Long Distance Calling - Trips

Long Distance Calling- Trips

InsideOut / Sony
VÖ: 29.04.2016

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Post-Humanismus

Männer reagieren höchst unterschiedlich, um mit dem Fortschreiten des Alters umzugehen. Einige erfüllen sich ewig zurückgehaltene Jugendträume: ein schnelles Motorrad oder einen Angelschein. Alles nur, um der voranschreitenden Zeit irgendwie die nagenden Zähne auszuschlagen. Dagegen ist im Grunde auch überhaupt nichts einzuwenden. Andere geben sich bei ihrer Midlife-Crisis jedoch höchst dubiosen Persönlichkeits-Wandlungen hin. Attribut: abtrennbare Reißverschluss-Hosen. Dinge, von denen jedermann weiß, dass sie niemals für mehr gesellschaftliche Anerkennung sorgen werden. Irgendwo zwischen diesen beiden Human-Typologien befinden sich Long Distance Calling mit ihrem aktuellen Album "Trip".

Klar, ein Intro muss her. Und was für eines: "Getaway" spielt mit 80er-Wave-Elementen wie flirrenden Synth-Arpeggios, breiten Gitarren-Powerchords und sogar einem Vocoder, bei dem Daft Punk anerkennend mit den Roboter-Helmen nicken würden. Ein bisschen klingt der Opener wie der Soundtrack zu einer alten TV-Serie mit schnauzbärtigen Cops und fiesen Gangstern in den Hauptrollen. Nach diesem Vorspiel kommt "Reconnect", wahrscheinlich der stärkste von den insgesamt neun Tracks. Long Distance Calling setzen Gesang traditionellerweise recht spärlich ein, hier stehen jedoch die Vocals des norwegischen Neuzugangs Petter Carlsen (u.a. Anathema) im Rampenlicht, der für "Trips" zu den Münsteranern gestoßen ist.

Erst die siebte Nummer "Momentum" versucht, an das grandiose Intro anzuknüpfen. Die freigewordenen Energie entlädt sich im Chorus jedoch in ein Speed-Metal-Riff, das hier nach den unzähligen epischen Passagen irgendwie fehlplatziert wirkt. Darin manifestiert sich auch das generelle Problem von "Trips": Viele der ausgewählten Puzzleteile wollen nicht so recht zusammenpassen, dann werden die Formen verzerrt und die Kanten geglättet. Heraus aus der verkopften Postrock-Nische, so lautet das Motto, hin zum Allrounder für die breite Masse. Beim Kratzen an der polierten Hochglanz-Oberfläche kommt jedoch glücklicherweise an vielen Stellen die altbekannte Prog-Patina zum Vorschein.

Den Schlussstrich zieht das zwölfminütige "Flux", das eine Werkschau der im Verlauf des Album präsentierten Musikstile von Synthpop bis zu Power-Metal darstellt. Am Ende begleiten Klavierklänge gesprochene Lyrics, die den philosophischen Zusammenhang zwischen dem Universum und dem menschlichen Körper erklären. Ist das nun also dieser Post-Humanismus?

(Felix Mildner)

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Highlights

  • Reconnect
  • Momentum

Tracklist

  1. Getaway
  2. Reconnect
  3. Rewind
  4. Trauma
  5. Lines
  6. Presence
  7. Momentum
  8. Plans
  9. Flux

Gesamtspielzeit: 48:53 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 11749

Registriert seit 07.06.2013

2016-04-29 13:38:13 Uhr
Bäh, warum singt da die ganze Zeit jemand?

The MACHINA of God

Postings: 11749

Registriert seit 07.06.2013

2016-04-29 13:29:12 Uhr
Puh, was für ne komische Rezension.

The MACHINA of God

Postings: 11749

Registriert seit 07.06.2013

2016-04-29 11:55:35 Uhr
So, mal reinhören.

badpit

Postings: 119

Registriert seit 20.07.2013

2016-04-29 11:06:22 Uhr
an das Album von Kokomo 'Monochrome Noise Love' kommt die neue von Long Distance Calling aber nicht heran.

badpit

Postings: 119

Registriert seit 20.07.2013

2016-04-29 11:03:13 Uhr
schade, dass Pink Floyd nicht in den Referenzen auftaucht.
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