Cheap Trick - Bang zoom crazy ... hello

Cheap Trick- Bang zoom crazy ... hello

Big Machine / Universal
VÖ: 01.04.2016

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Alles schön bekloppt hier

Wer hätte in den 70ern, beim Schunkeln zum Power-Pop von "I want you to want me", damit gerechnet, dass dieser Band rund 40 Jahre später diese große Ehre zuteil wird: Denn just wurden Cheap Trick in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Selbst die Urheber nannten den Song stupide. Was nichts zu heißen hat. Weiter schleppen sie ihre sechzigjährigen Knochen zwei- bis dreimal wöchentlich auf irgendwelche Bühnen. Weiter füllen sie mit vier Akkorden die Hallen der Welt. Rick Nielsen, dessen Gitarrenspiel hauptverantwortlich dafür ist, dass die Band nie vollends in die Lächerlichkeitsfalle getappt ist, meinte mal trocken, die Band sei einfach zu bescheuert, um aufzuhören. Das ist etwas zynisch, aber auch erfrischend locker. Ihr 17. Album klingt nach beidem, bescheuert und befreit: "Bang zoom crazy ... hello".

Dabei war das Vorhaben dieser "Rocker aus Rockford" stets aller Ehren wert. Sie amerikanisierten die britische Rockmusik und ebneten den Weg für Bands, ob Punker wie Weezer und Green Day oder auch Thrash-Metaller wie Anthrax. "When I wake up tomorrow" versimpelt Beatles-Harmonien, wenn Zander mal wieder mehr will als einen schnöden One-Night-Stand. Auch im Alter wechselt er vom sehnsuchtsvollen Flehen in schnelle und laute Stücke wie "Heart on the line" oder "Roll me". Was seine Stimme nicht mehr stemmt, stützt Nielsens Gitarre. Man mag das stupide nennen, dabei ist es schlicht und einfach Spaß, wie ihn auch Sweet oder Slade bereiten. Leider kippt dieser mit "Blood red lips". Bei zu viel Augenzwinkern und Doppeldeutigkeit klingt die Musik zwar alt, was nicht schlimm ist, die Band gibt sich allerdings älter, unvereinbar mit diesem spitzbübischen Geblödel. Das jugendhafte Spielen von Cheap Trick wirkt geradezu närrisch. Die Phrasendrescherei gipfelt in "I want to be your man / do it like no other can". "Long time no see ya" und "The sun never sets" führen das in härterer Gangart fort.

An Dobie Garys "The in crowd" haben sich schon andere verbissen: The Mamas & The Papas ließen es in einem E-Orgelschwall verschwinden, Bryan Ferry coverte es unterkühlt hymnisch. Doch gerade an diesem so alten Song ist Cheap Tricks Finesse zu bestaunen, wenn sie aus den R&B-Klassiker in einen stampfenden Rocker umkleiden. Ist das Grund genug für "Bang zoom crazy ... hello"? Ja und Nein. Es gibt genügend Best-Ofs, obendrein mit "Budokan!" ein großartiges Live-Album. Aber Cheap Trick hatten zuletzt gute Monate. Sie wollen sie nicht enden lassen. Sie wollen weiterhin gewollt werden.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • When I wake up tomorrow
  • The in crowd

Tracklist

  1. Heart on the line
  2. No direction home
  3. When I wake up tomorrow
  4. Do you believe me?
  5. Blood red lips
  6. Sing my blues away
  7. Roll me
  8. The in crowd
  9. Long time no see ya
  10. The sun never sets
  11. All strung out

Gesamtspielzeit: 39:34 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 15449

Registriert seit 08.01.2012

2016-05-03 18:26:39 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 15449

Registriert seit 08.01.2012

2016-03-14 16:57:40 Uhr
Cheap Trick sind zurück! Die grandiose, zeitlose, glorreiche Power-Rock ´n´ Pop-Band trumpft 2016 gleich dreifach auf. - Robin Zander und Co. ziehen im April in die altehrwürdige „Rock and Roll Hall of Fame“ ein, gemeinsam mit Deep Purple, Steve Miller und Chicago. Parallel unterschrieb das Quartett einen neuen Vertrag beim Big Machine-Label aus Nashville – der Heimat von Taylor Swift, Steven Tyler und The Cadillac Three. Am 1. April wird ihr neues Studio-Album "Bang Zoom Crazy... Hello" erscheinen wird. Es ist das erste Album von Cheap Trick seit "The Latest", das 2009 in die Top-40 der US-amerikanischen Rockcharts einzog.

