Emmy The Great - Second love

Emmy The Great- Second love

Bella Union / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 11.03.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Fahrstuhlbeats

Minimalismus ist nicht gleich eine Einschränkung. Manchmal kann er geradezu befreiende Wirkung haben oder neue Möglichkeiten eröffnen. Auf ihrem dritten Studioalbum "Second love" nimmt Emmy The Great diese Möglichkeiten wahr und setzt in erster Linie auf sich wiederholende Strukturen. Zugegeben: Was beim Vorgänger "Virtue" noch eine kesse Verspieltheit mit sich zog, geht dadurch irgendwie verloren. Aber ihren Charme hat die 32-Jährige Britin zum Glück immer noch. Gleich zu Anfang bekommt sie am "Swimming pool" Gesellschaft von Wild-Beasts-Bassist Tom Fleming. Neben den dumpfen Beats ist es sein Bariton, die dem sonst unaufgeregten Opener eine bittersüße Melancholie verleiht.

"Less than three" wird von einer ähnlichen rhythmischen Lässigkeit angeführt. "Take it slow like a heartbeat", singt Emmy The Great in Dauerschleife, bis man ihr schließlich das Mikro abdreht. Mit Leichtigkeit schafft sie durch repititive Töne Fahrstuhlmusik, ohne dabei einzuschläfern. Akustische Instrumente werden dafür nur spärlich eingesetzt, so etwa im träumerischen "Algorithm", dem potenziellen Radio-Geheimtipp "Never go home" oder im unauffälligen "Shadowlawns". Die Grenze verläuft dann bei "Hyperlink": "Love, love, love / love is the answer", verkündet die immer mal wieder dünner werdende Stimme und fügt später ein "Oh, but I'm a comfortable liar" hinzu. Emmy The Greats Geschichten über teure Drinks und Vulkane sind vielleicht nicht aus dem Leben gegriffen, aber auch nicht aus den immergleichen Worten über Beziehungen und Liebeskummer zusammengesetzt.

Romantik muss deswegen aber nicht ausbleiben. Zum Ausklang gibt es mit "Lost in you" nämlich den nicht nur musikalisch zartesten Song. "You look like a North star / Oh, somehow lead me to the next place", fleht Emmy The Great in deutlich höherer Stimmlage als gewohnt und spielt ein letztes Mal mit galaktischen Synthie-Klängen herum, die aber genau so schnell wieder verstummen, wie sie sich aufgebaut haben. Und obwohl es bei den leicht zugänglichen Beat-Schichten nicht besonders viel Aufregung gab, hinterlässt der Sound von "Second love" einen nachhaltigen Eindruck.

(Lena Zschirpe)

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Highlights

  • Algorithm
  • Hyperlink
  • Lost in you

Tracklist

  1. Swimming pool (feat. Tom Fleming)
  2. Less than three
  3. Algorithm
  4. Hyperlink
  5. Constantly
  6. Social halo
  7. Never go home
  8. Dance w me
  9. Phoenixes
  10. Shadowlawns
  11. Part of me
  12. Lost in you

Gesamtspielzeit: 42:45 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-04-20 22:24:57 Uhr
Frisch rezensiert.

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