KMPFSPRT - Intervention

KMPFSPRT- Intervention

People Like You / Sony
VÖ: 29.04.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Luft rein

Mal wieder genervt vom ständigen Tun und Lassen, das der Alltagstrott in schöner Regelmäßigkeit auftischt? Angepisst von den Konventionen, die die Gesellschaft so vorgibt? Die man mitmachen sollte, um nicht blöd von der Seite angeschaut zu werden? Genau für diese Anfänge der Verweigerung gibt es Hymnen, die bestärken. Zum Frustverdauen. Zum Luftablassen. Der Mittelfinger, den einst etwa Tocotronic inmitten ihrer Rundum-"Kapitulation" mit dem Stück "Sag alles ab" zeigten, wird in miefigen Indie-Kaschemmen künftig vom Titelstück des zweiten KMPFSPRT-Albums in die Luft gereckt: "Steck den Scheiß doch endlich in Brand / Genieß den Ausblick und wärm dich daran / Wo kein Teller, da auch kein Rand / Mach was Neues und schließ dich uns an!"

Natürlich weisen die lauten Jungs aus dem Rheinland weder den lyrischen Anspruch der heutigen noch das verschrobene Epigonentum der alten Tocotronic auf, aber das wollen sie auch gar nicht. Bequem machen mögen es sich KMPFSPRT dennoch nicht. Ein bisschen was hat sich aber schon getan, seit ihr Debütalbum "Jugend mutiert" die Deutschpunkrock-Szene dieser Republik um ein kritisch Zünglein und kratzende Kehlen bereicherte. Ein neues Label gibt es. Und neue Töne tatsächlich auch. Das Quartett geht mit seinen rauhen Post-Punk-Wurzeln einerseits immer noch wild zu Werke. Das erwähnte Titelstück, der Pegida-Dumpfbacken-Diss "Antithese" oder die rotzige Auskopplung "Ich hör' die Single nicht", die wenig originell, aber musikalisch mitreißend mit Marketing-Gepflogenheiten der deutschen Musikindustrie abrechnet, gehen mit dem Inventar im Proberaum wenig zimperlich um.

Auch kleine Magenhaken wie "Löschen.Zurückspulen" oder "2014 24/7" zeigen, wie simpel melodischer Punkrock sein darf, ohne zu langweilen. Darüber hinaus scheint beim Schreiben der neuen Songs auch eine gewisse Lockerheit eingekehrt zu sein. Mit Ausnahme von "Mit Anlauf" und des Abschlussstücks "Pamphlet", dessen Titel mehr Tiefe verspricht als einlöst, findet sich kaum noch Post-Punk im Sound der Kölner. Im Gegenteil. Hochgradig poppige Rocksongs wie das melodisch treibende "Lichter" könnten einigen Krawallfreunden gar sauer aufstoßen. Respektabel und unterm Strich sicherlich auch mutig ist "Wir bleiben wach", das mit Frauenstimme in Refrain und Background quasi als Halbballade daherkommt und trotzdem gefällt. Es braucht ja schließlich nicht immer den Mittelfinger. Und wenn KMPFSPRT das Niveau ihrer besten Songs dann bald auch mal auf Albumlänge halten, muss Plattentests.de sich der 7/10 auch nicht mehr verweigern.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Intervention
  • Ich hör' die Single nicht
  • Wir bleiben wach
  • Löschen.Zurückspulen

Tracklist

  1. Soundtrack zum Aufprall
  2. Intervention
  3. Ich hör' die Single nicht
  4. Lichter
  5. Antithese
  6. Wir bleiben wach
  7. 2014 24/7
  8. Löschen.Zurückspulen
  9. Samstagabendtodeskampf
  10. Mit Anlauf
  11. Pamphlet

Gesamtspielzeit: 35:09 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Meinungen?
2016-05-12 02:53:35 Uhr
Ja, gutes Album. Der beiden sehr ordentlichen Bonustracks heben die Limited Edition dann auch auf die 7/10.

Armin

Postings: 13371

Registriert seit 08.01.2012

2016-05-11 22:19:11 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Autotomate

Postings: 896

Registriert seit 25.10.2014

2016-05-02 17:58:35 Uhr
Das Album ist sicherlich ganz schön - extrem eingängig und punkrockig-hymnenhaft halt. Captain Planet oder Grand Griffon gehen für mich in 'ne ganz andere Richtung.

eric

Postings: 1909

Registriert seit 14.06.2013

2016-05-02 12:49:07 Uhr
Rezension hierzu kommt noch. Etwas Stau gerade...;)

MartinS

Postings: 496

Registriert seit 31.10.2013

2016-04-30 16:15:36 Uhr
Finde den Vergleich mit Captain Planet insofern angebracht, als dass KMPFSPRT eine der typischen Bands sind, die im Schatten von Captain Planet und Bands ähnlicher Klasse (ich denke da z.B. an die leider aufgelösten Grand Griffon, aber auch an Turbostaat, Freiburg und so) spielen und das aufzuheben versuchen, was von erwähnten Bands ab und an liegen bleibt.
Am Schluss kommen dabei ganz nette Alben rum, die man allerdings nach recht kurzer Zeit wieder vergessen hat.
KMPFSPRT reihen sich da mit "Intervention" ganz schön ein und stören neben Fjort, Marathonmann, Heisskalt, Blackout Problems, Matula und so weiter nicht sonderlich (im Vergleich zu manchen der eben erwähnten^^).
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