anmutende Vergleich mit Pink Floyd scheint spätestens beim epischen Gitarrensolo unumgänglich. Die jeweils über elf Minuten langen Tracks "Paradise gallows" und "Violent constellations" stecken wiederum knietief im Post-Death-Doom-Morast. "Where the Earth meets the sky" als schnöde Pflichtballade abzutun, wäre falsch. Ganz im Gegenteil: Nach über 70 Minuten demonstrieren Inter Arma ihr profundes Verständnis von Songwriting und runden mit Klargesang, Akustikgitarre und choralem Outro ein Album ab, das noch lange nachhallt.

(Felix Mildner)

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Highlights

  • An archer in the emptiness
  • Transfiguration
  • Potomac
  • The paradise gallows

Tracklist

  1. Nomini
  2. An archer in the emptiness
  3. Transfiguration
  4. Primordial wound
  5. The summer drones
  6. Potomac
  7. The paradise gallows
  8. Violent constellations
  9. Where the Earth meets the sky

Gesamtspielzeit: 70:32 min.

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User Beitrag

Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-07-05 21:07:59 Uhr
Frisch rezensiert.

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