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Minor Victories - Minor Victories

Minor Victories- Minor Victories

PIAS / Rough Trade
VÖ: 03.06.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bild und Ton

Schön, wenn man einem Künstler nicht nur die Freude am Spiel anmerkt, sondern auch eine gewisse Überraschung – oder gar Verzückung? – beim Blick in die Menschenmassen vor der Bühne. Dass auch Musiker nur mit Wasser kochen und nicht jeder es für selbstverständlich hält, wenn sich Fans in hitzig-schwitzigen Hallen vom neuen Material überzeugen und dabei mitunter schon mal eine Weile auf längst schmerzenden Füßen stehen bleiben, vergisst man ja ab und zu schon mal. Nicht so aber bei Rachel Goswell: Die Britin, normalerweise hauptsächlich für ihr Schaffen bei Slowdive und Mojave 3 bekannt, konnte das pure Glück in ihrem Gesicht kaum verbergen, als sie Anfang Juni 2016 ins Festival-Publikum des Maifeld Derby in Mannheim schaute. Wollte sie wohl auch gar nicht.

Die 45-Jährige, längst ein alter Hase im Musikgeschäft, erklärte, dass es gerade mal der schätzungsweise sechste Auftritt ihrer neuen Band Minor Victories sei – einer Supergroup, die dieser Bezeichnung alle Ehre macht: Neben Goswell gehören auch Mogwais Stuart Braithwaite, Justin Lockey von Editors sowie dessen Bruder James zur Mannschaft. Was als Idee im kleineren Rahmen begann, wuchs schließlich zu einem imposanten Projekt an, und das nicht nur in musikalischer Hinsicht: Dank des Hand Held Cine Clubs der Lockey-Brüder überzeugen Minor Victories auch mit eindrucksstarker Optik. Im Vordergrund ihres Debüts "Minor Victories" steht aber natürlich die geradezu epische Klangkulisse.

Wirklich überraschend ist der Sound des Quartetts hier freilich nicht. Muss er aber auch gar nicht: Wenn Goswell so herrlich fragil säuselt wie in der ersten Hälfte von "Folk arp", darf das ruhig an Mojave 3 erinnern, während sich im Hintergrund ein dichtgewebter Shoegaze-Teppich ausbreitet und am Ende noisige Gitarrenwände gen Himmel aufziehen. Mehr an Mogwai orientiert sich das elektronisch angehauchte Ungetüm "A hundred ropes", das mit seiner Mischung aus nervenzerfetzender Streicher-Dynamik und donnerndem Schlagzeug den perfekten Soundtrack für die Apokalypse liefert, während das verspielte "For you always" es mit Leichtigkeit und beeindruckender Lyrik schafft, den mittlerweile zum professionellen Unsympathen gewordenen Gastsänger Mark Kozelek ins rechte Licht zu rücken: "We were sitting there talking and the guys came in to talk to me / They saw my socks and underwear hanging out there and they laughed / But you didn't because / You had my back."

Neben Koz darf sich auch James Graham von The Twilight Sad neben Goswell ans Mikrofon stellen. Dessen Beitrag im Highlight "Scattered ashes (Song for Richard)" gehört klar zu den besten Momenten des Albums, wenn sich Noise- und Dream-Pop vereinen und sich die vertonte Hand aufs Herz legt: "Take my life back to the start / Pick up the pieces of my heart / Let it be over / Scattered ashes / Someday we might find a way back to each other." Noch emotionaler wird es nur im Abschluss-Donnerwetter von "Higher hopes", das, entgegen seines Titels, natürlich jegliche Hoffnung auf eine bessere Welt im Keim erstickt. Es bleibt dennoch dabei: Das Verzücken von Goswell beim Blick ins Publikum strahlt wie eine Reflektion direkt zu ihr zurück. Hundertfach, tausendfach. Pures Glück.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • A hundred ropes
  • Scattered ashes (Song for Richard)
  • Folk arp
  • Higher hopes

Tracklist

  1. Give up the ghost
  2. A hundred ropes
  3. Breaking my light
  4. Scattered ashes (Song for Richard)
  5. Folk arp
  6. Cogs
  7. For you always
  8. Out to sea
  9. The thief
  10. Higher hopes

Gesamtspielzeit: 50:17 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Nummer Neun

Postings: 286

Registriert seit 14.06.2013

2021-02-23 17:10:33 Uhr
Also in München war das damals ein nettes, aber nicht besonders gut besuchtes Konzert.

fakeboy

Postings: 1518

Registriert seit 21.08.2019

2021-02-22 20:41:54 Uhr
Auch Bands haben eine Tagesform ;-)

Mr Oh so

Postings: 1943

Registriert seit 13.06.2013

2021-02-22 18:15:07 Uhr
fakeboy
2016 live gesehen an der Bad Bonn Kilbi - es war ein sehr schlechtes Konzert. Langweilig. Und es gab auch böse Vibes zwischen Publikum und der Sängerin, ich glaube weil das Publikum nicht sehr ruhig war... Damals abgehakt und nie mehr angehört.



2016 live gesehen in Hamburg - es war ein sehr schönes Konzert. Packend. Danach noch mit der sehr netten Sängerin geplaudert. ... Hol ich immer mal wieder raus, das Album.

Gomes21

Postings: 3711

Registriert seit 20.06.2013

2021-02-22 18:04:26 Uhr
Ich vergesse das Minor Victories auch immer wieder unberechtigterweise. Slowdive sind da viel präsenter, Warum weiß ich nicht. Dabei mag ich auch das featuring mit Kozelek verdammt gerne und auch der geht nicht vergessen. So richtig erklären kann ich es mir nicht. Verdammt gute Platte!

fakeboy

Postings: 1518

Registriert seit 21.08.2019

2021-02-22 17:47:45 Uhr
2016 live gesehen an der Bad Bonn Kilbi - es war ein sehr schlechtes Konzert. Langweilig. Und es gab auch böse Vibes zwischen Publikum und der Sängerin, ich glaube weil das Publikum nicht sehr ruhig war... Damals abgehakt und nie mehr angehört.
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