Fiji Condo Chief - Condo island

Fiji Condo Chief- Condo island

Onglagoo / Broken Silence
VÖ: 06.05.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Südsee oder Südstadt

Traumhafte Vorstellung: ein Häuschen auf einer pazifischen Insel, wo man mal richtig den Chef raushängen lassen kann. Paradiesische Sandstrände und Cocktails mit kleinen Sonnenschirmchen inklusive. Doch Fiji Condo Chief haben sich nicht etwa nach einem palmenumsäumten Südsee-Anwesen benannt, sondern nach dem für bizarre Portraits bekannten US-Maler George Condo, dessen Kunst es sogar aufs Cover von Kanye Wests "My beautiful dark twisted fantasy" geschafft hat. Trotzdem gibt es auf "Condo island" mehr als genug schwüle Stimmungen, exotische Soundlandschaften und vermutlich hochgeistige Getränke – dirigiert und serviert von der Deutsch-Venezolanerin Yvonne Cornelius, die unter dem Alias Niobe seit Anfang der 2000er von Köln aus visionär-beschwingte Electronica um die Welt schickt. Südsee statt Südstadt sozusagen.

Neben Cornelius mit von der Partie: Sänger Till Albrecht Jann, Computerjockeys-Elektroniker Wolfgang Hagedorn und Steffen Kahles von den Berliner Krautrockern Camera, die gerne mal Guerilla-Auftritte auf dem Klo spielen. Es mag nun ein Mythos sein, dass der Charleston von einer kinderreichen Familie mit nur einer Toilette erfunden wurde – dennoch setzen Fiji Condo Chief unter anderem bei diesem Gesellschaftstanz aus den Goldenen Zwanzigern an, bleiben jedoch nicht anno dazumal kleben und swingen sich in Hängekleidchen und Smoking durch die musikalischen Jahrzehnte. Jann gibt dabei abwechselnd den lüstern raunenden oder aber ermattet schmachtenden Dandy und erinnert nicht selten an Yellos Dieter Meier aus Zeiten, als dieser noch den "Pinball cha cha" tanzte oder die Gaga-Zeile "Putz karam sheoba kitsch daboum" ersann.

Jann hingegen verkündet im beschwipst daherwackelnden Karibik-Ska "Dr. John carried us to Heaven" charmante Sinnlosigkeiten wie "I'm gonna whoo / I'm gonna hey" – und ehrt nebenbei den Voodoo-Rock-Veteranen aus dem Songtitel. Neben Schatten von Twang-Gespenstern huschen auch versonnene Salon-Pianos, Hawaii-Gitarren und brodelndes Allerlei aus dem elektronischen Baukasten durch die Stücke, während Cornelius' Stimme den Hörer als Widerpart zur expressiven Vokalakrobatik des Frontmannes wie eine entrückte Sirene umgarnt. Bei der leicht geistesabwesenden Soul-Extravaganza "Everyday" mit Jann als selbstvergessen vor sich hin klimperndem Alleinunterhalter auf einem abgetakelten Kreuzfahrtschiff genauso wie in "Veil of mist" vor einem umnachtet bimmelnden Gamelan-Orchester.

Mehr Bewegung kommt in die Sache, wenn sich zu "The car" und "Save in tablets" plötzlich die gefühlt komplette Besetzung von "The great Gatsby" sonnenbebrillt auf einem spätsiebziger Suicide-Konzert herumdrückt: Elektronische Motorik-Rhythmen und ätzende Gitarren nehmen ein digitales Pianola in den Schwitzkasten und Jann mimt knödelnd den Crooner, bis "Condo drive" unsanfte Trap-Beats ins Spiel bringt und der bizarre Talking-Blues "Holy ghost" mit Kontrabass, William Shakespeare und einem Chor aus Geistern mauschelt. Noch etwas Handauflegen zum vergeistigten Lounge-Pop von "Turn around hours" und mit dem "Green monkey" kräftig auf die Bongos gehauen – auch wenn hier wenig zusammenpasst, erweist sich "Condo island" als formidabler Kurzurlaub. Der Rezensent ist jedenfalls begeistert. Wetter gut, Essen prima. Viele Grüße,

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Dr. John carried us to Heaven
  • The car
  • Save in tablets
  • Holy ghost

Tracklist

  1. Gold
  2. Dr. John carried us to Heaven
  3. Everyday
  4. The car
  5. Veil of mist
  6. Save in tablets
  7. Binoculars
  8. Condo drive
  9. Holy ghost
  10. Condo island
  11. Turn around hours
  12. Green monkey
  13. Blue night on the town

Gesamtspielzeit: 35:10 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-06-01 19:58:23 Uhr
Frisch rezensiert.

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