Various Artists - Der Spielmacher – Ein Fussical

Various Artists- Der Spielmacher – Ein Fussical

Staatsakt / Caroline / Universal
VÖ: 24.06.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Summen der einzelnen Teile

Herzlich willkommen zu diesem Fußballabend! Die Sensation ist perfekt: Bussard Berlin, diese Mannschaft, ansonsten in der dritten Liga zu Hause, steht im Viertelfinale des DFB-Pokals! Dieser Erfolg hat – fünf Euro ins Phrasenschwein – viele Väter: In erster Linie ist da Maurice Summen zu nennen, Frontmann der Bands Die Türen und Der Mann, Gründer und Verantwortlicher des Berliner Labels Staatsakt, das sich in den Jahren seit der Gründung 2003 kontinuierlich zum wichtigsten und progressivsten Label des Landes entwickelte, indem es sein Portfolio um Acts wie Ja, Panik, Die Sterne, Christiane Rösinger, Jens Friebe und jüngst Isolation Berlin, Albrecht Schrader und Nicolas Sturm immer wieder erweiterte. Der zweite Vater dieses "Fussicals", wie es die Macher nennen, ist der Regisseur und Schauspieler Patrick Wengenroth, der das Stück passend zur EM und zeitgleich zur Veröffentlichung des Albums auf die Bühne des Berliner Theaters Hebbel Am Ufer bringt. Und nicht zuletzt sind da natürlich die vielen schauspielernden Musiker und singenden Schauspielerinnen. Aber in diesem Moment wird das Spiel angepfiffen! Wir schalten ins Stadion, die Protagonisten stelle ich Ihnen während des Spiels vor.

Am Spielfeldrand stimmt der Dopingarzt, gespielt von Ramin Bijan, das Eigenlob "Der wahre Star" an, denn nur er halte die Maschine Mensch am Laufen. Aber dem dauerverletzten Schmerzensmann (Andreas Spechtl von Ja, Panik) kann auch er nicht helfen, weshalb sich der Spieler aktuell zur Behandlung in Colorado befindet, wo er sich wegträumt in Fernsehserien und zu seinem heimlichen Lover, dem Spielmacher (Eva Löbau). Nicht zu träumen, sondern präsent zu sein, ist die Aufgabe des Kommentators mit philosophischer Schlagseite, gespielt von Jens Friebe, der mit der Zeile "Ihr seid die Krieger / Und wir die Kinder-Kriegerinnen" aber auch den "Chor der Spielerfrauen" anführt. An dieser Stelle lässt sich das erste Fazit ziehen: Den Protagonisten ist es gelungen, dass alle beteiligten Musiker ihren typischen Sound beibehalten – Die Türen etwa ihre Northern-Soul-Anwandlungen, Spechtl seinen luziden Pop oder Chris Imler seine Noise-Kaskaden. Und das Resultat ist dennoch ein stimmiges Ganzes.

Imler ist es, der dem vielleicht wichtigsten Part im Fußball eine Stimme gibt, wenn er im Chor mit Friebe "Fan ist ein Stahlbad!" ruft. Auch er hat sich jetzt die Halbzeitpause verdient, in der die Spielerfrau (Lucy Wirth) mit Unterstützung des Schlafzimmer-Souls von Der Mann fleht: "Bleib bei mir". Da geht das Spiel auch schon weiter! Und das muss gewonnen werden, das weiß auch der Stadionsprecher (Maurice Summen), der zudem die geeigneten Mittel kennt: "Korruption ist kein Skandal, Korruption ist der Regelfall, Korruption ist mein Verein." Währenddessen seufzt der Wimp in Colorado: "Nein, kein Player ohne Pain, kein Lover ohne Game, und keine Angst, noch einmal aufzusteh'n" und nicht nur hier zeigt sich, dass die meisten Songs gerade noch den Dreh zur Allgemeingültigkeit finden, um auch außerhalb des Fußball-Kontextes zu funktionieren. Musikalisch sind sie ohnehin stark genug dafür. Am Ende des Stückes steht das Scheitern, das Spiel ist verloren, der Verein an arabische Scheichs verkauft und der Dopingarzt konstatiert: "Never touch a dying system, and never believe in your own wisdom."

"Als ich noch einer von euch war, Blut im Schuh, Bänder im Haar / Athletisch, effizient und schnell, weiß, männlich, heterosexuell / War ich voll Angst und Wut, jetzt geht's mir wieder gut" singt Christiane Rösinger und man kann es den Machern nicht hoch genug anrechnen, dass sie auch diese Seiten des Sports in diesem Stück ansprechen. Überhaupt war die Verbindung von Fußball und Musik in Deutschland bisher in den seltensten Fällen eine gelungene, um es vorsichtig auszudrücken. Dieses Stück, das Album und das Label Staatsakt haben hier Pionierarbeit geleistet und würde das Team um Summen nicht längst in der ersten Liga der deutschen Musiklandschaft spielen, wäre das spätestens jetzt der Fall. Spiel, Satz, Sieg! Äh, falsche Sportart! Aber, liebe Leute von Staatsakt, wie wäre es denn mit einem Tennical?

(Johannes Mihram)

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Highlights

  • Der wahre Star (Die Türen feat. Der Mann)
  • Chor der Spielerfrauen (Jens Friebe)
  • Mein Platz (Christiane Rösinger)
  • Bleib bei mir (Der Mann feat. Lucy Wirth)
  • Korruption ist mein Verein (Die Türen)
  • Player (Andreas Spechtl)

Tracklist

  1. Der wahre Star (Die Türen feat. Der Mann)
  2. Colorado (Andreas Spechtl)
  3. Chor der Spielerfrauen (Jens Friebe)
  4. Mein Platz (Christiane Rösinger)
  5. Was ist mit uns (Chris Imler)
  6. Ballolog 1 (Die Tore feat. Verena Unbehaun)
  7. Der Erfolg hat immer recht (Die Türen feat. Vivien Mahler)
  8. Fan ist ein Stahlbad (Chris Imler)
  9. Bleib bei mir (Der Mann feat. Lucy Wirth)
  10. Korruption ist mein Verein (Die Türen)
  11. Player (Andreas Spechtl)
  12. Ballolog 2 (Die Tore feat. Verena Unbehaun)
  13. Seltsam, seltsam (Christiane Rösinger)
  14. What do they know (Jens Friebe)
  15. Mach Dich rar (Die Türen)
  16. Ballolog 3 (Die Tore feat. Verena Unbehaun)
  17. Lass es bleiben (Die Türen feat. Der Mann)

Gesamtspielzeit: 53:37 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
äääh
2016-09-15 02:48:07 Uhr
wasn das fürn scheiß?
Kantstein
2016-06-15 22:11:27 Uhr
Wieso heißtn dit nicht "Fußical"?

Armin

Postings: 15426

Registriert seit 08.01.2012

2016-06-15 21:52:45 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?
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