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Chakuza - Noah

Chakuza- Noah

Four / Sony
VÖ: 10.06.2016

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Vor ihm die Sintflut

Der Herr Chakuza sah, dass auf der Erde die Schlechtigkeit der Musik zunahm und dass alle Orte, an denen sich viele der Menschen versammelten, deren Sinnen und Trachten nur böse war. Nachdem der Herr noch auf "Magnolia" anno 2013 in den großen Städten mit Dämonen gerungen hatte, blieb schließlich nur noch die Ausflucht, "Exit" aus dem Jahre 2014 n. Chr. Mit "Noah" schließlich sandte Herr C. ein Rettungsboot zur Flut an schlechter Musik. Da dachte er auch an die Tiere des Landes und der Lüfte. Auch wenn der Österreicher Chakuza, bürgerlich Peter Prangerl, den Titel seines nunmehr sechsten Solo-Albums trotz seiner zum Gebet zusammengelegten Hände nicht religiös verstanden wissen will, fasst dies gleichwohl die Entstehung dieses jüngsten Werkes zusammen.

Als Abschluss seiner dreiteiligen Selbstfindung aus Kampf, Flucht und Rettung hat sich Chakuza von der Großstadt aufs Land zurückgezogen. Die Umwelt ist ihm wichtig wie nie zuvor, gerade Vögel sind ein stets wiederkehrendes Motiv. Gegenwärtige Musik findet der ehemalige HipHop-Musiker, den nur der Sprechgesang noch mit seinen Wurzeln verbindet, während Melodien und Instrumentierung mehr in die Gefilde des Pop oder Indie driften, eher doof. "Melancholie ist die Lederjacke meines Vereins", sang Prinz Pi einst auf "Du bist", und "Noah" macht einmal mehr klar, dass Chakuza ein Teammitglied des Prinzen ist. Allerdings ist seine unverkennbar melancholische und doch beruhigende Stimme, hinter der immer wieder die auf "Magnolia" vernarbten Wunden aufreißen, weiterhin eine der großen Stärken des Österreichers.

Nur kann sie gemeinsam mit der gewohnt angenehm zurückhaltenden Herangehensweise des Songwritings nicht über so manche lyrischen Schwächen hinwegtäuschen. Oftmals wird das ohnehin nicht komplexe Reimschema viel zu künstlich herbeigeführt, dabei kann es zu Bagatellen wie "Werfen Sachen und so / Dann gibt es Krach / Es werden Waffen geholt" kommen. In einem anderen Fall wird der Vers auf "Ich hab gemacht genug" umgestellt, um sich später auf "Lucky Luke" zu reimen. Leider nicht die einzigen Fälle, in denen Bedeutung hinter der Form zurücktreten muss. Fies sind auch Anspielungen der Marke "Die Welt so fabelhaft wie die von Amelie", weil sie statt tieferem Inhalt nur bloße Sprachspiele transportieren.

Dabei ist Chakuza letztlich zu gut, um wirklich schlechte Songs aufzunehmen, es sind eher die punktuellen Ausfälle, welche die Kohärenz von "Noah" stören und Kopfschmerzen bereiten. Denn es sind wiederum durchaus schöne Referenzen zu entdecken: Am besten gefällt dabei "Winterschlaf", ausgestattet unter anderem mit Verbeugungen vor René Goscinny oder Nick Hornby. So bleibt es ein zwiespältiges Vergnügen, das Chakuza der ach so schlechten Musikwelt entgegensetzt. Welche Musik nun so schlimm ist? "Bilder" macht es besonders undeutlich: "Ich kann die Firlefanz-Musik schon nicht mehr hören / Und hör sie trotzdem / Blas mir irgendwann den Kopf weg / Wie ein Selbstmörder-Maskottchen." Die Landsmänner von Bilderbuch und Wanda können es jedenfalls trotz der Kritik an "Wien" nicht sein. Um den Verein der Melancholie-Lederjacken sollte man sich jedenfalls mehr Sorgen machen, der krebst in Sachen Qualität nämlich momentan im Mittelfeld herum.

(Marcel Menne)

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Highlights

  • Winterschlaf
  • Dings

Tracklist

  1. Anno 1981
  2. Wien
  3. Bilder
  4. Gold
  5. Noah
  6. Tanzmarie
  7. Vorhang
  8. Prag
  9. Sonnenallee
  10. Winterschlaf
  11. Mond
  12. Dings
  13. Wassersturmfeuer

Gesamtspielzeit: 45:09 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2016-06-15 21:48:34 Uhr
Frisch rezensiert.

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  • Chakuza (5 Beiträge / Letzter am 08.01.2014 - 00:44 Uhr)

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