Matt Elliott - The calm before

Matt Elliott- The calm before

Ici D'Ailleurs / Cargo
VÖ: 08.04.2016

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nach der Verwüstung

"Here comes a storm", deklariert Matt Elliott. Es sind die ersten Worte, die auf "The calm before" stattfinden, seinem siebtem Studioalbum unter eigenem Namen. Der Brite, auch bekannt als The Third Eye Foundation, spricht diese vier Worte mit einer fast schon unheimlichen Art von Sanftmut aus. Tröstend. Handreichend. Als wüsste er, was der kommende Sturm mit sich bringt – und am Ende auch wieder nehmen wird. Möglich, dass er den eigentlichen Opener des Albums, treffenderweise "A beginning" getauft, als reines Instrumentalstück präsentiert. Denn was in den nächsten fast 43 Minuten passiert, fordert viel Kraft und vor allem Stehvermögen.

Noch nie war der Mann für seine euphorischen Ausbrüche bekannt, und gerade die letzten Werke, etwa das 2007 veröffentlichte "Failing songs" oder das beinahe lähmend-finstere "The broken man" von 2012, manifestierten seinen Ruf des ewigen Trauerkloßes. "The calm before" geht noch einen Schritt weiter in die Dunkelheit und nähert sich abermals dem Abgrund der tiefsten menschlichen Ängste: Gerade mal sechs Songs in etwas weniger als einer Dreiviertelstunde – der Opener ist nicht ganz eineinhalb Minuten lang – Menschen mit schwachem Gemüt sollten von diesem Album besser Abstand nehmen.

"Here comes a storm" also, die ersten Zeilen des Albums und zugleich die ersten des zumindest anfänglich vollkommen reduzierten Titeltracks, der sich an zweiter Stelle in der Tracklist platziert und dem Hörer mit seiner guten Viertelstunde Spielzeit einen ziemlich langen Atem abverlangt. Zumal es in seiner Ambivalenz zum Nachdenken anregt und nicht gerade leicht verdaulich ist: "Just as everything was falling into place / Here's a storm / Don't we need it?", fragt Elliott und stellt die Notwendigkeit eines Miteinanders von Ruhe und Chaos in den Raum. Was auch die nächste Frage aufkommen lässt: Handelt "The calm before" wirklich vom Moment vor dem Sturm oder ist genau dieser womöglich längst verzogen?

Dass Elliott mit hängendem Kopf durch die Trümmer seiner Existenz stapft und sich die Verwüstung anschaut, scheint hinsichtlich eines ebenso untergründig miesgelaunten wie oberflächlich trotzigen "I only wanted to give you everything" gar nicht so unrealistisch. Mit den Worten "But you don't love me", die man in jeder Sprache der Welt versteht, entlässt er seinen Frust ins Freie, bis sich in anschließend Gesang und Melodie in einem unbequemen Getöse verirren. Umso sinniger wirkt dann auch das Höhlengleichnis von Plato, das Elliott am Ende im vergleichsweise sanften "The allegory of the cave" aufgreift: Vielleicht ist so ein Sturm als umgekehrter Reinigungsprozess gar nicht verkehrt – und eine Mischung von Illusion und Realität an der einen oder anderen Stelle sogar angebracht. Und befindet sich der Mensch ohnehin nicht ständig in einem Zustand, der sich sowohl vor der nächsten als auch nach der letzten Verwüstung befindet? Eben: "Here comes a storm", immer und immer wieder.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • The calm before
  • The allegory of the cave

Tracklist

  1. A beginning
  2. The calm before
  3. The feast of St. Stephen
  4. I only wanted to give you everything
  5. Wings & crown
  6. The allegory of the cave

Gesamtspielzeit: 42:48 min.

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Mayakhedive

Postings: 792

Registriert seit 16.08.2017

2018-01-28 15:13:46 Uhr
Ja, definitiv keine Musik für jeden Anlass.

Der Mann jedenfalls versteht sein Handwerk
und ich werde sicherlich auch mal seine elektronischen Ausflüge als Third Eye Foundation testen.

Gomes21

Postings: 2905

Registriert seit 20.06.2013

2018-01-28 14:04:38 Uhr
Ja absolut. Dabei ist er ein fantastischer musiker, aber halt auch sehr speziell

Mayakhedive

Postings: 792

Registriert seit 16.08.2017

2018-01-28 13:28:31 Uhr
Dieser entfernte Piano-Nieselregen in “The Calm before“...
Matt Elliott kann wirklich mit wenig Einsatz große Intensität erzeugen.
Erstaunlich, dass er hier im Forum scheinbar kaum stattfindet.

Gomes21

Postings: 2905

Registriert seit 20.06.2013

2016-04-26 23:34:33 Uhr
Fantastisches Album, ich bin ziemlich begeistert. Mal wieder. Fantastisch und tief deprimierend....

Armin

Postings: 15449

Registriert seit 08.01.2012

2016-04-26 23:23:51 Uhr
Frisch rezensiert.

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