"Bang Zoom Crazy... Hello" – die Comicsprache des Albumtitels erklärt den Inhalt. Hier kommt ein rockiger Rundumschlag, der direkt an ihren klassischen Sound anknüpft, Vintage-Cheap-Trick sozusagen. Um ihre Aufnahme in die 2016er-Klasse der „Rock and Roll Hall of Fame“ zu feiern, stellten sie im Dezember die Vorabsingle "No Direction Home" ins Netz, einen typischen, direkt erkennbaren Cheap-Trick-Titel á la "Surrender" (1978), komplett mit Propeller-Drums unter den abhebenden Riffs des Gitarristen Rick Nielsen, plus Robin Zanders treibender Stimme in einem Stadion-tauglichen, hymnischen Refrain.

"Bang Zoom Crazy... Hello" zieht alle ihre kennzeichnenden Register zwischen Power- Pop, Hard Rock und prächtigen Balladen. Auch der Bowie-eske Midtemposong "When I Wake Up Tomorrow" vom neuen Album, das glamrockige "Blood Red Lips", das klassisch hardrockige "Roll Me" und das stark an The Who in den 1970ern erinnernde "The Sun Never Sets" nehmen uns mit auf die Reise ins originale Cheap-Trick-Universum, circa Mitte der 1970er Jahre.

"Wir machen, was wir mögen", sagten sie kürzlich dem Magazin The Aquarian. "Also wurde das hier nicht wie Spinal Tap, wo plötzlich Free-Jazz kommt." Cheap Trick, das seien drei Songschreiber in der Band und vier tolle Akkorde, betonte Robin Zander dem Ultimate-Classic-Rock-Magazin gegenüber. "Deswegen ist diese Platte so vielschichtig."

Der Produzent ihres in Los Angeles und Nashville aufgenommenen 17. Albums ist Julian Raymond, der 2016 für einen Dokumentarfilm über Glen Campbell ("I´ll Be Me") mit einem Grammy geehrt worden ist. Was verbindet Cheap Trick und die Country-Ikone Glen Campbell („Rhinestone Cowboy“) sonst noch miteinander? Sie haben Legendenstatus, sind "amerikanische Institutionen" (die japanische Presse nannte Cheap Trick nach dem legendären Konzert im Tokioter Budokan tatsächlich "die amerikanischen Beatles"). Künstler wie Gene Simmons, Sweet und Joey Ramone flirteten mit Cheap Trick in den 1970ern. In den 1980ern waren sie die Helden von Mötley Crüe, Anthrax und Guns ‘N Roses. Sie inspirierten Kurt Cobain und die Smashing Pumpkins in den 1990ern. Die Vier aus Rockford, Illinois stehen auf Platz 25 der „100 Greatest Artists of Hard Rock“-Liste von VH1. International haben sie rund 20 Millionen Alben verkauft, und ihre Musik lief in über 20 Kinofilmen. Heute gibt die Band, die 1974 in den Punkclubs der US-amerikanischen Ostküste debütierte, immer noch im Wochentakt Konzerte, über 5000 Shows haben sie gespielt, ab Juli sind sie in den USA mit Joan Jett & The Blackhearts auf Tournee.

Sie machen einfach immer weiter, sagt der Bassist Tom Petersson. So wie damals, als Bands jedes halbe Jahr ein neues Album veröffentlichten. Dass es nun doch über fünf Jahre mit neuer Musik gedauert hat, liege daran, dass sie konstant auf Tour waren. "Wenn wir mal zwei, drei Wochen frei haben, ist das ganz merkwürdig", so der drahtige 65-Jährige, den der Rock´n´Roll jung hält.

"Bang Zoom Crazy... Hello" – Cheap Trick steigen ganz lässig wieder ein, kurbeln die Scheiben runter, drehen die Lautstärke auf, treten aufs Gaspedal und starten in einen neuen Frühling.
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