Digitalism - Mirage

Magnetism / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 13.05.2016
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10

Theft Punk
Auf keinen Fall soll es so weit kommen, dass hier eine ostdeutsche A-capella-Gruppe zitiert werden muss. Aber es ist festzuhalten: Digitalism sind mit ihrem dritten Album "Mirage" an einem Punkt angekommen, wo sie kaum noch als selbstständige Band wahrnehmbar sind. Im Grunde genommen würde es reichen, Daft Punk als einzige Referenz unter dieser Rezension aufzuführen, denn abgesehen von ein paar eigenen Vocal-Einlagen ist so gut wie alles hier von den Franzosen abgekupfert – deutlich mehr noch als beim flippigen Debüt "Idealism" und dem kompakten, aber leicht enttäuschenden "I love you, dude". Der Trademark-Sound von "Homework" wird hier so oft in die Tracks eingewoben, dass der Eindruck entsteht, man hätte die alten Beats einfach gesampelt. Nicht zuletzt bilden die beiden Hamburger ebenfalls mit ein paar cheesy Achtziger-Synthie-Stücken die stilistische 180-Grad-Wendung von Daft Punks "Random access memories" ab. Funktioniert zumindest bei "Indigo skies" aber so fantastisch, dass das Ohr noch Tage später verklebt ist. Ein fulminanter Track – und nicht der einzige dieser Klasse. Gut geklaut ist eben schon halb gewonnen.
Ins Rennen geht die Platte mit ein paar clubtauglichen Bangern, von denen "Battlecry" die wohl dreisteste Daft-Punk-Kopie darstellt. Hier werden tatsächlich die "Whooo"-Schreie aus "Crescendolls" auffällig recycelt, bevor gegen Ende noch "Oh yeah" auf einen Drink hereinschneit. Das macht allerdings "Go time" im Anschluss mehr als wett und platziert sich als veritabler Nachfolger zu den Hits "Pogo" und "2 hearts", mit der klaren Aufforderung "Let's get Friday out of the way" und treibenden Beats, bei denen die Sektkorken von ganz alleine aus der Flasche knallen. Den nächsten Indie-Schlager-Hit haben sich Jens Moelle und Ismail Tüfekçi jedenfalls schon mal gesichert. Doch Digitalism schwebt mehr vor, als nur reines Party-Party-Partyyy-Machen. "Mirage" breitet sich auf einer gigantomanischen Spielzeit von über 76 Minuten aus, wirbelt sich durch lange Tracks und präsentiert das zweiteilige Titelstück als anvisierten zentralen Monolith, der jedoch sich etwas im eigenen Gedudel verliert und hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Besser macht es die Phase davor. "Destination breakdown" ist das erste Auftauchen des erhöhten Käsigkeitsfaktors mit tuckernden Synthies und waberndem Outro, womit das Duo diese stattlichen sieben Minuten aber tatsächlich locker und unterhaltsam wuppt. "Power station" macht dagegen Party like it's 1997 und den Weg frei für "Open waters", dessen Hook so auf den Punkt und eingängig ist, dass der Track zum Instant-Highlight wird. Was auch für "Dynamo" gilt: Stur und reduziert wird zunächst der schnörkellose Beat bearbeitet, bevor das Crescendo kommt, die Tanzwütigen bedient und im Stroboskop wieder alle Hände nach oben gereckt sind. Sicher wurde diese Masche schon unzählige Male vorgeführt, aber entscheidend ist, dass sie funktioniert. Ein Song, den man ideal man als finale Explosion eines Livegigs verwenden könnte. Doch was machen Digitalism anschließend? Sie patzen leider.
Selten hätte ein Album so gut daran getan, vorzeitig aufzuhören. Das folgende "The ism" ist der Tiefpunkt, ein wirrer Mix aus furchtbarem HipHop-Interlude, lahmender Hook und verzettelten Breaks. "Shangri-La" versucht noch einmal, den Cheese-Pop von "Indigo skies" aufzuwärmen, erzielt jedoch deutlich weniger begeisternde Ergebnisse. Erst nach den Nicht-mal-"Homework"-B-Seiten "No cash" und "Blink" ist die Platte dann final durch. Der Abstand zu den erklärten Vorbildern bleibt deshalb auch weiterhin bestehen und Digitalism tun sich zusehends schwerer, mit eigener Kraft aus deren Schatten herauszutreten. Da "Mirage" aber über die meiste Zeit ein ziemlich großer Spaß ist, verzeiht man den beiden Elstern zumindest dieses Mal die Klauerei.
Highlights
- Go time
- Open waters
- Indigo skies
- Dynamo
Tracklist
- Arena
- Battlecry
- Go time
- Utopia
- Destination breakdown
- Power station
- Open waters
- Mirage (Part one)
- Mirage (Part two)
- Indigo skies
- Dynamo
- The ism
- Shangri-La
- No cash
- Blink
Gesamtspielzeit: 76:21 min.
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 28503 Registriert seit 08.01.2012 |
2016-05-11 22:18:25 Uhr
Frisch rezensiert.Meinungen? |
eric Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion Postings: 2883 Registriert seit 14.06.2013 |
2016-04-08 12:48:11 Uhr
"2 hearts" und "Circles" von der letzten mag ich immer mal wieder gern. Auf Albumlänge ist die Truppe aber sowieso eher verzichtbar. |
Demon Cleaner User und Moderator Postings: 5646 Registriert seit 15.05.2013 |
2016-04-08 10:13:51 Uhr
Drittes Album der Hamburger erscheint am 13.5.Wer einen Proxy zur Hand hat, kann hier 4 Songs hören. Scheint etwas besser zu werden als das enttäuschende 2. Album. |
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Referenzen
Daft Punk; Justice; Midnight Juggernauts; Cut Copy; Mr. Oizo; Jence; Boys Noize; Erol Alkan; Modeselektor; Guns N' Bombs; Nightmoves; Phones; Passions; Punks Jump Up; Thieves Like Us; Hadouken!; Soulwax; The Presets; Riot In Belgium; SebastiAn; Simian Mobile Disco; MSTRKRFT; Tiga; The Teenagers; Ascii.Disko; Para One; Surkin; Thomas Bangalter; Alex Gopher; Adam Sky; Shiny Toy Guns; Van She; Filthy Dukes; Fox N' Wolf; Dragonette; The Whip; Black Strobe; Christopher & Raphael Just; Freeform Five; Étienne De Crécy; Vitalic; Kavinsky; Tame Impala; To My Boy; Azzido Da Bass; CSS; Fischerspooner; Shitdisco; Klaxons; Moderat; Miss Kittin; The Hacker; Ladytron; Op:I Bastards; Moonbootica; Playgroup; Zombie Nation; The Chemical Brothers; The Uncut; T.Raumschmiere; Deichkind; Egoexpress; Add N To (X); Felix Da Housecat; Alter Ego; New Order; Phoenix; Bratze; Does It Offend You, Yeah?; Peaches; Underworld; Depeche Mode; Kraftwerk
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