Samaris - Black lights

Samaris- Black lights

One Little Indian / Rough Trade
VÖ: 10.06.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Aus einem kühlen Grunde

Dass bei den Begriffen "Island" und "Frauengesang" zuallerst Björk Guðmundsdóttir in den Sinn kommt, ist nachvollziehbar. Seit über 30 Jahren steht die Dame auf den Bühnen dieser Welt und hat ganze Generationen von Musikern beeinflusst. Der Name Jófrí­ður Ákadóttir dürfte dagegen nur Eingeweihten ein Begriff sein. Dass sich daran in naher Zukunft etwas ändern konnte, mag Wunschdenken sein, verdient hätte es Ákadóttir ohne Zweifel. Zusammen mit der Klarinettistin Run Magnusdóttir und dem Elektronik-Bastler Kári Steinþórsson bildet sie das Trio Samaris.

"Black lights", das zweite Album der Band, macht da weiter, wo "Silkidrangar" 2014 aufgehört hat. Nur die Sprache ist eine andere: Anstatt auf Isländisch haucht Ákadóttir nun auf Englisch ins Mikrophon. Ansonsten hat sich am musikalischen Koordinatensystem der Musiker wenig geändert: Noch immer bestimmen monotone, zwischen 2-Step und Downbeat changierende Beats den Takt, während grabestiefe Bässe und weitläufige Klangflächen um die melodische Vorherrschaft ringen. Darüber schwebt die Stimme, nicht selten durch Hall- und Delay-Spielereien verfremdet.

Samaris' Sound zeichnet sich durch große Homogenität und Detailverliebtheit aus. "T3mp0" gelingt beispielsweise das Kunststück, trockene TB-808-Drumsamples mit indischen Einflüssen und Dubstep-Anleihen zu kombinieren. Immer entrückter wird der Gesang, während sich das instrumentale Gerüst sukzessive in seine Einzelteile zerlegt. Auch der Titeltrack spielt gekonnt mit Erwartungen. Auf einen rhythmischen Beginn folgt eine melodische Eskalation in Form freidrehender Arpeggios, wobei die Grundstimmung stets introvertiert und nachdenklich bleibt.

So richtig düster wird es aber nur am Ende: "In deep" klingt genau so, wie es der Titel vermuten lässt. Zu einem monotonen Beat greifen Solaris ganz tief in die House-Kiste – ganz in Schwarz und Moll, versteht sich. Trotz ihrer Unaufdringlichkeit entfaltet die Musik eine immense Sogwirkung. Wer gerne mit geschlossenen Augen dem Tageslicht davontanzt, wird an Tracks wie dem Dub-getränkten "I will" große Freude haben. Samaris wandeln zwar nicht auf neuen Pfaden, sie agieren jedoch äußerst stil- und trittsicher. Und trotz aller Kälte, die Ákadóttirs Stimme verströmt, ist die Musik vor allem eines: Ausgesprochen erotisch.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Wanted 2 say
  • T3mp0
  • I will
  • In deep

Tracklist

  1. Wanted 2 say
  2. Black lights
  3. Gradient sky
  4. T3mp0
  5. I will
  6. R4vin
  7. 3y3
  8. T4ngled
  9. In deep

Gesamtspielzeit: 41:13 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Arbeiter
2016-08-28 12:40:57 Uhr
Kein schlechtes Album, doch nach dem bezaubernden Vorgänger Silkidrangar, zählt Black Lights zu den Enttäuschungen des Jahres.

Armin

Postings: 10586

Registriert seit 08.01.2012

2016-06-29 20:29:02 Uhr
Frisch rezensiert.

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