Brian Eno - The ship

Brian Eno- The ship

Warp / Rough Trade
VÖ: 29.04.2016

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Ödzean

Bei einem Album, das "The ship" heißt, springen einem die Kalauer nur so entgegen. Vor allem, wenn das Album von Brian Eno stammt. Stille Wasser, ruhiger Seegang, die große Flaute – die Liste ist potenziell endlos. In der Augelutschtheit dieser Sprachspielereien schlummert auch die bittere Erkenntnis, die am Ende von "The ship" auf den Hörer wartet. Denn das, was Eno auf seinem 26. Soloalbum fabriziert, hat man nicht nur bereits in zig Variationen gehört, es ist darüber hinaus sterbenslangweilig.

Natürlich sind die wellengleich dahinschwappenden Klangflächen in dem über zwanzigminütigen Titeltrack äußerst filigran gewoben, denn der Mann versteht sein Handwerk. Obertöne kommen und gehen, Sprachsamples lugen zwischen synthetischem Fiepen und flirrenden Streicherpassagen hervor. Ungefähr zur Hälfte beginnt ein vocoderisierter Eno ein Wiegenlied zu raunen. Schönklang bis zum Wachkoma ist das. "Wave after wave after wave...", flüstert der Brite schließlich, während die Musik langsam ins Nichts entschwindet. Wer jetzt noch nicht eingeschlafen ist, sollte über eine Karriere als Nachtwächter nachdenken.

Dabei zeigt Eno im weiteren Verlauf, dass er durchaus noch für Überraschungen gut ist. Das mit 18 Minuten ebenfalls überlange "Fickle sun (i): Fickle sun" plustert sich zunächst zu orchestraler Größe auf, was Hoffnungen auf einen reinigenden Sturm weckt. Doch nichts dergleichen passiert. Genauer gesagt, passiert überhaupt nichts. Wieder wabern die Wogen wonnig dahin, wieder macht sich Schlaftrunkenheit breit. Weshalb der Maestro solo nicht in der Lage zu sein scheint, über den eigenen Schatten zu springen, wird auf ewig sein Geheimnis bleiben.

Nicht einmal die auf dem Papier spannende Coverversion des Velvet-Underground-Klassikers "I'm set free" vermag am desolaten Gesamteindruck etwas zu ändern. Zwar ist auch diese wunderhübsch, der Kahlkopf übertreibt in Sachen Geigenkitsch allerdings maßlos. Brian Eno ist ohne jeden Zweifel ein verdienter Komponist und Produzent, seine Kollaboration mit Karl Hyde hat auch gezeigt, dass er durchaus noch einige Asse im Ärmel hat. Ohne zusätzlichen Input bleibt der Musiker allerdings so berechenbar wie die maximale Nutzlast einer Nordseefähre.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

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Tracklist

  1. The ship
  2. Fickle sun (i): Fickle sun
  3. Fickle sun (ii): The hour is thin
  4. Fickle sun (iii): I'm set free

Gesamtspielzeit: 47:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Musiklehrer
2016-05-09 17:35:31 Uhr
Da finde ich den Namen The MACHINA of God schon diskussionswürdige, ist aber wohl voll ironisch und supercool gemeint.

Das bezieht sich auf einen Albumtitel von den Smashing Pumpkins. Setzen, Sechs.

The MACHINA of God

Postings: 13594

Registriert seit 07.06.2013

2016-05-09 00:59:22 Uhr
Ähm. Du hast schon kapiert, dass ich dwm zitierten auch widersprach, oder? Aber gut, wenn der Name wichiger ist...

Sharon112

Postings: 1

Registriert seit 08.05.2016

2016-05-08 19:31:01 Uhr
Na ja, eine abstrakte Beschreibung ist ja wohl per se nicht eine künstlerische Bankrotterklärung.

Da finde ich den Namen The MACHINA of God schon diskussionswürdige, ist aber wohl voll ironisch und supercool gemeint.

Und, ähem, es ging nicht darum, sich neue Songs einfallen zu lassen, sondern Elemente von Ambient und Song ganz neu zu verbinden - und damit ist ihm etwas Herausragendes gelungen.

The MACHINA of God

Postings: 13594

Registriert seit 07.06.2013

2016-05-08 16:12:01 Uhr
Wenn ich schon lese "Ursprünglich aus Experimenten mit dreidimensionalen Aufnahmetechniken entstanden, und als zwei einzelne, jedoch miteinander verbundene Teile konstruiert, ist 'The Ship' gleichermaßen eine musikalische Neuheit, wie ein traditionelles Album" weiß ich, dem Mann sind dieses Mal schlicht keine Songs eingefallen.

Eno war aber schon immer mehr Soundkünstler als Songwriter.
Sharon113
2016-05-08 15:32:09 Uhr
Der Rezensent tritt zwar als Spassvogel in Erscheinung, aber die Besprechung überzeugt mich gar nicht.

1) Ich gebe THE SHIP 10/10 Punkte, und es wird für mich wohl, neben David Bowie, eines DER Alben des Jahres sein.

2) Die Musik ist ungeheuer spannend, vielschichtig und enthält eine noch nie so dagewesene Mixtur aus Song undAmbient Music.

3) Jedes Hören erlaubt neue Entdeckungen.

4) Schon andere grossartige Alben wurden zu Beginn kontrovers aufgenommen, polemisch abgehandelt, und sind später zu Klassikern avanciert, man denke nur an späte Werke von Scott Walker oder Talk Talk ("Laughing Stock")

5) Zum Glück gibt es von omh über pitchfork, thequietus, manafonistas bis hin zu uncut exzellente Kritiken, slebst Spiegel-online vergab 9.1 Punkte (was mich überraschte).

6) THE SHIP ist m.E. ein Top 8-Album in der Karriere des Engländers, und das will was heissen.
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