Matchbox Twenty - Mad season

Matchbox Twenty- Mad season

Eastwest
VÖ: 22.05.2000

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Streichholzkisten und Seifenblasen

Aufrecht, emotional, alternativ - vor einigen Jahren war das der direkte Weg in die Charts. Matchbox 20 beschritten ihn, nachdem sie in "Push" eine zerrissene Liebesbeziehung von ihrem Sänger Rob Thomas schildern ließen. Thomas schaffte es, diese mit zerbrechlicher Emotionalität zu glaubhaft herüberzubringen. Die Single schlug ein und auch das dazugehörige Album "Yourself or someone like you" ging weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Dennoch blieb ein etwas bitterer Beigeschmack, denn die Tiefe, die "Push" versprach, konnte das Album nicht halten. Songs wie die drei Nachfolgesingles waren zu harmlos und unbedarft, als das sie wirklich hätten bewegen können, was allerdings nichts an ihrem Verkaufserfolg änderte.

Dennoch wurde das zweite Album der Band sehnsüchtig erwartet und mit Vorschußlorbeeren bedacht. Dies mag vor allem daran liegen, daß Thomas' Zusammenarbeit mit Santana ("Smooth") bei den diesjährigen Grammy Awards abgeräumt und sich zu einem veritablen Hit entwickelt hat. "Mad season" startet jedenfalls recht verheißungsvoll. "Angry" beginnt mit folkigen Gitarrentönen und Thomas erzählt in altbewährter Manier seine Geschichte. Das Arrangement wächst langsam heran. Geschickt eingewobene Chorgesänge, unaufdringliches Riffing und sogar der eine oder andere Drumloop ergeben einen gefälligen Song. Die spürbarste Veränderung zum Vorgänger ist die deutlich poliertere Produktion. Bläser, Hammond-Orgeln, Backing vocals - das mit "Yourself or someone like you" eingenommene Geld wurde in jede Menge Studiomätzchen investiert.

Leider blieb dabei nicht mehr viel für eigene Ideen übrig. Mit zunehmender Länge der Platte flacht sie immer mehr zu einem Del-Amitri-Plagiat ab, mit dem selbst Fans der jüngeren Bon-Jovi-Machwerke etwas anfangen könnten. Jede zunächst reizvolle Idee wird mit Studiobombast zugekleistert. Dennoch gibt es Lichtblicke, wie das bluesrockende "Crutch" und das mit einem scheppernden Beat unterlegte "Stop". Auch die Vorabsingle "Bent" hebt sich aus dem AOR-Einheitsbrei hervor. Thomas' immer noch gefühlsbetonte Stimme erzählt weiterhin seine Geschichten, aber was nützt das, wenn der potentielle Zuhörer längst eingeschlafen ist? Diese Musik ist ungefähr so aufregend wie der durchschnittliche Schalterbeamte der Post.

"I'm a little bit dirty" hieß es einst in "Push", ihrem bislang größten Hit. Von Schmutz und Dreck ist jetzt leider keine Spur mehr. Zu sauber und glattgebügelt klingt "Mad season". Alternative Rock? Dies ist nicht die Musik, für die Kurt Cobain gestorben ist. Außer dem leicht veränderten Bandnamen (aus Matchbox 20 wurde Matchbox Twenty) begegnen einem keinerlei neue Ideen. Die Band aus Florida ergeht sich in einem abgeschmackten Klischee nach dem anderen. So gibt es für jedes halbwegs brauchbare Stück ("Angry", "Crutch", "Bent", "Stop") einen Punkt und einen Extrapunkt dafür, daß darauf verzichtet wurde, das unsägliche "Smooth" mit auf dieser Platte zu plazieren.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Angry
  • Stop

Tracklist

  1. Angry
  2. Black and white people
  3. Crutch
  4. Last beautiful girl
  5. If you're gone
  6. Mad season
  7. Rest stop
  8. The burn
  9. Bent
  10. Bed of lies
  11. Leave
  12. Stop
  13. You won't be mine

Gesamtspielzeit: 56:28 min.

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