Mark Forster - Tape

Mark Forster- Tape

Four / Sony
VÖ: 03.06.2016

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Im trauten Eigenreim

Stell Dir vor, Du schreibst Fußball-Songs und weißt es nicht einmal. Also konträr handelst zu Herbert Grönemeyer, der damit ja sehr offensiv umgeht. 2006 zur WM im eigenen Land das durchaus mitreißende, weltmusikalische "Zeit, dass sich was dreht", 2015 die verbale Blutgrätsche "Der Löw" und 2016 "Jeder für Jeden" an der Seite von Felix Jaehn, die Ebbe für jeden Bierstand. Mark Forster aus dem pfälzischen Winnweiler purzelte 2014 eher zufällig mit Hilfe eines Radiosenders ins Fußball-Song-Business, als sein Track "Au revoir" einen neuen Text erhielt und später dann eigenständig von Forster und Sido eine WM-Final-Version verpasst bekam. Wer dachte, man könne die Worte "Au revoir", "Maracanã" und "Pokal" nicht formschön reimen, wurde zwar bestätigt. Aber egal: Weltmeister.

Nun, im Europameisterschaftsjahr 2016, nutzt das ZDF Forsters Song auf die Freundschaft, "Wir sind groß", zur musikalischen Untermalung seiner Berichterstattung. Hat bei Andreas Bourani mit der gleichen Grundassoziation auch schon funktioniert. Ein Hoch auf unsere Idee. Da müssen sich die Fanmeilen nicht mal beim Vokabular umstellen. "Wir fliegen weg, denn wir leben hoch, gewinnen alles und gehen KO." In seiner nie beantragen Beförderung vom Fußball-Liebhaber zum Experten verdingt sich der 32-Jährige während der EM zudem als Reporter und wird für die ARD-Jugendradios vom Geschehen abseits der Spiele berichten. Als Fan des 1. FC Kaiserslautern weiß er: Was zählt, ist neben dem Platz. Und so belässt es der stets freundlich wirkende Pfälzer auf "Tape" aktiv bei einem Fußball-Vergleich: "Entscheide aus Reflex wie Casillas."

Ein guter Reflex war es, nach dem Erfolg des Felix-Jaehn-Gemeinschaftsprojekts Eff auf die "Stimme" zu hören, die sagte: Mach nicht noch so eine nervige House-Nummer. Stattdessen bietet sein "Tape" eine Zusammenstellung aus Storys der vergangenen beiden, für ihn sehr erfolgreichen Jahre; Forster blickt optimistischer auf das Hier und Jetzt als auf "Bauch und Kopf" – und das spiegelt sich im Sound. "Sowieso" punktet mit zackigen Bläser-Sätzen und ähnlich wie Casper sich in "Jambalaya" vom Bigband-Südstaaten-Flair inspirieren ließ, machen das hier "Chöre" und "Weiter (right now)". Die choralen Elemente auf "Tape" steuern die berühmten Harlem Gospel Singers bei. Und Rosie Danvers arrangiert die Streicher der Wired Strings – sonst unter anderem schon im Einsatz gewesen bei Kanye West, Paul Weller und Adele –, um den balladesken Abschluss "Flüsterton" zu veredeln und mit tiefen Cello-Tönen Forsters Sorry an seine Schwester "Natalie".

Der Kappenträger aus Leidenschaft gibt sich also redlich Mühe, den trägen Befindlichkeits-Songwritern Tim Bendzo, Bourani & Co schon im Klangbild zu entfliehen. Das Problem der teils wirklich soliden bis guten, soulpoppigen Grundgerüste sind weniger Pathos, zelebrales Jugendtum und offensichtliche Text-Ton-Verbandelungen – etwa Vintage-Klänge bei "Spul zurück", Beats beim Wort "Beat" – sondern textliche Schauderattacken. "Ey", könnte manch einer anführen, er schreibt sich Gedanken in purer Form von der Seele, umgangssprachlich, alltagstauglich schnörkellos. Aber wenn ein Song namens "Für immer forever" die Zeile "Ich geh nicht mehr weg, never ever" zum Reimen verdammt, ist das nur der Anfang einer Reihe zwanghafter Reime, die in einer nie geahnten Symbiose von "Kuddelmuddel" und "Pudding" gipfeln. Oder: "Und fällt der Jenga-Turm, egal gibt eh Verlängerung." Auch unnötige Vergleiche – ist das eine HipHop-Referenz? – fallen zuhauf. Die bösen Geister "klingen bedrohlich". Reicht, Message angekommen. "Als kommt Darth Vader gleich vorbei und holt mich" braucht es gar nicht mehr, oder? Siehe auch: "Drama-Hook wie bei Coldplay", "allergrößer Kampf wie bei Rocky", "geh drauf los wie ein Windhund" "steig halt ein wie Marty McFly" oder "bis in die letzte Ecke vertraut, wie das eigene Treppenhaus." Mit Grundsympathie kann man keine Punkte sammeln. Wie bei Rewe, so bei Plattentests.de. Für immer, forever.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Sowieso
  • Natalie
  • Flüsterton

Tracklist

  1. Spul zurück
  2. Sowieso
  3. Schöner Scherbenhaufen
  4. Was ernstes
  5. Wir sind groß
  6. Da fährt ein Bus
  7. Chöre
  8. Weiter (right now)
  9. Willkommen zurück
  10. Natalie
  11. Selfie
  12. Die beste Nacht
  13. Für immer forever
  14. Flüsterton

Gesamtspielzeit: 51:37 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Achim88
2018-01-16 19:50:24 Uhr
War natürlich nur Spaß!
Bin rechtsextrem. Sollten mittlerweile auch alle kapiert haben.

(A.)

Achim

Postings: 6167

Registriert seit 13.06.2013

2018-01-15 19:23:02 Uhr
Außerdem bin ich linksgrün.

(A.)

Achim

Postings: 6167

Registriert seit 13.06.2013

2018-01-15 19:22:16 Uhr
@@Achim.: Habe ich (1.) irgendwo behauptet?

(A.)
@Achim.
2018-01-15 19:20:18 Uhr
1. Das ist nicht Mark Forster.
2. Gerade du als rechter Forumstroll solltest lieber nichts sagen betreffend Witzfigur.
Tech-Nick
2018-01-15 18:46:41 Uhr
Und bei Mediamarkt arbeitet auch nicht dieser Schauspieler?
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