Bob Dylan - Fallen angels

Bob Dylan- Fallen angels

Sony
VÖ: 20.05.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Lang lebe der König

Drei Kreuze für Bob Dylans Vitalität. In diesem Horrorjahr 2016 muss man ja mit allem rechnen, vor allen Dingen was das Ableben musikalischer Legenden angeht. Böse Zungen behaupten ja, der Barde hätte schon lange nicht mehr alle Murmeln in der Bahn, was aber die rein physische Existenz angeht, kann man getrost hoffen: Der Mann machts noch 'ne Weile. Statt sich dem Ruhestand zu widmen, tourt er jedenfalls noch immer rund um den Globus. Und mit seinen stattlichen 75 Jahren veröffentlicht Godfather of Singer-Songwriting nun sein 37. Studioalbum.

Nach seiner Frank-Sinatra-Ode "Shadows in the night" von 2015 beschäftigt sich auch "Fallen angels" mit Fremdwerk. Zwölf amerikanische Klassiker, unter anderem aus der Feder von Johnny Mercer, Harold Arlen, Sammy Cahn oder auch Carolyn Leigh, wählte Dylan höchstpersönlich für die eigene Interpretation. Dass elf der Stücke – bis auf "Skylark", lustiger Weise der swingigste Song der Platte – einst auch von Ol' Blue Eyes aufgenommen wurden, ist natürlich kein Zufall. Die beiden Vorabtracks "Melancholy blood" und "All the way" kündigten dabei an, was "Fallen angels" zu bieten hat: Straighten Americana-/Folk-Sound mit der Fidel im Anschlag und der Slide-Gitarre stets griffbereit.

Und so mausert sich das Album auch ohne amerikanischen Kultur-Background zur melancholisch-romantischen Steppen-Visite. Wo Sinatra jedem Song ein Stück Großstadt einhauchte, zieht Dylan den Track aufs Land. Dabei klingt er zwar bisweilen wie ein pensionierter Jan Delay auf Stroh-Rum, aber die nasale Stimmlage stört auf Albumlänge so gar nicht. Stattdessen fügt sie sich mit ihrer ganzen Heiserkeit wunderbar ins musikalische Geschehen. Immer dann, wenn Dylan seine Leidenschaft in die Vocals legt, und er – wie in "Polka dots and moonbeams" – ganz und gar abzurutschen droht, fühlt man sich dem Künstler am nächsten. Weiterhin herausragend: der Opener "Young at heart", eine windschiefe Liebeserklärung an das Leben, die Dylans Ausdruck den Vortritt lässt und die Musik stark zurücknimmt. Der Name ist dabei freilich Programm. Aufreibend wird es einmal in "That old black magic", das mit seinem Zweivierteltakt ordentlich das Tempo anzieht, und mit ein bisschen mehr Hi- statt Lo-Fi sicher zur Tanznummer taugte.

Hat Dylan seinen Zenit nicht längst überschritten? Nachdem er anfing elektronisch zu musizieren? Nach dem Motorradunfall? Nach der Christen-Phase? Nach dem Weihnachtsalbum? Nein! Diese Diskussion ist wohl die nervigste, seit es Musikdebatten gibt. Denn zur Legende des Robert Zimmermann gehört all das. Jeder Schritt, den der Sänger auch heute noch vollzieht, ist Teil des Mythos Dylan. Erwartungen zu erfüllen gehörte jedenfalls noch nie dazu. Zumindest hat er diese nicht gänzlich auf den Kopf gestellt, sondern "Shadows in the night" einen würdigen, musikalisch zwar nicht immer sonderlich innovativen, aber grundliebenswerten Nachfolger hinterhergeschoben. In diesem Sinne: Lang lebe der König, lang lebe His Bobness!

(Pascal Bremmer)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Young at heart
  • Polka dots and moonbeams
  • Skylark

Tracklist

  1. Young at heart
  2. Maybe you'll be there
  3. Polka dots and moonbeams
  4. All the way
  5. Skylark
  6. Nevertheless
  7. All or nothing at all
  8. On a little street in Singapore
  9. It had to be you
  10. Melancholy mood
  11. That old black magic
  12. Come rain or come shine

Gesamtspielzeit: 37:57 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Bobbo
2016-07-26 20:37:20 Uhr
Gerade diesen Song gefunden, Klasse Bob!!
https://www.youtube.com/watch?v=b1NBnjzVnoQ

Mr Oh so

Postings: 1143

Registriert seit 13.06.2013

2016-05-19 00:13:02 Uhr
Bob Dylan singt Sinatra? Seit Volker Kauder die Hosen geschmettert hat, überrascht mich nix mehr ...

Pascal

Postings: 327

Registriert seit 13.02.2013

2016-05-18 22:58:00 Uhr
Halbe Falschmeldung. Es sind keine Sinatra Songs, aber 11 von 12 wurden auch von ihm interpretiert.

Armin

Postings: 10576

Registriert seit 08.01.2012

2016-05-18 21:52:24 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?
retro
2016-04-10 21:00:17 Uhr
könnte schon gut werden. woher kam eigentlich die falschmeldung, dass es wieder ein sinatra-album wird?
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Threads im Plattentests.de-Forum