Annett Louisan - Berlin, Kapstadt, Prag

Annett Louisan- Berlin, Kapstadt, Prag

Columbia / Sony
VÖ: 13.05.2016

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Dilemma der Annett L.

Bei Annett Louisan läuft es. Sie besitzt eine einzigartige Stimme, die sie variabel einzusetzen weiß. Ihre Tourneen sind ausverkauft. Und im Fernsehen geht sie erfolgreich fremd – nur gesanglich, natürlich. Dies aber so erfolgreich, dass nun mit "Berlin, Kapstadt, Prag" ein Coveralbum erscheint. Die Songauswahl macht schon beim ersten Blick stutzig: Steht da wirklich "Durch den Monsun" in einer Liste mit "Das Modell" und "Engel"? Und ist das da am Ende ein Bowie-Cover? Ob nun Mut oder Kalkül bei der Liedauswahl Pate stand, sei dahingestellt. Entscheidend ist, was beim Hörer ankommt.

Und das ist zunächst einmal sensationell. Dank eines dichten Klangteppichs, der Erinnerungen an Goldfrapp zu "Felt mountain"-Zeiten weckt, macht sich Louisan Rammsteins größten Hit zu eigen. Ihr Gesang wirkt kühl und distanziert, während die Musik wattige Wärme verbreitet. Dass das alles so nahtlos ineinandergreift, weckt Hoffnungen. Hoffnungen, die im Verlaufe des Albums sprichwörtlich baden gehen. Nein, "Durch den Monsun" wird auch nicht in einem vernebelten Klavierballaden-Arrangement zum guten Song.

Daher stellt Louisan auch die Gretchenfrage: "Wie soll ein Mensch das ertragen?" Touché. Das Philipp-Poisel-Stück mottenkugelt auch im Chansongewand gewaltig. Und Nichtigkeiten wie "Stark" und "Solang' man Träume noch leben kann" hätten gleich im Schrank bleiben sollen. Es spricht Bände, dass jene Covers die gelungensten sind, in denen die Sängerin ihre Komfortzone hinter sich lässt. "Das Modell" dient hier als Paradebeispiel: Lässig und nonchalant wird der Kraftwerk-Evergreen nach Südamerika verfrachtet, ohne dass etwas dabei zu Bruch geht.

Unterstützt wird diese These durch "OMG!", das nicht nur der Auslöser für das Coverprojekt war, sondern auch stilvoll umarrangiert wurde. Das Ende von "Berlin, Kapstadt, Prag" gerät ebenfalls versöhnlich: Das um ein schlingerndes Piano errichtete "Merci Chérie" fängt elegant die Melancholie des Originals ein, ohne seifig zu sein. Auch stimmlich gibt es eine Überraschung: Die Frau kann ja kräftig austeilen! Warum sie es so selten tut, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Anerkennung verdient Louisan schließlich für die respektvolle Neueinspielung von "Heroes", die die Aufbruchstimmung des Originals durch Resignation ersetzt.

"Bologna" offenbart indessen das fundamentale Dilemma der Annett L. am eindrücklichsten: Einerseits lädt ihre Version des Wanda-Gassenhauers zum Schunkeln und Mitwippen ein. Andererseits führt sie den Song eher vor als auf. Was zu Zeiten von "Das Spiel" vielleicht noch kokett wirkte, erscheint nun abgeschmackt und pappig. Zurück bleibt ein Gefühl zwischen Ärger und Frust. Ein weiser Mann sagte dereinst: "Mögen hätte ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut." Womit er unwissentlich das künstlerische Schaffen Annett Louisans auf den Punkt brachte.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Engel
  • Merci Chérie
  • Helden

Tracklist

  1. Engel
  2. Das Modell
  3. OMG!
  4. Bologna
  5. Wie soll ein Mensch das ertragen
  6. Stark
  7. Durch den Monsun
  8. Solang' man Träume noch leben kann
  9. Merci Chérie
  10. Helden

Gesamtspielzeit: 41:17 min.

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Picard2

Postings: 47

Registriert seit 12.05.2016

2016-05-18 16:55:01 Uhr
Ich finde den instrumentellen Teil von Engel gar nicht mal soo schlecht, aber ihre Stimme geht weiterhin einfach gar nicht.
Dieses quietschige, hohe Stimmchen wie von einer 10 jährigen ist einfach grausam!
aba
2016-05-18 15:41:03 Uhr
H O T
Uliver
2016-05-18 15:11:18 Uhr
Finde sie auch mit diesem Album unanhörbar.
die da
2016-05-17 23:27:24 Uhr
war die nicht heute abend auf vox?
Mic
2016-05-17 22:41:27 Uhr
Ein paar Songs finde ich irgendwie cool. :-)
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