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Car Seat Headrest - Teens of denial

Car Seat Headrest- Teens of denial

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 20.05.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Auf die Zwölf

Bitte um Handzeichen:

Hat irgendjemand ein noch besseres Jahr als Will Toledo? Der semi-offizielle Car-Seat-Headrest-Fanclub im Plattentests.de-Forum bezweifelt es, und der traf sich neulich sogar zum gemeinsamen Lauschen in New York. Möglich, dass nicht mal Toledo selbst erwartet hätte, welchen Weg sein Leben noch nehmen würde. Da startete der Gute Car Seat Headrest einst als DIY-Projekt – die Vocals nahm er im Auto auf – und nach gut einem Dutzend Alben, die er in Eigenregie veröffentlichte, wurde schließlich das Label Matador auf ihn aufmerksam. Erschien 2015 mit "Teens of style" noch eine Songsammlung, steht mit "Teens of denial" nur wenige Monate später das erste richtige Studioalbum des 23-Jährigen in den Startlöchern. Schlag auf Schlag, wie bei den Boxern auf dem Cover.

Auf die Zwölf gibt es also bei Toledo. Im wahrsten Sinne: Zwölf neue Stücke präsentieren die mittlerweile zur Band herangewachsenen Car Seat Headrest – und wer so viel Rückenwind genießt, lässt sich von kleineren Hürden nicht entmutigen. Wegen Lizenz-Problemen bezüglich eines The-Cars-Samples mussten alle CDs und LPs zurückgerufen werden, was den physischen Release des Albums um kurze Zeit verschieben wird. Digital erscheint "Teens of denial" mit dem vom unerlaubten Sample befreiten Stück und rundherum leicht veränderten "Just what I needed / Not just what I needed" dennoch schon am 20. Mai. Die Tour lassen sich Car Seat Headrest eben nicht vermiesen. Ein Glück! Denn wer braucht schon The Cars, wenn es Car Seat Headrest gibt?

Ausruhen ist hier jedenfalls dennoch nicht drin. Wie gewohnt schrammeln sich Toledo und Co. durch Alltagsprobleme und Geschichten aus dem Leben. Die vier sind eben keine unnahbaren Rockstars oder Überhelden, sondern Jungs von nebenan. Dass sie dennoch auf die Bühne gehören, beweisen etwa Indie-Rock-Hymnen wie die grandiose, wenngleich leicht morbide Single "Drunk drivers / Killer whales" oder auch das launische "Cosmic hero", das in achteinhalb Minuten mal eben sowohl für den einen oder anderen Herzinfarkt sorgt und als auch die Wiederbelebungsmaßnahmen einleitet. Krachig wird auch in "1937 state park" mit der bildhaften Zeile "Death is playing his xylophone ribs for me", die nur eine von vielen Metaphern auf dem Album ist. Das ist mittlerweile ein Markenzeichen von Toledo, und ein wichtiges dazu. Mit dem Charakter Joe, der in zwei Titeln genannt wird, verschafft er sich zudem ein weiteres Alter Ego und baut mit ihm den Handlungsbogen von "Teens of denial" aus.

Denn das fast schon poppige "(Joe gets kicked out of school for using) Drugs with friends (but says this isn't a problem) und "Joe goes to school" als melancholischer Abschlusstrack sind nur zwei Beispiele für die zerplatzten Träume und Ängste, die Car Seat Headrest beschäftigen. Die Einsamkeit in der Menschenmenge – sogar unter den eigenen Freunden – sind wiederkehrende Themen. Der Junge im stürmischen "Destroyed by hippie powers" ist der typische zurückgezogene Schulnerd, der das Abenteuer im Kommunenwesen der Hippies sucht und dann, völlig erschlagen von den Erlebnissen, zurück in den Schoß seiner Mutter will. In der fast zwölfminütigen und mehrfach Umwege nehmenden Erzählung von "The ballad of the Costa Concordia" hingegen zollt Toledo Didos "White flag" Tribut, jedoch nicht ohne wehmütigen Unterton. Aus "I'm in love and always will be" wird "I have lost and always will be", aus Tag wird Nacht wird Tag wird Nacht. Und aus einem ganzen Herzen werden zwei Hälften. Doch auch wenn Car Seat Headrest ab und an in den Seilen hängen, verlassen sie den Ring stets erhobenen Hauptes – und bleiben immer Sieger. Des Jahres?

Des Lebens.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Destroyed by hippie powers
  • Drunk drivers / Killer whales
  • Cosmic hero
  • The ballad of the Costa Concordia

Tracklist

  1. Fill in the blank
  2. Vincent
  3. Destroyed by hippie powers
  4. (Joe gets kicked out of school for using) Drugs with friends (but says this isn't a problem)
  5. Just what I needed / Not just what I needed
  6. Drunk drivers / Killer whales
  7. 1937 state park
  8. Unforgiving girl (She's not an)
  9. Cosmic hero
  10. The ballad of the Costa Concordia
  11. Connect the dots (The saga of Frank Sinatra)
  12. Joe goes to school

Gesamtspielzeit: 70:30 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Eurodance Commando
2017-01-23 16:15:33 Uhr
Hey :-)

Die Alben sind auch recht lange. Klingt also schlüssig, was ihr sagt.

Vielen Dank für eure Infos :-)

Felix H

Postings: 925

Registriert seit 26.02.2016

2017-01-23 10:34:59 Uhr
Auf dem Festival waren es 8 Songs in ca. 50 Minuten. Also sollte ein normales Konzert so im Bereich 70-80 Minuten dann liegen.

The MACHINA of God

Postings: 7587

Registriert seit 07.06.2013

2017-01-23 10:27:14 Uhr
Hab sie nur auf dem Festival gesehen, von daher ist das wohl nciht repräsentativ. Ich weiss aber noch, dass ein paar Songs recht lange Versionen hatten. Das eh göttliche "Vincent" hatte in der Mitte zum Beispiel noch ein paar Minuten Radioheads "Paranoid android".
Eurodance commando
2017-01-21 12:32:59 Uhr
Hallo ihr Lieben,

kann mir jemand sagen, wie lange so Konzerte von der band so gehen ?

Bei setlist.fm stehen da überwiegend playlists mit 10-12 songs . Das wäre ja ein konzert von ca. 45 minuten.

Kann ich mir bei einem Künstler mit einem derartigen Output eigentlich gar nicht vorstellen ...
Hanno (unangemeldet)
2016-12-26 10:16:42 Uhr
Eben durch die Jahresliste von HearYa (wo sie auch Platz 2 belegen --> http://www.hearya.com/2016/12/15/2016-top-50-1-to-10/) wieder über "Destroyed by Hippie Powers" gestolpert und die besinnliche Ruhe des zweiten Weihnachtsfeiertages für gute fünf Minuten etwas unterbrochen ...
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