Palehound - Dry food

Palehound- Dry food

Heavenly / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 04.03.2016

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Erst der Anfang

Musiker sind erst einmal Hörer. Und Ellen Kempner hat viel zugehört, nachdem sie sich, gebeutelt von der großen Liebe, die sich als kleine entpuppt hatte, in ihrem Zimmer verbarrikadierte. Elliott Smith, Pixies, Pavement begleiteten ihre bettlägerigen Stunden. Sie klimperte auf der Gitarre mit, verwahrlost in der großen Introspektion. Sie suchte Fehler bei sich, fand weit mehr bei anderen. Wobei das untrennbar ist. So heißt es im benebelten Titelsong: "You made beauty a monster to me / So I'm kissing all the ugly things I see." Unsicherheit, Einsamkeit und eine permanente innere Unruhe formen Palehounds "Dry food", das Kempner bis auf wenige Schlagzeug- und Bassspuren selbst einspielte.

Es dominieren akustische und elektronische Gitarre, abwechselnd, die eine zerfasert in die andere und zurück. Ein Rhythmusbrecher ist "Healthier folk" mit einem zarten Saitenstupsen, welches in einen geschrammten Wave-Strudel springt. Kempner spielt sich schwindelig, sie liebt das Gitarrenfeedback mit Grunge-Riffs in "Cushioned caging", wie auch die reserviert gezupfte Sanftheit in "Dixie". Dabei hustet sie ins Mikrofon, tuschelt benommen davon, zu stoned zu sein, um Antibiotika zu schlucken oder pinselt freakige Szenarien. Etwa von denen, die sie niemals treffen wird, die nackt in ihren Träumen rumgeistern und deren Brüste mit Augen auf sie starren. Kempner vollzieht diesen ganzen Coming-Of-Age-Quatsch, die Jammerei des Außenseitertums und führt ihn zeitgleich mit einer Offenherzigkeit und Direktheit ad absurdum. Sie laviert zwischen Zwietracht für sich, Verständnis für die Welt und andersherum. Und taumelt stimmlich nahe der ruhig gestellten Karen O oder einer tief rumorenden Annie Clark.

Hoffnung schimmert kurz in "Seekonk" auf, wenn Kempners Gesang doppelt und in einer schönen Beach-Boys-Harmonie langsam ausblendet. Andy Warhol glaubte ja, neue Leute seien schlicht neuer als alte. Das trifft teilweise auf "Dry food" zu, vergegenwärtigt es den Neunzigerjahre-Indie-Rock. Aber es ist mehr als Blaupause und abgeguckt und altklug. Die 21-Jährige beginnt erst. Die acht Songs mit weniger als einer halben Stunde Laufzeit hinterlassen Gier nach mehr. Was eines der schönsten Komplimente für dieses schrullig-derbe Debüt ist.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Healthier folk
  • Dry food
  • Seekonk

Tracklist

  1. Molly
  2. Healthier folk
  3. Easy
  4. Cinnamon
  5. Dry food
  6. Dixie
  7. Cushioned caging
  8. Seekonk

Gesamtspielzeit: 28:34 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2016-04-13 21:12:29 Uhr
Frisch rezensiert.

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