Christian Fennesz & Jim O'Rourke - It's hard for me to say I'm sorry

Christian Fennesz & Jim O'Rourke- It's hard for me to say I'm sorry

Mego / Godbrain
VÖ: 24.06.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

Hold me now

Willkommen zurück zu unserem Ratgeber der Entspannung und Ausgeglichenheit. Beim letzten Mal haben wir bereits Kniffe kennengelernt, mit denen Sie trotz Alltagsstress näher an Ihre innere Mitte herankommen. Heute möchten wir Ihnen zeigen, welche musikalische Untermalung für unsere Übungen geeignet ist. Als Beispiel stellen wir "It's hard for me to say I'm sorry" vor, ein Gemeinschaftsalbum des österreichischen Elektro-Tüftlers Christian Fennesz zusammen mit dem aus Chicago stammenden Tausendsassa Jim O'Rourke, beide bereits in der Vergangenheit als kollaborationsfreudig aufgefallen. Angesichts der letzten leichter verdaulichen Alben, Fennesz' "Bécs" und O'Rourkes "Simple songs", mag mancher etwas Poppiges erwarten – das wäre jedoch weit gefehlt.

Fennesz' bekannte Mischung aus elektronischem Zirpen und leichten synthetischen Noise-Anleihen bleibt das bestimmende Element, wird hier aber tief in eine Ambient-Landschaft eingebettet. Der Anteil von O'Rourke ist hingegen deutlich schwieriger auszumachen – ist jener doch ohnehin nie wirklich auf einen Sound festzulegen. 2015 noch mit dem zugänglicheren Meisterwerk "Simple songs" aufgefallen, lässt er sich bei dieser Reise ähnlich wie in seinen obskureren Stücken auf seine abstrakte Seite ein. Man glaubt beispielsweise, Elemente aus dem unwirklichen "I'm happy and I'm singing and a 1, 2, 3" zu hören – eines von O'Rourkes interessantesten Werken und womöglich der beste Albumtitel aller Zeiten.

Schweifen wir gerade ab? Genau das ist hier Sinn der Sache. "It's hard for me to say I'm sorry" trägt zwar in der zweiten Hälfte den Titel "Wouldn't wanna be swept away", aber nichts anderes als ein Wegfegen der Sinne ist die Folge des Konsums dieser Platte. Das Spiel der synapsenkitzelnden Elektronik mit den immer wieder eingestreuten White-Noise-Schüben sorgt für den meditativen Zustand, den wir uns für die geistige Reise erhoffen. Dabei sorgt der Opener "I just want you to stay" anfangs mit leichtem Sehnsuchtgefühl für die Einstimmung, während mit fortlaufender Spielzeit die Intensität mächtiger wird. Doch erst im hinteren Teil des Albums wird das Bewusstsein wahrhaft erweitert. Was als verhaltenes Piepen beginnt, türmt die Soundspuren nach und nach auf. Und dass sowohl der Album- als auch die beiden Songtitel den berüchtigten Chicago-Tränenzieher "Hard to say I'm sorry" zitieren, sollte Sie zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr stören.

Im Zentrum des Ichs angekommen, hören wir in "Wouldn't wanna be swept away" tatsächlich unseren Herzschlag durch die addierte rhythmische Komponente, unterdessen halten tosende weiße Klangwellen uns sicher und fest in ihrem Griff. Ein aufreibendes – und gleichzeitig so beruhigendes Erlebnis! Für den maximalen Effekt empfehlen wir gute Kopfhörer, eine bequeme Liegeposition und eine hohe Lautstärke, um die Außenwelt auszublenden und sich ganz auf Ihre Seelenreise konzentrieren zu können. So hoffen wir, dass Sie heute neue Inspiration bekommen konnten und freuen uns, wenn wir Sie auch nächste Woche wieder begrüßen dürfen. Ihr Beratungs-Team der Praxis Dr. med.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Wouldn't wanna be swept away

Tracklist

  1. I just want you to stay
  2. Wouldn't wanna be swept away

Gesamtspielzeit: 38:24 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
calabra
2016-07-05 14:40:28 Uhr
doch, gut geworden. gehe mit der 7/10 konform.

Armin

Postings: 13137

Registriert seit 08.01.2012

2016-06-29 20:27:47 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?
calabra
2016-06-20 16:23:37 Uhr
an sich recht vielversprechende kombination. der ausschnitt haut mich nicht vom hocker, aber ambient wirkt ja sowieso eher über die ganze spielzeit...

Felix H

Postings: 2935

Registriert seit 26.02.2016

2016-06-20 08:56:53 Uhr
Gemeinschaftsalbum der beiden, geht sehr in Ambient-Richtung. Kommt am Freitag (24.6.) raus.

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