Colin Stetson - Sorrow – A reimagining of Gorecki's 3rd symphony

Colin Stetson- Sorrow – A reimagining of Gorecki's 3rd symphony

52Hz / Indigo
VÖ: 08.04.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Ein Trauerspiel

"Jeder von uns kennt doch diese Momente, wenn ein Musikstück uns wirklich ergreift und etwas in uns verändert – und genau das hat diese Komposition mit mir gemacht." Das Stück, von dem Colin Stetson hier spricht, ist die Sinfonie Nr. 3 des polnischen Komponisten Henryk Górecki aus dem Jahr 1977, die auch unter dem Namen "Sinfonie der Klagelieder" bekannt ist und 1993 in der Einspielung von Dirigent David Zinman und der London Sinfionetta zu einem weltweiten Erfolg wurde. Unzählige Male habe er das Werk gehört, sagt Stetson: "Weil ich wirklich jedes noch so kleine Detail in mir aufsaugen und die Komposition durch und durch verstehen wollte. Und das führte schließlich dazu, dass ich den Drang verspürte, es auch selbst einmal zu spielen."

Die Sinfonie besteht aus drei Sätzen, die allesamt langsam gehalten sind. Der erste Satz ist ein Klagelied Marias, die um ihren gekreuzigten Sohn trauert. Der Text des zweiten Satzes ist ein Gebet, das an der Wand einer Zelle des ehemaligen Gestapo-Hauptquartiers in Zakopane gefunden wurde. Aus der Zeit der polnischen Aufstände im 19. Jahrhundert stammt der Text des dritten Satzes, in dem eine Mutter um ihren toten Sohn klagt. Schwere Kost also, mit der sich der Wahl-Kanadier Stetson und seine Mitmusiker auseinandersetzen. Zu denen gehört neben Stetsons Ehefrau Sarah Neufeld, mit der er 2015 das gemeinsame Album "Never were the way she was" veröffentlichte, der Schlagzeuger Greg Fox (Liturgy) und Rebecca Foon (Esmerine) am Cello. Und gut, wenn man so viel Talent in der Familie hat: Der Gesang kommt von Stetsons Schwester Megan, einer Mezzo-Sopranistin.

Der 39-jährige Saxofonist, der bereits mit Arcade Fire, Bon Iver, TV On The Radio, Feist und Animal Collective zusammen spielte, blieb bei der Einspielung den Noten treu, hat aber die Sinfonie nicht einfach nachgespielt, sondern erweitert, insbesondere um den Part des Schlagzeugs. Im Zentrum aber stehen die Holzblasinstrumente, um die sich Synthesizer, E-Gitarren, Geigen, Celli und Drums gruppieren. Die Instrumentierung klingt auf dem Papier nach einem bombastischen Werk, doch einen Großteil der Sätze bestreiten alleine die Bläser, die eine Spannung aufbauen, die sich später im Zusammenspiel mit den anderen Instrumenten dramatisch entlädt. Stetson spricht selbstbewusst von einer vollständigen Interpretation von Góreckis Werk, gefiltert durch seine Sichtweise, Ästhetik und Erfahrung. Man möchte ergänzen: keine revolutionäre Interpretation, eine hörenswerte aber in jedem Fall!

(Johannes Mihram)

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Highlights

  • I
  • II

Tracklist

  1. I
  2. II
  3. III

Gesamtspielzeit: 52:27 min.

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