Troy von Balthazar - Knights of something

Troy von Balthazar- Knights of something

Siluh / Cargo
VÖ: 01.04.2016

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Entrüstung

Es ist irgendwie eine merkwürdige Geschichte mit dem neuen Album von Troy von Balthazar. Der Sänger mit den hawaiianischen Wurzeln, der nicht nur Frontmann der Indie-Rock-Combo Chokebore ist, sondern seit der Jahrtausendwende auch als Solokünstler durch die Lande tourt, ist eigentlich ein Guter. Der macht auch quasi nie wirklich etwas falsch, sondern gilt eigentlich sogar eher als Anlaufstelle: Zielsicher und skandalfrei trifft der Singer-Songwriter mit seiner Mischung aus Folk und Indie-Pop in die Herzen seiner Hörerschaft. Und gerade dieser von Balthazar macht ausgerechnet im Jahr 2016 einen entscheidenden Fehler.

Denn selten hatte genau dieser Gute weniger zu sagen: Auf seinem vierten Album "Knights of something" ist der Name leider Programm. Something, irgendwas, wurstegal – das wirkt hinsichtlich des Wahljahres in seiner US-amerikanischen Heimat quasi wie ein Faustschlag. Klar, von Balthazar konnte sicher nicht ahnen, dass der orangene Witz der Welt bald erschreckende Realität werden konnte. Die generelle Unzufriedenheit in weiten Teilen des Landes spielt dem Hotelmagnaten Donald Trump in die klitzekleinen Hände. Gerade jetzt hofft man auf Aussagen, Ecken, Kanten, etwas Fassbares. Nicht irgendwas. Und da hakt es bei von Balthazar diesmal leider gewaltig. 13 Songs bietet er in gut 40 Minuten an und überschreitet bisweilen die Grenzen zur Beliebigkeit.

Wirklich ritterlich ist das jedenfalls nur selten, und auch dann mitunter nur angerissen: Die Lo-Fi-Atmosphäre von "Curses!" etwa spielt mit Experimental-Pop-Elementen, verfehlt aber den nötigen Ausbruch, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben. "Smarter" setzt auf Zurückhaltung mit gespenstischem Gesang und karger Instrumentierung, kommt dadurch aber auch nur schleppend in Fahrt – und dem heimeligen "New world lamb", ohnehin schon einer der kürzesten Songs des Albums, geht gut eine halbe Minute vor Schluss komplett die Puste aus. Da kann auch der kratzige Psychedelic-Folk von "We need you" nur für eine halbe Portion Trost sorgen, die andere Hälfte gibt es vom immerhin leicht aus der Hüfte schießenden Opener "Surfer".

Ansonsten ist "Knights of something" weder Fisch noch Fleisch, sondern größtenteils eine lauwarme und vor allem größtenteils austauschbare Angelegenheit. "Thugs" etwa scheint sich selbst im Weg zu stehen, mehr noch – es bremst sich unnötigerweise selbst immer wieder aus, ohne einen wirklichen Spannungsbogen zu erschaffen. "Touch is meat" spielt mit rohem Charme, kommt aber über zumindest angetäuschten, beinahe unvollendet wirkenden Demo-Charakter nicht hinaus, und der überraschungsarme Abschluss mit "Lemon seed" verschläft wohl den eigenen Vorhangfall. Da ist der Saal eh schon längst leer, irgendjemand ist irgendwohin gegangen, um irgendwas zu machen. Womöglich, um neue Rüstungspolitur zu kaufen – wobei Troy von Balthazar ohnehin erstmals für mehr Schein als Sein sorgt.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Surfer
  • We need you

Tracklist

  1. Surfer
  2. Thugs
  3. We need you
  4. Smarter
  5. Astrid
  6. Empire of my hate
  7. New world lamb
  8. Touch is meat
  9. Curses!
  10. Smile
  11. My black prize
  12. Manic high
  13. Lemon seed

Gesamtspielzeit: 39:32 min.

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User Beitrag

Armin

Postings: 15655

Registriert seit 08.01.2012

2016-04-13 21:14:12 Uhr
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 15655

Registriert seit 08.01.2012

2016-01-14 14:31:47 Uhr

Artist: TROY VON BALTHAZAR
Title: KNIGHTS OF SOMETHING
Label: Siluh Records
Format: Album CD / LP / Digital
Release Date: April 1, 2016




Troy Von Balthazar, before working solo as TvB, became famous in the 90’s as the singer and songwriter of L.A./Hawaii band Chokebore. They toured all around the world, including 10 shows supporting Nirvana on their final tour, and released 5 LPs, landmarks in independant rock ‘s history.
His 4th studio album was recorded in Berlin and the South of France. He used a combination of an old Tascam 388, tape machine and Protools, a bunch of amazing guitar pedals, and vintage microphones.
It’s lo-fi songwriting and recording at it’s best, stream of consciousness music structures and powerful lyrics. The songs create a very distinct atmosphere that is really “The TvB sound”. By the way, TvB was born in Hawaii and used to be a skateboarder, but now lives between California and Berlin, where you could see him ride his bike, en danseuse.

troyvonbalthazar.net
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