Medusa's Spite - Floating around

Medusa's Spite- Floating around

Baby
VÖ: 28.02.2000

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Italienische Süßigkeiten

Denk' ich an Italien bei Nacht, so kommen mir vor allem Bumm-Bumm-Beats in den Sinn. Aus dem Italopop der Achtziger wurde der Eurotrash der Neunziger. Wohin führt uns also das Jahr 2000 auf diesem Sektor? Die Antwort beginnt - erstaunlich genug - mit einer Gitarre. Sanft wird in "Someone by my side" ein Melodiedickicht geflochten, das auch nach dem Einsatz der Üblichkeiten einer modernen Produktion durchaus zu gefallen weiß. Eine Verschachtelung hier mit einigen verqueren Beats und ein paar unvermuteten Gitarrenbratzern dort gespickt - fertig ist der Radiohit.

Die drei Italiener von Medusa's Spite taten sich 1991 zusammen, um ihre Vision der Dancemusic zu kreieren. Ihre Wege führten sie zu einer Mischung aus Techno, Hip-Hop und Hardcore. Glücklicherweise liegt mit "Floating around" ein völlig anderes Album vor. Dem Synthpop, der in letzter Zeit so viel an Beachtung wiederfand, hat man sich nun verschrieben. Anfangs wirken die Bemühungen der drei Herren durchaus liebevoll und einfallsreich arrangiert. Schicht um Schicht wird allerdings so der Sound bis knapp unter die Schmerzgrenze angefüllt, daß der Zuhörer nach einer Weile das Gefühl bekommt, daß er dies alles irgendwo schon einmal gehört hat.

Recht hat er, obwohl nicht immer so offensichtlich geklaut wird wie bei "Tonight", das sich nicht zwischen "Sweet harmony" (The Beloved) und "Enjoy the silence" (Depeche Mode) entscheiden kann. Wenigstens klingt alles durchaus modern arrangiert, wenn auch die Strukturen ziemlich altbackene sind. Über allem schwingen zudem die Vocals einer jungen Dame, die sich im Video bestimmt toll ausmacht. Daß es Medusa's Spite schon in die italienischen Charts geschafft haben, mag nicht nur an dem erfolgversprechenden Konzept der mehr oder minder unauffälligen Resteverwertung liegen.

Es befindet sich nämlich immerhin ein richtig guter Song auf dem Album. "Everlasting love" ist nicht die x-te Version des Love Affair-Schmachtfetzens, sondern ein richtig gut gemachtes Stück Pop. Auf einem perlenden Klavier und schepperndem Drums setzt eine melancholische Geschichte eines jungen Mannes ein, der Angst vor der ewigen Liebe bekommt und vor ihr flüchtet. Leider flüchten die meisten anderen Stücke der Platte nach jedem Hören gleich wieder aus dem Gedächtnis. Zuviel Eingängigkeit ist wohl ungesund - besonders, wenn man zu oft (und zu offensichtlich) an den Süßigkeiten der Achtziger nascht.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Someone by my side
  • Everlasting love

Tracklist

  1. Someone by my side
  2. To my best friend
  3. Everlasting love
  4. My coarse palate
  5. What did you know about me
  6. A little prayer for you
  7. The b-side
  8. Baby wants to know
  9. Tonight
  10. In the cage

Gesamtspielzeit: 68:19 min.

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