Goo Goo Dolls - Boxes

Goo Goo Dolls- Boxes

Warner
VÖ: 06.05.2016

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Nicht im Ernst

Musikparodien sind schon oft herrlich. Endlich wird all den ach so ernsten und tiefsinnigen Künstlern mal die Lächerlichkeit ihres Tuns aufgezeigt. "Weird Al" Yankovic, Spinal Tap oder Tenacious D sind da nur die bekanntesten Namen. Nicht immer jedoch trafen diese ins Schwarze. Aber nun ist eine Band aufgetaucht, die sich in diesem Feld ebenfalls behaupten will: John Rzezniks Goo Goo Dolls. Diese haben früher ganz brauchbaren bis sehr guten College-Rock gemacht, "Iris" hat man sicher noch als angenehmen Schmachtfetzen im Ohr. Aber das Korsett wurde bald zu eng, die Ideen gingen aus. Für das mittlerweile elfte Album "Boxes" werden stattdessen erfolgreich ein paar Koryphäen kräftig durch den Kakao gezogen – mit Lachgarantie.

Allein das pathetische Cover ist zum Schießen! Düsterer Himmel ist zu sehen, aber in einer vergammelten Pappbox soll dann offenbar die Sonne warten. Wenn das mal keine Metapher ist. Rzeznik selbst hat sich einen astreinen Botox-Look zugelegt und wirft damit auf ironische Art dem ollen Axl Rose den Fehdehandschuh hin. Damit aber nicht genug: Der Opener "Over and over" bringt schon mal auf großartige Weise einen Drumfill im Stil von The Killers oder The Flippers direkt vom Pre-Chorus unter, bevor der Refrain dann mit einem freudig-erregten mehrstimmigen "Turn it up!" die Mitklatsch-Party eröffnet. Den Spiegel, den Alexander Marcus dem Schlager vorhielt, haben Goo Goo Dolls für die Stadionrock-Fraktion dabei. Herrlich!

Auf keinen Fall fehlen dürfen selbstverständlich pathosgetränkte Balladen-Versuche, die der Leuchtfunktion am Handy ihre Berechtigung geben. Der Titeltrack klaut sich eine dicke Portion Schmalz aus alten Lederresten, um danach – cleverer Twist – mit billiger Beatmaschine die Verseifung in jüngeren Rockalben aufs Korn zu nehmen. Noch besser macht es "Free of me", das den Stil von jüngeren Coldplay oder Bon Jovi einfach mal mit Wolfgang Petry kreuzt. Ergebnis: So weit sind sie gar nicht voneinander weg. Four to the floor, Singalong-Refrain (gefühlte 30 Mal wiederholt) und laaaanggezogene Vokale im Outro, dass Shawn das Schaf schon neidisch werden müsste – Trademarks der Originale werden geschnappt und überzeichnet. Ist die Autotune-Verarsche im Zwischenteil von "Reverse" schon erwähnt worden?

Zu guter Letzt ist keine Parodie ohne die passenden Texte wirklich wirksam. Und da greifen Goo Goo Dolls erfreulich tief in die Klischeekiste. "Open up your eyes and you'll never lose yourself again", "You're the flood that opened my heart", "Feeling like a hero, but I can't fly" – schmieriger kann man die Oberflächlichkeit vieler Rocker kaum auf den Punkt bringen. Einziger Nachteil ist, dass die elf Songs am Stück kaum auszuhalten sind, so viel Mitklatsch-Rhythmen, Pathos-Geknödel und Unsinns-Texte haben die Recken auf Buffalo in ihre "Boxes" reingepackt. Aber warum sollte die Parodie leichter zu ertragen sein als die harte Realität? Wie – Ihr glaubt, das Album sei gar nicht spaßig gemeint? Ach kommt. Seid doch nicht so naiv.

(Felix Heinecker)

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Highlights

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Tracklist

  1. Over and over
  2. Souls in the machine
  3. Flood (feat. Sydney Sierota)
  4. The pin
  5. Boxes
  6. Free of me
  7. Reverse
  8. Lucky one
  9. So alive
  10. Prayer in my pocket
  11. Long way home

Gesamtspielzeit: 42:05 min.

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User Beitrag
Aber
2016-05-25 16:34:49 Uhr
Klingt für mich wie Revolverheld in englisch.

Alleine das würde ja schon die 0/10 rechtfertigen.

Felix H

Postings: 3043

Registriert seit 26.02.2016

2016-05-25 10:19:02 Uhr
Gibt schlimmeres.

Deshalb ja 2/10. ;-)
Cinori
2016-05-23 20:42:19 Uhr
Finde die Bewertung auch ein bisschen niedrig. Gibt schlimmeres. 4/10 wäre angemessen. Klingt für mich wie Revolverheld in englisch. Das schlimmste am Album sind diese pop-beat-Stücke.
Babo
2016-05-20 14:23:48 Uhr
Ärgerliches Album.
Der Wolle Petry-Verweis ist natürlich trotzdem Quatsch
Alex
2016-05-20 04:45:49 Uhr
Auch auf die Gefahr hin, hier als Fanboy oder Labelfuzzi zu wirken: Ich finde das Album inzwischen okay.

Die Produktion ist richtig schlimmer Festzeltschmand mit Katy Perry-Drumsounds, aber selbst die schafft es nicht, zu verhindern, dass immer wieder die Songs selbst durchblitzen können. Gerade der Titeltrack ist richtig gut und schön geraten - wohl auch, da hier kaum perkussive Elemente vorhanden sind.

Die Sache mit der Produktion war beim Vorgänger auch schon so - die superkäsige Fiepnummer Rebel Beat findet sich auf Youtube als akustische Nummer, die ahnen lässt, warum Rzenik mal mit Paul Westerberg zusammen schreiben wollte. Und auch von So Alive vom aktuellen Album gibt es erheblich weniger kirmesartige Livefassungen. Macht das den Song zum Hit? Nun, Slide löst er nicht ab - ist aber als Stadionsong auf einmal absolut logisch und spaßig.

Warum man allerdings nicht wenig Geld in Studioproduktionen investiert, die dann den Songs eher schaden als nutzen muss ich nicht verstehen.

Prayer in my Pocket, Flood und Lucky One sind aber wirklich nicht gut. Der Rest ist aber tatsächlich in sich sehr beständig und lässt die meisten Songs vom Vorgänger (Happiest of Days und Keep The Car Running waren super, der Rest stellenweise richtig ungut) hinter sich.

Ändert nichts daran, dass mir ein zweites Superstar Car Wash lieber gewesen wäre. Ansonsten hoffe ich auf Livefassungen der besten Songs des Albums (Titeltrack, The Pin, Free Of Me, Souls In The Machine).
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