Kevin Morby - Singing saw

Kevin Morby- Singing saw

Dead Oceans / Cargo
VÖ: 15.04.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ballad of a thick man

"Ein neuer Bob Dylan – wieder mal?", fragt Stern.de. Es ist der Albtraum eines jedes Rezensenten, einen solch ausgelutschten Vergleich anbringen zu müssen. Aber nun ja, das passt durchaus. Nicht nur, weil Kevin Morby die Endsilben in die Länge zieht wie His Bobness als er noch eine Stimme hatte und weil er bisweilen sogar aussieht wie ein junger Dylan – mit Wayfarer und Wuschelkopf – sondern auch, weil es so seltsam entrückt und aus der Zeit genommen erscheint, was dieser 28-jährige Texaner da auf seinem dritten Soloalbum "Singing saw" auspackt.

Obwohl, so richtig vom "Auspacken" kann man gar nicht sprechen, denn Extroversion ist sicher nicht das Ding des pausbäckigen Singer-Songwriters. Wobei: Mit "I have been to the mountain" findet sich auf "Singing saw" ein Anwärter auf den Song des Jahres. Mit klarer Rhythmusgitarre, blubbernder Bassline, rasselnder Percussion, erhellendem Damenchor, auffordernden Trompeten und feinem, würzig-kurzem E-Gitarrensolo erzählt der Amerikaner von seiner persönlichen Berg- und Talfahrt. Der Song wird nie laut, aber tritt jederzeit vollmundig gesättigt auf. Das Titelstück bildet dabei das genaue Gegenteil: Mit seinen Lo-Fi-Elementen und insgesamt recht wenig Regung im (Klang-)Körper, außer einer kurzzeitig auftauchenden, verzerrten Slidegitarre, bleibt der Song so bedrückend, dass einem der Kloß im Halse stecken bleibt. Wenn am Ende noch ein hallender, doch ruhiger Kinderchor ins Geschehen eingreift, ist die Düsternis vollends herunterformuliert. Ein bisschen Sufjan Stevens steckt da drin, um noch eine andere Größe zu referenzieren.

"Dorothy" indes hat ein bisschen zu viel Beirut gehört: Als wäre es nichts, lässt Morby die Gypsy-Band aufspielen, ohne dabei seiner folk-rockigen Linie untreu zu werden. "Destroyer" hingegen ist in seiner Langsamkeit kaum zu unterbieten. Das Schlagzeug erklingt leicht versetzt zum Takt, Morby aber macht keinerlei Anstalten das Ruder herumzureißen. Als im Hintergrund aber die Fideln aufziehen, bemerkt man, wie viel Romantik im Stück vergraben liegt. Mit "Water", dem letzten Track des Albums, setzt Morby noch einmal einen Punkt hinter den zuallererst angeführten Vergleich: Das Stück hätte problemlos auch auf einem "Blonde on blonde" stattfinden können. Am besten hinter "Just like a woman", welches eine ähnliche Stimmung transportiert, und vor "Most likely you go your way (and I'll go mine)", das die Endgeschwindigkeit des Songs weiterführt. Trotzdem bringt Morby eine eigene Note ins Geschehen, wie es beispielsweise ein Jake Bugg nie und nimmer zu tun im Stande wäre. Something is happening here, and you sure know what it is. Don't you, Mister Morby?

(Pascal Bremmer)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • I have been to the mountain
  • Singing saw
  • Water

Tracklist

  1. Cut me down
  2. I have been to the mountain
  3. Singing saw
  4. Drunk and on a star
  5. Dorothy
  6. Ferris wheel
  7. Destroyer
  8. Black flowers
  9. Water

Gesamtspielzeit: 43:37 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Citykidde allgrownup
2016-11-14 11:34:05 Uhr
gestern live in berlin, und obwohl ich eigentlich nicht so richtig bock hatte, meiner freundin zuliebe hin

super entscheidung: live hat er die stücke etwas flotter und mit mehr blues/rock einfluss interpretiert, so kam trotz samstag abend und arschkälte sehr schnell gute stimmung auf.

n sehr sypathischer typ außerdem.

und zum schluss als bonus mit dem opening act Meg Baird (die ich solo nicht so geil fand)

Passing Through von leonard Cohen interpretiert, war echt schön.

saihttam

Postings: 1435

Registriert seit 15.06.2013

2016-08-19 16:26:07 Uhr
Sehr schönes Album! Und der Kerl ist einfach ne coole Socke. Hab ihn am Montag wieder live gesehen und es hat ne Menge Spaß gemacht. Es war auf jeden Fall eine gute Idee bei den Woods auszusteigen und seine eigenen Sachen zu machen.

dreckskerl

Postings: 1007

Registriert seit 09.12.2014

2016-05-14 16:50:48 Uhr
https://www.youtube.com/watch?v=R-kmmwu14ws

Highlight vom Vorgängeralbum "Still life"

dreckskerl

Postings: 1007

Registriert seit 09.12.2014

2016-05-14 16:48:05 Uhr
sehr, sehr starkes Album.
Bin beeindruckt.

Loketrourak

Postings: 1061

Registriert seit 26.06.2013

2016-05-14 12:47:36 Uhr
Ich muss zurückrudern, das Album an sich ist toll, das Vinyl auf der A-Seite allerdings unter aller Sau gepresst. Mal gucken ob ich das reklamiert kriege.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify