Kontra K - Labyrinth

Kontra K- Labyrinth

Four / Sony
VÖ: 20.05.2016

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Ermüdender Krieger

Die größte Stärke des muskelbepackten Maximilian Diehn, der sich im Rapgeschäft Kontra K nennt und sich nur allzu gern mit seinem Dobermann ablichten lässt, liegt weder in seiner körperlichen noch mentalen Verfassung. Sie findet sich tatsächlich auf "Labyrinth", besteht aber nicht aus kraftvollen Tracks, sondern der unangenehmen Ausdauer, auch den hartnäckigsten Hörer mit immer gleichen Themen zu ermüden.

Die 18 Tracks ließen sich gut und gerne auf die Hälfte kürzen, und man hätte noch immer den vollen Themenumfang. Die Vokabeln sind beharrlich die gleichen: Mut, Willensstärke, Schmerz, Respekt und Ehrlichkeit. Jedes dritte Stück beschreibt den mühevollen Aufstieg aus harten Zeiten, in denen auch mal gar nichts auf den Tisch kam. Aber Kopf hoch, denn "jede Narbe auf der Haut ist ein Abzeichen" ("Atme tief ein"), und "man wächst an jeder Kugel, die einen trifft" ("Mitleid"). Kontra K ist der personifizierte Phönix aus der Asche – wieso daraus auch kein ganzes Album machen? Schade nur, wenn man dafür die immer gleichen sprachlichen Bilder findet, sich fortwährend einen Panzer aus Erfolg antrainiert, Benzin durch die Adern pumpt und mit einer Armee aus Soldaten seine Schlachten, auch gegen den Lauf der Zeiger, schlägt. Schade dass, auch "Aus dem Schatten ins Licht" schon nicht viel mehr zu bieten hatte.

So sind die Durchhalteparolen nicht nur das neoliberale Gesicht von Deutschrap, sondern vor allem schrecklich konform. Schon der Anblick der Tracklist treibt einem das Gähnen in die Kiefermuskulatur. Dabei bleibt weiter gültig, dass Kontra K einen passablen Flow und akzeptable Technik an den Tag legt und so eine Konstanz über die fast 70 Minuten herbeiführt, die man nicht in Abrede stellen kann. Das wird besonders deutlich, wenn in "Gut böse" die prolligen Feature-Gäste dazu kommen, und in Teilen auch, wenn sich in "Brot stapeln" die alten Labelkumpanen Fatal, Skinny Al und Rico um ihn versammeln. In "Geist" durchbricht dann eine Gastsängerin den Nebel aus Steroiden, in dem sie die englische Hook singt und so eine gern genommene Wohltat für die Ohren anbietet. Auch "Sohn" hat etwas mehr Seele, und die Sorgen um den eigenen Nachwuchs transportieren sich gut über die geloopte, fast schom empfindsame Pianomelodie.

Dagegen soll das Klavier zu Beginn von "Bis hierher" einzig und allein anzeigen, dass ein nachdenklicher Track folgt. Im Laufe des Albums mischen sich dann noch vermehrt belebende Drum'n'Bass-Beats zu den sonstigen Elektro-Spielereien. Nicht weh tun auch die Streicher in "Hoffnung", auch wenn das Stück selbst arg theatralisch geraten ist. Aber auch damit steht es beileibe nicht allein da, denn auch in "Gut böse" heißt es: "Ich weine Blut und mein Spiegelbild wird schwarz." Auch das bestätigt: keine Irrungen, keine Wirrungen. Der Albumtitel ist fast schon Hohn, denn es geht auf "Labyrinth" thematisch nur stur geradeaus, nach vorn, nach oben und immer mit dem Kopf durch die Wand.

(Andreas Menzel)

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Highlights

  • Jetzt erst recht
  • Geist
  • Sohn

Tracklist

  1. Atme tief ein
  2. Ikarus
  3. Bis hierher
  4. Mitleid
  5. Hoffnung
  6. Wie könnt ich
  7. Gut böse (feat. Bonez MC, Nizi, RAF Camora)
  8. Jetzt erst recht
  9. Paradies (feat. Rico)
  10. Nie wieder
  11. Kampfgeist 3
  12. An Deiner Seite
  13. Labyrinth
  14. Brot stapeln (feat. Fatal, Rico, Skinny Al)
  15. Geist
  16. Tagtraum
  17. Sohn
  18. Bittersüß (feat. Haudegen)

Gesamtspielzeit: 68:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
DayDream
2017-10-27 03:02:08 Uhr
Wie wahr :D
Fand Electosmog(so hieß es mein ich) noch echt nice aber alles was danach gekommen ist ausser paar einzelne tracks die man an einer hand abzählen kann alles das selbe
Erfolg ist kei Glück
2016-06-10 09:53:34 Uhr
Eine der besten deutschsprachigen HipHop-Alben der letzten Jahre. Mit seinem Flow steckt Kontra K so ziemlich alle in die Tasche, die Texte sind abwechslungsreich und bieten Einblick in das Innenleben eines Künstlers der sich durchgekämpft hat.
Hier ist jemand der Tiger, der beisst, aber auch mal schmusen kann.

Primavera HipHop!!!

AndreasM

Postings: 380

Registriert seit 15.05.2013

2016-06-10 09:37:09 Uhr
In der schlimmsten Kategorie vielleicht nicht, aber ansonsten kann ich MopedTobias nur zustimmen.

MopedTobias

Postings: 10529

Registriert seit 10.09.2013

2016-06-09 22:46:15 Uhr
Bitte bitte bitte diesen Versager nicht als Sinnbild für ein ganzes Genre nehmen. Kontra K ist mit das Schlimmste, was man sich momentan im Deutschrap antun kann.
ganz schlimm
2016-06-09 22:30:03 Uhr
Deutschrap ist und bleibt einfach nur peinlich! Da kann auch der vollgepumpte Körper und die Hitlerjugendfrisur nichts dran ändern.
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