Saosin - Along the shadow

Saosin- Along the shadow

Epitaph / Indigo
VÖ: 20.05.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Grüner wird's nicht

Die kalifornische Rock-Band Saosin kämpft seit ihrer Gründung mit zwei grundlegenden Problemen. Zum einen der Name: Während dieser auf dem Papier ja fast schon Wohlgeformtheit ausstrahlt, scheitern viele jedoch an der Aussprache. Dieses Mysterium indes konnte der für viele Jahre ausgestiegene, aber jetzt wieder aktive Sänger Anthony Green mittlerweile aufklären. Ihm nach lautet die korrekte Intonation "Say-ocean" – in Anlehnung an ein aus dem 15. Jahrhundert stammendes chinesisches Sprichwort "xiao xin", das die Zwangsheirat des jüngsten männlichen Familienmitgliedes aus finanziellen Gründen ausdrückt.

Der Namensgeber selbst bildet gleichzeitig auch die zweite, weitaus fundamentalere Baustelle: Nachdem er als Gründungsmitglied 2004 noch die EP "Translating the name" eingebrüllt hatte, die der Band auch direkt den Durchbruch in der emotionalen Rockszene bescherte, stieg er kurz danach aus und gründete Circa Survive. Cove Reber übernahm seinen Platz für zwei Alben, doch 2010 war auch für Reber Schluss – wenn auch eher unfreiwillig. Immer wieder wurde ihm vorgeworfen, gerade live den stimmlichen Ähnlichkeiten und Qualitäten von Green nicht Standhalten zu können. "Wir haben nicht das Gefühl, dass er die Musik gut repräsentieren könnte, die wir aufgenommen haben", hieß es von Justin Shekoski, Gitarrist und selbst seit dem letzten Jahr nicht mehr Teil von Saosin. Einen unschöneren Verbal-Tritt in den Allerwertesten kann es wohl kaum von einem (ehemaligen) Bandmitglied geben.Nach einigen Jahren nahezu absoluter Funkstille hieß es dann 2014: Anthony Green is back! Einige Live-Auftritte später folgt nun also "Along the shadow" – Saosins drittes Album, doch das erste mit Green.

Der Eröffnungssong "The silver string" gehört unmittelbar mit zu dem besten, was Saosin bisher überhaupt produziert haben: schnörkellos, mitreißend, hymnisch. Auch "Ideology is theft" hält anschließend das Niveau auf einem hohen Level. Doch offenbart sich hier gleichzeitig die einzige, aber gewichtige Kritik, die insbesondere Green an den Kopf geworfen kann: der vermeintlich emotionale Gesang in Form des Schreiens. Wie es richtig funktioniert, verdeutlicht Green seit fünf Alben erfolgreich mit Circa Survive. Bei Saosin wirkt dieses Stilmittel leider an vielen Stellen komplett gekünstelt, mit aller Macht herausgepresst und verfehlt damit seinen eigentlichen Effekt: Emotionen beim Hörer auszulösen. Zudem zerstört Greens Grunzen zu oft den Hörfluss, und auch seine Mickey-Mouse-Gedächtnisstimme, die bereits seit jeher die Gemüter spaltet, bleibt im Jahre 2016 einer der kontroversesten Punkte bei Saosin überhaupt. Dennoch beeindruckt es, wenn Green in stimmliche Höhen vordringt, die bei dieser Band bisher komplett unbekannt waren – ohne dabei so zu klingen, als ob er gerade seine Kronjuwelen verloren hätte.

Ohne den leider schwerwiegenden stimmlichen Makel würde die Einschätzung zusammenfassend lauten: Saosin melden sich mit einem eindrucksvollen und ungezügelten Album zurück. "Count back from ten" beispielsweise schafft es, alle Versatzstücke richtig einzusetzen und somit perfekt zu verkörpern, zu was Saosin in der Lage sind: Mit jeder Pore leidenschaftlich klingen, ohne sich dabei zu sehr anzubiedern. Auch nach all den Jahren ist die Musik nach wie vor dem bösen Wort mit "E" zuzuordnen – selbst wenn wohl mittlerweile der Anteil überwiegt, der mit diesem kaum besser klingenden "Alternative Rock"-Etikett versehen wird. Doch wenn Anthony Green beim (hoffentlich) nächsten Album seinem Frust etwas dezenter Luft macht, bekommen die Songs selbst mehr Platz zum Atmen. Bis dahin hoffen wir, dass Green mehr Zeit am Ozean verbringt, denn die Meeresluft ist ja bekanntlich angenehm und beruhigend.

(Christian Laude)

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Highlights

  • The silver string
  • Ideology is theft
  • Count back from ten

Tracklist

  1. The silver string
  2. Ideology is theft
  3. Racing toward a red light
  4. Second guesses
  5. Count back from ten
  6. The stutter says a lot
  7. Sore distress
  8. The secret meaning of freedom
  9. Old friends
  10. Illusion & control
  11. Control and the urge to play

Gesamtspielzeit: 39:50 min.

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Affengitarre

Postings: 4415

Registriert seit 23.07.2014

2016-06-13 18:41:05 Uhr
Die sind echt sehr gut. Auch toll sind Sounds of Animals Fighting, vor allem deren erstes und drittes Album, wobei man das auch nicht Anthony Green alleine zurechnen sollte.

Oceantoolhead

Postings: 954

Registriert seit 22.09.2014

2016-06-13 18:27:51 Uhr
jo genau die

Affengitarre

Postings: 4415

Registriert seit 23.07.2014

2016-06-12 14:18:42 Uhr
Welche Band meinst du denn? Circa Survive?

Oceantoolhead

Postings: 954

Registriert seit 22.09.2014

2016-06-12 13:53:21 Uhr
Die EP-war mir immer zu käsig amerikanisch- mochte ich überhaupt nicht. In dieses Album hab ich nur reingehört weil Anthony Green mitlerweile Sänger einer meiner absoluten Lieblingsbands ist - und was soll ich sagen : die Scheibe ist absolut top. Am Gesang stör ich mich keine Sekunde. Schade, dass sie die beiden Bonustracks nicht regulär aufs Album gepackt haben, die gehören für mich unbedingt dazu.
Herr K.
2016-06-11 20:15:00 Uhr
Das Album wird mit mehreren Hördurchgängen in jedem Fall besser, das umfasst m.M.n. auch den Gesang. Die Rohheit und Emotion der EP mit Green kann leider aber auch dieses Album nicht 100%ig einfangen, dafür ist es zu "gut" produziert. Insgesamt aber aus meiner Sicht besser als zunächst befürchtet. 7/10
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