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Sumac - What one becomes

Sumac- What one becomes

Thrill Jockey / Rough Trade
VÖ: 10.06.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Lachend in die Kreischsäge

Eigentlich müssten sich alle, die landauf und landab behaupten, Heavy Metal zu machen, jetzt in die nächste Ecke stellen und schämen. Über das, was in jenem Genre an Schwere erzeugt wird, können Sumac nur lachen – natürlich nicht herzhaft, eher diabolisch-verachtend. Die Supergroup aus Aaron Turner (Isis, Old Man Gloom, Mamiffer), Brian Cook (Russian Circles, These Arms Are Snakes) und Nick Yacyshyn (Baptists) erzeugt Klänge, die wie ein Vierzigtonner über den Hörer hinwegwalzen, und setzt auch auf ihrem Zweitwerk "What one becomes" selbst im Vergleich zu ihren anderen Projekten neue Maßstäbe der Heaviness. Als Kopf der Band sorgt Turner für den kompositorischen Rahmen der Stücke, welche anschließend im Studio ausgearbeitet und mit Leben gefüllt werden. Dass dabei nicht der Groove vergessen wird, ist nicht zuletzt der Virtuosität der Bandmitglieder und des Produzenten Kurt Ballou (Converge) geschuldet.

Der Jam ist eine essenzielle Zutat der Songs, die freiere Struktur stellt einen wesentlichen Unterschied zu Aaron Turners Ex-Band Isis dar. Schon der Vorgänger "The deal" profitierte von der gemeinsamen Chemie, was sich auf "What one becomes" nicht geändert hat. Doch während sich das Debüt langsam zum Monolith aufbaute, fallen Sumac dieses Mal mit der Tür ins Haus. Kreischendes, dissonantes Feedback empfängt den Hörer in den ersten Momenten von "Image of control", eine Sägewerk-Kakophonie, ehe der Noise vorerst in sich zusammenfällt und das Stück etwas ziellos mäandert. Nach vier Minuten wird endlich die gewohnte Mischung serviert, doch es ist der Einstieg, der auch nach vielen Durchgängen nicht schlüssig sein möchte, eine zu gewollte frühzeitige Verstörung. Als ob der Rest des Album nicht genug harte Kost wäre.

Wenn "Image of control" sich am Ende in eine knochentrockene Attacke aus Drums, Bass und Turners Growls hineinsteigert, ist der holprige Anfang allerdings längst vergessen. Das folgende "Rigid man" kann einen wunderbar sphärischen Mittelteil aufweisen, nach welchem sich der Song komplett verliert und wieder neu aufbaut, einem vergleichsweise zielstrebigen Finale entgegen. Ansonsten ist offensichtlich, dass Sumac sich genug Zeit für die Entwicklung der Stücke geben. Fünf Tracks in einer knappen Stunde lassen ausreichend Raum, um Ideen wirken zu lassen, sich in passenden Grooves zu verlieren oder wie in "Clutch of oblivion" das Intro-Riff hinreichend zu zelebrieren. Tollerweise hat die Platte darüber hinaus einen famosen Spannungsbogen. Denn was die drei Veteranen schlussendlich in den letzten beiden Biestern auspacken, ist nicht weniger als meisterhaft.

"Blackout" ist mit über 17 Minuten Spielzeit das Mammutwerk auf dem Album, beginnt reduziert und repetitiv, sozusagen eine Einstimmung perkussiver Art auf das, was folgt. Nach und nach gewinnt der Song an Kontur, bis sich zur Mitte ein toller Rhythmus herausschält und abermals deutlich wird, dass hier Jahrzehnte an Erfahrung sowie Massen an Talent gemeinsam am Werk waren. Nicht weniger großartig präsentiert sich der Closer "Will to reach", welcher "What one becomes" in einem tosenden Gewitter auflöst und vor allem Drummer Vacyshyn noch einmal genügend Argumente liefert, warum er zurecht als Weltklasse-Schlagzeuger gilt. Die bleischwere Tour de Force, die Turner, Cook und Yacyshyn zelebrieren, hat weiterhin nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Wer hätte gedacht, dass es so erhebend sein kann, von einem Vierzigtonner überrollt zu werden?

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Blackout
  • Will to reach

Tracklist

  1. Image of control
  2. Rigid man
  3. Clutch of oblivion
  4. Blackout
  5. Will to reach

Gesamtspielzeit: 58:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

fuzzmyass

Postings: 21773

Registriert seit 21.08.2019

2026-04-18 00:07:08 Uhr
Irgendwie kam ich bei Sumac auch nie rein...Liebe Isis total... Sumac Debut find ich schwer in Ordnung, aber live war das letztes Jahr super langweilig und unspektakulär, abseits des Debuts trifft mich das irgendwie null...

Mayakhedive

Postings: 2831

Registriert seit 16.08.2017

2026-04-17 23:47:43 Uhr
Dann dürfte ich mit dem Album ja recht safe sein, The Healer finde ich ja schon sehr geil.
Ich war da anfangs von den dronigeren Parts auch eher abgeschreckt, weil ich mit sowas sonst null anfangen kann. Aber hier fügt sich das irgendwie so stimmig ein, als bedrohliches Brodeln vor dem nächsten, alles zermalmenden Ausbruch.
Ich stand auch nie auf Turners Growls , oder auf dieses Stilmittel generell, aber auch das passt hier einfach rein.
Das übt auf mich alles gerade eine unfassbare Anziehung aus, ohne dass ich bislang auch nur einen geilen Part exakt benennen/zuordnen könnte.

Wie die Sachen mit Keiji Haino so? Da hab ich ja echt Angst, dass das nur so Geräusch und Drone ist.

boneless

Postings: 7246

Registriert seit 13.05.2014

2026-04-17 22:57:31 Uhr
Echt? Mit dem kam ich gar nicht klar. Von da an war ich raus.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 11506

Registriert seit 26.02.2016

2026-04-17 22:55:29 Uhr
Ich find den Nachfolger trotz längerer Stücke um einiges einfacher. Aber ist generell echt ein beeindruckender Sound, den die da hinlegen.

boneless

Postings: 7246

Registriert seit 13.05.2014

2026-04-17 22:50:23 Uhr
Unbedingt. Ist keine Konsensmeinung, aber für mich weiterhin die Beste von Sumac. Brutalität und "Eingängigkeit" gingen selten so Hand in Hand wie hier. Also What One Becomes ist immer noch sperrig as fuck, aber im Vergleich mit dem sonstigen Output dieser Band kann man fast schon von Mainstream sprechen. :D
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