Kyle Craft - Dolls of Highland

Kyle Craft- Dolls of Highland

Sub Pop / Cargo
VÖ: 29.04.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Reise zum Mittelpunkt der Bühne

Hier beginnt alles mit dem Ende: "Four to the floor / A stain on my jeans / 300 miles between me and Orleans", singt Kyle Craft in "Three candles", dem Abschlusstrack seines Debüts "Dolls of Highland". Wie eine Mischung aus Bruce Springsteen und Bob Dylan klingt er hier, wenn er vor seinem Herzschmerz zu fliehen versucht, raus aus New Orleans, zurück in seine Heimatstadt Shreveport, deren Nachbarschaft Highlands er mit seinem Albumtitel Tribut zollt. Dort wuchs der junge Mann auf, in einer stinknormalen Familie, die mit Musik nichts am Hut hatte. Bands kamen auch nicht vorbei. Als Craft schließlich eines Tages beim Einkaufen zum ersten Mal mit einer David-Bowie-Platte in Berührung kam, wusste er, dass er raus musste aus Shreveport. In die Welt. Auf die Bühne.

Es verschlug ihn nach Portland in Oregon. Das war zumindest weit genug, um seinen Liebeskummer mit der nötigen Distanz zu verarbeiten, nicht nur räumlich, sondern vor allem emotional. "Dolls of Highland", das auf Sub Pop erscheint, ist im Grunde ein Trennungsalbum, Trübsal dürfen trotzdem andere blasen. Die zwölf Songs irgendwo zwischen Americana, Psychedelic-Pop und Glam-Rock werden vom 27-Jährigen mit markanter Stimme vorgetragen, wie er es von seinen Helden Bowie und Dylan gelernt hat: Jede Silbe wird genau betont, teilweise in die Länge gezogen, gejault oder geschrien. Wenn er im astreinen Opener "Eye of a hurricane" der strengen Südstaaten-Kirche den Rücken kehrt und sich der Versuchung in Form einer jungen Frau hinzugeben droht, offenbart er den Soul in seiner Stimme – während die gleichnamige Burlesque-Tänzerin im aufgeplusterten Art-Rock von "Berlin" ihm mal eben ihren ganzen Körper offenbart.

Craft sagt, er sei früher ein Außenseiter gewesen. Heute ist er genau dort, wo er hingehört und findet zumindest gedanklich doch immer wieder zurück. Der "Be my baby"-Rhythmus der Ronettes und das Akkordeon-Solo in "Lady of the ark" können jedenfalls nicht hinwegtäuschen über eine gewisse Melancholie ob der alten Highschool-Tage in Louisiana, und wenn im mit eineinhalb Minuten Spielzeit recht knackigen Titeltrack am Bar-Piano die Zeilen "We used to dance / We used to do it all night / You and me and the dolls of Highland / They cranked that radio loud" vor sich hinnölt, schimmert da fast so etwas wie Heimweh durch. Bewusst hochdramatisch mit Rockoper-Ansätzen wird es jedoch im versteckten Highlight "Trinidad beach (Before I ride)", in welchem Craft die Beatles auferstehen lässt – ein heikles Unterfangen, das ihm auf charmante Art gelingt. Gleich in mehrfacher Hinsicht verknüpft "Dolls of Highland" das Alte mit dem Neuen und ist aus genau diesem Grund eines der spannenderen Debüts. Nicht schlecht für einen Außenseiter.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Eye of a hurricane
  • Lady of the ark
  • Trinidad beach (Before I ride)
  • Three candles

Tracklist

  1. Eye of a hurricane
  2. Balmorhea
  3. Berlin
  4. Lady of the ark
  5. Gloom girl
  6. Trinidad beach (Before I ride)
  7. Future midcity massacre
  8. Black Mary
  9. Pentecost
  10. Dolls of Highland
  11. Jane beat the reaper
  12. Three candles

Gesamtspielzeit: 44:31 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-05-18 21:52:08 Uhr
Frisch rezensiert.

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